Zöliakie Depressionen Ängste

PD Dr. Winfried Häuser, Leiter des Schwerpunkts Psychosomatik am Klinikum Saarbrücken

Zöliakie: Depressionen und Ängste - was hilft den Patienten?

Ist es möglich, eine Grenze zu ziehen zwischen „erwartbaren“ psychischen Reaktionen, die mit der Diagnose Zöliakie einhergehen können und Reaktionen, bei denen man Hilfe suchen sollte?

Die Grenzen sind hier natürlich immer fließend. Das beginnt mit einer vorübergehenden angemessenen Niedergeschlagenheit bzw. Traurigkeit über die Diagnose und kann im Extremfall zu einer dauerhaften Niedergeschlagenheit werden, die das gesamte Leben beeinträchtigt.

Ein Kriterium, der den Unterschied zwischen "normal" und "problematisch" definiert, ist der Faktor Zeit. Wenn ein Mensch länger als 14 Tage depressive Symptome aufweist, spricht man per definitionem von einer depressiven Episode, die leicht, mittelschwer und schwer sein kann.

Ein weiteres Kriterium ist, ob der Mensch durch seine psychischen Probleme, Depressionen, Angststörungen etc. in seiner Lebensführung beeinträchtigt ist. Wenn z.B. die Arbeitsqualität oder die schulische Leistung nachlässt, man die sozialen Kontakte vernachlässigt oder sich zurückzieht, dann kann man davon ausgehen, dass eine Behandlungsbedürftigkeit besteht.

Umgekehrt gefragt: Wann braucht man sich denn keine Sorgen zu machen, obwohl man unter der Zöliakie leidet?

Eine normale Reaktion auf die Diagnose Zöliakie ist die Sorge über die Konsequenzen der Diagnose. Die Patienten fragen sich dann: "Wie soll es jetzt weitergehen?" Es ist auch normal, mit seinem Schicksal zu hadern, wütend zu werden und sich zu fragen: „Warum hat das jetzt ausgerechnet mich getroffen?“ Allerdings sollte diese Phase nicht zu lange anhalten.

Welche Konsequenzen hat es für Zöliakie Patienten, wenn Sie psychische Probleme entwickeln?

Psychische Probleme können zusätzliche Probleme nach sich ziehen. Es gibt einige Studien an Zöliakie Patienten, die gezeigt haben, dass Zöliakie-Betroffene mit einer klinisch relevanten depressiven Symptomatik weniger adhärent bezüglich einer glutenfreien Kost sind. Das heißt Zöliakie Patienten mit Depressionen neigen in stärkerem Maße zu Diät-Verstößen als das bei nicht depressiven Zöliakie Patienten der Fall ist und schädigen sich damit noch zusätzlich. Dieses Verhalten ist jedoch nicht typisch für die Zöliakie, sondern für die Depression. Auch bei Diabetikern, die depressiv sind, kommt es häufiger zu Diätverstößen als bei Diabeteserkrankten ohne psychische Probleme.

Eine weitere Konsequenz ist die mit psychischen Problemen einhergehende verminderte Lebensqualität. In einer weiteren mit der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) durchgeführten Studie konnten wir zeigen, dass Faktoren wie Depressionen und Angststörungen die Lebensqualität der Zöliakie Patienten in erheblichem Maße negativ beeinflusst. Dies gilt übrigens auch für Faktoren wie eine Zöliakie Diagnose in jungen Jahren, mangelnde Diättreue und der Eindruck einer "mangelnden Information" durch den behandelnden Arzt.3)

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