Mit Zöliakie in Krippe, Kita, Schule und Hort? So funktioniert’s!

Und so konnten Sie erreichen, dass sich alle an die „Zöliakie-Regeln“ für den Umgang mit Ihrer Tochter halten?

Bislang habe ich sehr gute Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise gemacht. Alle Beteiligten waren interessiert, was aus meiner Sicht die Ausgangsbasis für den Erfolg ist. Sie waren immer bereit, alles zu tun, damit meine Tochter trotz Zöliakie so normal wie möglich am Alltag der Einrichtungen teilnehmen konnte.

Ich denke, dass ein wichtiger Punkt für den Erfolg meiner Vorgehensweise war, dass ich selbst alle Lösungen angeboten habe. Z.B. habe ich das Infoblatt bereits in Mehrfachausführung mitgebracht, habe Vorschläge zur Logistik gemacht und habe auf eigene Kosten Mikrowelle, Geschirr, Besteck etc. angeschafft. So mussten die Einrichtungen selbst keine langwierigen Prozesse zur Lösungsfindung anschieben und der Veränderungsaufwand war für alle sehr gering. Deshalb haben sich - soweit ich das beurteilen kann – alle stets an die Regeln gehalten.

Unsere Horterzieherin ist mittlerweile sogar soweit sensibilisiert, dass sie versucht, alle Feste glutenfrei zu gestalten, z.B. das Jahresabschlussfest. Das finde ich nicht selbstverständlich, da es in erster Linie meine Verantwortung ist.

Sie haben alles rund um die Einrichtungen perfekt organisiert, bzw. darauf geachtet, dass Ihre Tochter möglichst „normal“ an allen Aktivitäten teilnehmen kann. Wie kommt Ihre Tochter mit der Zöliakie zurecht?

Da man nicht alles durchplanen kann, war ich von Anfang an bemüht, meine Tochter an allen zöliakiebedingten Maßnahmen zu beteiligen. Sie kennt die Lebensmittel, die Gluten enthalten und sie weiß - vor allem an Imbissbuden etc. – was sie essen darf, was bekanntlich nicht allzu viel ist.

Ich habe nie versucht, ihr die manchmal bittere Erfahrung zu ersparen, dass sie auch einmal „nichts“ essen darf, obwohl mir das anfangs sehr schwer gefallen ist. Mittlerweile kann sie lesen und ich lasse sie ständig die Zutatenlisten lesen und frage sie ab, ob sie das Lebensmittel essen kann oder nicht. Mittlerweile sucht sie auch selbstständig Lebensmittel aus der DZG-Liste. Natürlich lasse ich sie auch mit mir kochen und backen, wenn es die Zeit erlaubt, das hat aber weniger mit der Zöliakie zu tun, "gesunde" Kinder tun das ja ebenso. Bislang funktioniert das gut und wenn sie etwas Neues im Supermarkt entdeckt, liest sie ohne Aufforderung sofort die Zutatenliste automatisch.

Ist dieses Verhalten nicht außergewöhnlich verantwortungsvoll für ein achtjähriges Kind?

Ich denke, ein Vorteil liegt in der frühen Zöliakie-Diagnose meiner Tochter und ihrem Hineinwachsen in die Konsequenzen. Allerdings denke ich auch, dass sicher irgendwann ein Tag kommen wird, an dem die Lust dazu zu gehören, größer ist, als die Vernunft... Auch habe ich bisher noch keine Erfahrungen mit Klassenfahrten etc. gemacht.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich von den kommunalen Einrichtungen bislang sehr viel Verständnis für unsere Situation erfahren habe, obgleich es für alle Beteiligten eine neue Situation war und ich hoffe, dass das so bleibt.

Durch meine Arbeit als Lehrerin an einer freien Fachschule für Sozialwesen habe ich auch häufig mit anderen Kindergärten zu tun und stelle fest, dass auch in anderen Einrichtungen das Thema "Zöliakie" und "glutenfrei" ein Thema ist. Allerdings wird sehr unterschiedlich damit umgegangen - sowohl seitens der Erzieher und der Einrichtung, als auch seitens der Eltern, was ich teils erschreckend finde.

Ich denke, ein wesentlicher Punkt ist das Thema Aufklärung und ein normalisierter Umgang im Alltag mit diesen Besonderheiten. Allerdings ist Aufklärung durch die Eltern nur die eine Seite der Medaille. Meines Erachtens wäre es sehr sinnvoll, Weiterbildungsangebote für Erzieher zum Thema "Allergien - Unverträglichkeiten - Umgang im Kita-Alltag" zu konzipieren, um den Erziehern die Unsicherheit, die manchmal auch zur Blockade führt, zu nehmen. Info-Blätter reichen meines Erachtens nicht, um den Erziehern diese Unsicherheiten zu nehmen. Und ich denke, diese Verantwortung liegt bei den übergeordneten Trägern.

Frau Friedrich, herzlichen Dank für dieses Interview!

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