Zöliakie Depressionen Ängste

PD Dr. Winfried Häuser, Leiter des Schwerpunkts Psychosomatik am Klinikum Saarbrücken

Zöliakie: Depressionen und Ängste - was hilft den Patienten?

Welche Therapiemöglichkeiten hat man in der Psychosomatik für Zöliakie-Patienten mit psychischen Problemen?

Eine wichtige Maßnahme ist zunächst die Vermeidung psychischer Probleme. Hier spielt der Kontakt zu anderen Betroffenen eine wichtige Rolle. Anhand mehrerer Studien konnte man nachweisen, dass psychologische Unterstützungsgruppen für die Patienten sehr hilfreich sein können. Gerade unmittelbar nach der Diagnose Zöliakie können Gruppengespräche, in denen Fragen behandelt werden wie: "Was bedeutet die Erkrankung Zöliakie für mich?" "Zu welchen Problemen kann sie führen?" "Wie kann ich mit diesen Problemen umgehen?" etc. dabei helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen unter der Leitung eines Psychologen oder Psychotherapeuten helfen dabei, aus dem anfänglichen "Stimmungstief" herauszukommen.

In der neuen Leitlinie für Zöliakie wird deshalb sogar ausdrücklich empfohlen, dass die Patienten sich mit Selbsthilfeorganisationen in Verbindung setzen sollen. Dort erhalten sie wichtige Informationen zur Umsetzung einer glutenfreien Kost und finden, wenn der Bedarf besteht, den nötigen emotionalen Austausch. Insbesondere für Eltern zöliakiekranker Kinder ist der praktische Erfahrungsaustausch oft eine wertvolle Hilfe. Außerdem kann es emotional entlastend wirken wenn man sieht: "Andere haben die gleichen Probleme wie wir!"

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wenn die Zöliakie-Selbsthilfegruppe zur Bewältigung der Probleme nicht ausreicht - was kommt danach?

Man geht hier entsprechend einer Stufentherapie vor. An erster Stelle steht die Selbsthilfe, d.h. man informiert sich und versucht die Erkrankung alleine zu bewältigen. Der zweite Schritt wäre die Selbsthilfe-Gruppe und die dritte Stufe wäre eine professionelle Unterstützung durch einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten, der mit den Besonderheiten des Krankheitsbildes Zöliakie vertraut sein sollte.

Es gibt in der Psychotherapie bewährte Techniken zur Unterstützung von Menschen mit chronischen körperlichen Erkrankungen, man nennt das supportive Psychotherapie, d.h. unterstützende Psychotherapie. Liegt bereits klar eine depressive Störung oder eine Angststörung vor, kann man auf klare Psychotherapie-Module zurückgreifen, z.B. aus der psychodynamischen Therapie oder der kognitiven Verhaltenstherapie. Diese manualisierten Therapien werden unabhängig davon eingesetzt, welche anderen Erkrankungen eine auslösende Rolle spielen.

Gibt es auch Therapiemöglichkeiten für die Familien zöliakiekranker Kinder?

Es gibt nur sehr wenige Studien zur Lebensqualität von Familien von Kindern mit Zöliakie. Eine Studie, die letztes Jahr in Italien durchgeführt wurde, konnte jedoch zeigen können, dass der Stress-Level von Eltern zöliakiekranker Kinder höher ist als der von Eltern nicht erkrankter Kinder.4)

Auch für Familien gibt es verschiedene Techniken, die, unabhängig davon um welche Erkrankung es geht, angewendet werden können. Hier geht es darum, die Angehörigen eines Kindes zum besseren Umgang mit der Erkrankung zu befähigen. Ähnlich wie bei der erwähnten Einzeltherapie geht man bei der Einbeziehung der Angehörigen von Patienten stufenweise vor, d.h. in Abhängigkeit von der Dringlichkeit der Erkrankung bzw. dem Schweregrad der Symptome.  

Herr Privatdozent Häuser, herzlichen Dank für dieses Gespräch!


Quellen:

1) Häuser W. Psychosomatische Aspekte der Zöliakie. In: DZG Medizin: Zöliakie/Sprue. Stuttgart, 2010, S. 45-47

2) Health-related quality of life in adult coeliac disease in Germany: results of a national survey, Winfried Häuser, Joachim Gold, Jürgen Stein, Wolfgang S. Caspary, Andreas Stallmach, European Journal of Gastroenterology & Hepatology, 2006, Vol 18 No 7

3) Predictors of reduced health-related quality of life in adults with coeliac disease, W. Häuser, A. Stallmach, W.F. Caspary, J. Stein, Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2007, Vol 25, 569 - 578

4) Parenting stress and impact of illness in parents of children with coeliac disease, Epifanio MS, Genna V, Vitello MG, Roccella M, La Grutta S., Pediatr Rep. 2013 Dec 19;5(4):e19. doi: 10.4081/pr.2013.e19. eCollection 2013.

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