ATI Zöliakie Weizensensitivität

Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan

ATIs: Ein Faktor bei Zöliakie und Weizensensitivität

Zurück zu den ATIs: Wie genau agieren ATIs?

ATIs fördern allgemeine Immunreaktionen, die zwar über den Darm wirken, sich aber nicht notwendigerweise auf den Darm beschränken. In unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass die ATIs eher einen Einfluss auf sogenannte extraintestinale Symptome und Erkrankungen haben, d.h. auf Symptome und Erkrankungen außerhalb des Magen-Darm-Traktes.

Die Symptomatik bei der "klassischen Glutensensitivität", so wie die Erkrankung noch in der Gastroenterologie gesehen wird, spielt sich eher im Bauchbereich ab, die symptomatische Wirkung der ATIs geht aber, wie gesagt, viel weiter, d.h. über den Magen-Darm-Trakt hinaus.

Im Unterschied dazu ist die wirkliche Symptomatik der Weizensensitivität nach der neuen immunologischen Definition gerade auch extra-intestinal, d.h. außerhalb des Magen-Darm-Bereiches angesiedelt.

Zu den Mechanismen: Die ATIs wirken über eine Aktivierung der angeborenen Immunzellen, über einen Rezeptor, den sogenannten Toll-like Receptor 4. Dadurch werden bestehende Entzündungsreaktionen verstärkt. Eine Reduktion von ATIs in der Nahrung führt deshalb auch bei den genannten Autoimmunerkrankungen zumindest im Tierexperiment zu einer Besserung der Symptome.

Sie sagen, dass sich bei den genannten Erkrankungen die Symptome verbessern können, wenn der Patient die ATIs reduziert. Heißt das, dass auch die Entzündungsreaktionen reversibel sind?

Autoimmunerkrankungen sind sehr schwerwiegende Erkrankungen. Wenn sie einmal bestehen, ist es ausgesprochen schwer, sie zurückzuführen, es kommt zu bleibenden Schädigungen.

Wie kommen Sie bei Menschen, die auf ATIs unverträglich reagieren zu einer Diagnose?

Bei vielen Patienten, die in meine Sprechstunde kommen, bestehen diese schweren Autoimmunerkrankungen bereits. Die Patienten berichten jedoch von einer deutlichen Besserung der Symptome, wenn sie sich (weitgehend) glutenfrei und damit ATI-frei ernähren. Deshalb vermuten die Patienten häufig, dass sie zusätzlich an einer Zöliakie leiden und wollen dies abklären. Oft stellt sich dann heraus, dass eben keine Zöliakie vorliegt. Auch eine Weizen (Gerste, Roggen) -Allergie lässt sich bei ihnen weitgehend ausschliessen. Aus meiner Sicht sind diese Patienten dann die primären Kandidaten für eine Weizensensitivität.

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