Zöliakie Diagnose HLA-DQ2-Test HLA-DQ8-Test

Univ.-Prof. Dr. K.-P. Zimmer, Abt. Allgemeine Pädiatrie & Neonatologie, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am UKGM Gießen und Kongresspräsident DGKJ München

Zöliakie-Diagnose: Wozu braucht man den HLA-DQ2 und den HLA-DQ8-Test?

Weiß man, warum Diabetiker ein höheres Zöliakie-Risiko haben?

Sowohl Diabetes als auch Zöliakie sind Autoimmunerkrankungen und meist treten Autoimmunerkrankungen nicht isoliert auf, sondern assoziiert mit anderen Autoimmunerkrankungen. Zudem findet man bei Diabetes und Zöliakie auf den gleichen Chromosom-Abschnitten der Erbanlagen Veränderungen.  

Eine Rolle scheint dabei zu spielen, ob die Patienten entsprechend ihrer Erkrankung leben. Man vermutet, dass man bei Zöliakie durch glutenfreie Ernährung weitere Autoimmunerkrankungen verhindern kann. Umgekehrt kann es weitere Autoimmunerkrankungen auslösen, wenn man sich nicht an die glutenfreie Diät hält. Bewiesen sind diese Mechanismen noch nicht.

Übrigens: Zu den Autoimmunerkrankungen gehören z.B. Schilddrüsenerkrankungen – auch hier sollte man immer auch an eine Zöliakie denken und alle 2 Jahre einen Antikörper-Test oder den DQ2/ DQ8-Test durchführen. Fällt dieser negativ aus, ist eine Zöliakie unwahrscheinlich.

Stimmt es, dass in Deutschland 1 Prozent der Bevölkerung an Zöliakie erkrankt sind?

Für Länder wie Frankreich, Österreich, England, Schweiz, Polen, Italien und die Skandinavischen Länder gibt es gute Studien, die belegen, dass 1 Prozent der Bevölkerung von Zöliakie betroffen ist. In Finnland liegt die Zahl der Zöliakie-Betroffenen sogar höher, teilweise bis zu 2 Prozent. Für Deutschland ist die Datenlage nicht so gut durch Analysen belegt - hier geht man eher von 0,5 bis 0,7 Prozent der Bevölkerung aus.   

Ersetzt der Test auf HLA-DQ2 und DQ8 die endoskopische Untersuchung des Dünndarms?

Es gab Überlegungen unter den Kinderärzten, ob man sich durch den DQ2/DQ8-Test eine Biopsie des Dünndarms sparen könnte. Es gibt jedoch nur wenige Fälle, bei denen die Befunde so eindeutig sind, dass man auf die Dünndarmbiopsie verzichten könnte. Ein solcher Fall wäre z.B. wenn das Krankheitsbild der Zöliakie sehr ausgeprägt ist. Wenn ein Kind sehr starke Durchfälle hat, an Gewicht verliert, den für Zöliakie typischen dicken Bauch hat und noch dazu einem sehr  hohen Antikörper-Titer plus eine DQ2/DQ8-Positivität, kann man mit dem Kinder-Gastroenterologen besprechen, ob eine Biopsie wirklich nötig ist.

Das Problem ist, dass seit der Aufstellung dieser Kriterien tendenziell zu wenige Kinder endoskopisch untersucht werden. Dies hat die Konsequenz, dass die Diagnose Zöliakie nicht eindeutig gesichert ist und dementsprechend wenig dringlich erscheint den Eltern dann die Forderung nach einer lebenslangen glutenfreien Ernährung. Eine glutenfreie Diät bedeutet eine gewisse Einschränkung der Lebensqualität und häufig halten die Patienten die Diät nicht stringent durch, wenn kein eindeutiger Beweis erbracht wurde. Dagegen ist eine Biopsie ein überzeugenderes Argument für die Zöliakie und führt auch zu einer besseren Diätdisziplin.

Auf der anderen Seite kann man durch die Biopsie die Zöliakie auch ausschließen, denn im Rahmen eines Infektes oder wenn andere Autoimmunerkrankungen vorliegen, kann ein Antikörper-Test auch falsch positive Ergebnisse liefern. In diesen Fällen würde man einen Menschen unnötig mit einer glutenfreien Diät belasten.

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