Dermatitis herpetiformis Duhring Zöliakie

Professor Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie am Universitätsklinikum Jena und Experte der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-, und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Dermatitis herpetiformis Duhring - eine Sonderform der Zöliakie

Bedeutet das, dass sich eine glutenfreie Diät auch positiv auf die Dermatitis herpetiformis Duhring auswirkt?

Ja, das ist so. Die Behandlung des Morbus Duhring ist jedoch zunächst eine medikamentöse Therapie. Dazu wird der Dihydrofolsäure-Inhibitor Dapsone eingesetzt. Gleichzeitig wird dem Patienten aber auch eine glutenfreie Diät empfohlen. Durch diese glutenfreie Diät bessert sich die Hauterkrankung und es gibt sogar Fälle, in denen die medikamentöse Behandlung abgesetzt werden kann.

Welche Mechanismen stecken hinter dem Zusammenhang von Morbus Duhring und Zöliakie?

Wir wissen, dass bei der Zöliakie das Enzym Transglutaminase das Autoantigen ist. Die Transglutaminase wird bei Entzündungen im Gewebe freigesetzt und verändert Gluten bzw. Gliadin.

Wenn wir Weizen essen, werden Gluten bzw. Gliadinbestandteile aus dem Darmlumen in den Darm aufgenommen. Die Transglutaminase verändert diese Gliadin-Eiweißbruchstücke und macht sie für den Menschen, der eine Disposition für eine Zöliakie hat, gefährlicher.

Dabei laufen die Immunreaktionen wie ein „Schlüssel-Schloss-Mechanismus“ ab, bei dem das Antigen der Schlüssel ist, der in das Schloss, die Entzündungszelle oder Lymphozyt, passt. Wenn ein Schlüssel, d.h. ein Antigen, in den Darm aufgenommen wird und an diesem Schüssel durch die Transglutaminase noch ein wenig „gefeilt“ wird, um ihn „passender„ für das „Schloss“ zu machen, kann dieser Schlüssel das Schloss „aufschließen“ und es kommt zu einer Entzündungsreaktion.  

Die Transglutaminase spielt also als Auslöser und Verstärkung der Zöliakie eine sehr wichtige Rolle. Dabei unterscheidet man zwischen der sogenannten „intestinalen Transglutaminase“, d.h. der Transglutaminase im Magen-Darm-Trakt und der „kutanen Transglutaminase“, d.h. der Transglutaminase  in der Haut bzw. der epidermalen Transglutaminase.

Man stellt die Diagnose für Dermatitis herpetiformis Duhring also über die Haut?

Bei Patienten mit Morbus Duhring kann man Transglutaminase-Antikörper in einer Hautbiopsie, d.h. in einer Hautprobe nachweisen und kann so die Diagnose Dermatitis herpetiformis Duhring stellen. Es ist die epidermale Transglutaminase, die für die Entstehung der genannten Blasen bei der Dermatitis herpetiformis Duhring ein wichtiger Faktor ist.

Wenn die Diagnose Morbus Duhring gestellt ist, ist es dringendst zu empfehlen, zu untersuchen, ob auch eine Zöliakie vorliegt. Dafür untersucht man ob im Blutserum des Patienten Transglutaminase Antikörper vorhanden sind und man führt eine Dünndarmbiopsie durch.

Sie hatten erwähnt, dass der Morbus Duhring oft erst sehr spät erkannt wird, weil die Erkrankung so selten  ist…

Das Krankheitsbild des Morbus Duhring ist nicht so typisch und unverwechselbar, dass man es auf den ersten Blick erkennen könnte. Vielmehr muss man die Dermatitis herpetiformis Duhring von anderen blasenbildenden Hauterkrankungen abgrenzen und das ist manchmal nicht so einfach.  Dabei spielt auch eine Rolle, wie ausgeprägt die Dermatitis herpetiformis Duhring auftritt. Handelt es sich nur um wenige Pickel, denken die Patienten selbst manchmal, es handele sich um „unreine Haut“.  Erst wenn aus den Pickeln Blasen werden, wenn diese sich ausbreiten und zudem noch starker Juckreiz vorhanden ist, gehen die Patienten zum Arzt und der wichtigste Schritt bei der Diagnose des Morbus Duhring ist dann die Hautbiopsie.

Wo können sich Patienten mit einem Morbus Duhring und Zölikie über das praktische Vorgehen im Alltag informieren?

Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft ist für diese Patienten ein guter Ansprechpartner, denn hier gibt es einen speziellen Arbeitskreis für Patienten mit Dermatitis herpetiformis Duhring. Für manche Patienten ist es nicht immer nachvollziehbar, warum eine glutenfreie Diät eines Einfluss auf eine Hauterkrankung haben soll. Wenn man die Dermatitis herpetiformis Duhring als „Zöliakie der Haut“ versteht, wird dies vielleicht nachvollziehbarer.

In der Praxis ist eine glutenfreie Diät aber nicht so leicht umsetzbar und hier kann die Deutsche Zöliakie Gesellschaft sehr gut mit Tipps und Tricks helfen.

Herr Prof. Stallmach, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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