Non-celiac gluten sensivity

Dr. Miriam Stengel, Vorsitzende von MAGDA – das Patientenforum für MAGen-DArm-Störungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Ärztin an der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin

Zöliakie oder Non-celiac gluten sensitivity (NCGS)?

Wird die Zöliakie deshalb in vielen Fällen erst sehr spät erkannt?

Vom Auftreten der typischen klinischen Symptome bis zur endgültigen Diagnose können in der Tat mehrere Monate oder sogar Jahre vergehen. Das liegt zum einen daran, dass das Wissen um die zur Diagnose der Zöliakie nötigen Testverfahren noch nicht weit genug verbreitet ist. Auch ähneln die Symptome der Zöliakie häufig den Symptomen anderer Intoleranzen. Nicht ohne Grund wird die Erkrankung auch als "Chamäleon" der Gastroenterologie bezeichnet. Ein Arzt benötigt somit eine gewisse Erfahrung, um die Zöliakie-Symptome richtig einzuordnen. Es gibt jetzt eine neue Zöliakie-Leitlinie.

Ein weiterer Grund für die zum Teil sehr spät gestellten Diagnosen bei Zöliakie ist, dass Patienten mit chronischen Bauchschmerzen recht schnell in die "Psychoecke" gestellt werden, d.h. man nimmt die Beschwerden einfach nicht ernst.

Welche Testverfahren sind zur Diagnose der bei der glutensensitive Enteropathie bzw. Zöliakie anzuwenden?

Die Diagnose der glutensensitiven Enteropathie stellt sich anhand der Anamnese, Antikörperstatus sowie Histologie der Zwölffingerdarmbiopsien. Es sollte zunächst eine ausführliche Anamnese, gefolgt von Blutentnahme zur Bestimmung der Antikörper gegen tissue-Transglutaminase (tTG-IgA-Ak) und Endomysium (EmA-IgA-Ak) sowie IgA-Gesamt im Serum durchgeführt werden. Die primäre Bestimmung der Gliadin-Antikörper wird nicht mehr empfohlen.

Eine weitere diagnostische Maßnahme ist die Magendarmspiegelung. Bei der Duodenoskopie, d.h. Spiegelung des oberen Dünndarms werden tiefe Duodenalbiopsien, durchgeführt. Alle Maßnahmen sollten unter glutenhaltiger Kost durchgeführt werden.

Die Diagnose Zöliakie kann sicher gestellt werden bei positiver Serologie (Antikörper) und positiver Histologie (MARSH 2 oder 3) und serologischer Besserung unter glutenfreier Diät.

Die Schleimhautveränderungen werden nach der MARSH-Klassifikation (Grad 0-4) eingeteilt. Grad 0 bedeutet normale Schleimhaut ohne Einwanderung von Lymphozyten (weiße Blutkörperchen). Je höher der MARSH-Grad, desto ausgeprägter sind die Schleimhautveränderungen. Es finden sich viele Lymphozyten, eine zunehmende Kryptenhyperplasie und Zottenatrophie. Jedoch können all diese Schleimhautveränderungen auch bei anderen Erkrankungen des Dünndarms auftreten. Sie sollten deshalb immer zusammen mit der Klinik und dem Antikörperstatus interpretiert werden.

Bisher sprach man bei > 40 intraepithelialen Lymphozyten (IEL) /100 Epithelzellen von einer Zöliakie. Kürzlich wurde dieser Wert auf 25 IEL/100 Epithelzellen reduziert.

Von einer potenziellen Zöliakie spricht man, wenn Zöliakie-Antikörper bei gleichzeitig normaler Mukosa (oder nur erhöhte intraepitheliale Lymphozyten) vorliegen. Diese Patienten werden wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund ihrer Glutenüberempfindlichkeit eine Zöliakie entwickeln.

Ist mit dieser Diagnostik auch die Diagnose der Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität möglich?

Die Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität ist eine Intoleranz gegenüber Weizenbestandteilen. Es handelt sich jedoch nicht um eine allergische oder autoimmune Erkrankung. Die Symptome ähneln denen der klassischen Zöliakie. Allerdings finden sich die typischen mikroskopischen Veränderungen im Dünndarm nicht. Die Antikörper im Blut können jedoch positiv sein. Wie die echten Zöliakie-Patienten profitieren auch Patienten mit Non-celiac gluten sensitivity von einer glutenfreien Ernährung.

Andere Bezeichnungen für die Nichtzöliakie-Nichtweizenallergie-Weizensensitivität sind übrigens "Non-celiac gluten sensitivity",  "Weizensensitivität" oder "Gluten Sensitivity"!

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