Zöliakie Folgeerkrankungen

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Zöliakie und Folgeerkrankungen: Womit muss man rechnen? Was ist selten?

Abgesehen von der glutenfreien Diät - welche Behandlungsmöglichkeiten stehen aktuell zur Verfügung?Wie weit ist die Enzymforschung? Gibt es weitere Forschungsinitiativen?

Erste Ansätze gibt es im Rahmen von Studien, aber die glutenfreie Ernährung ist aber nach wie vor der Goldstandard und nach wie vor die beste, effektivste und nebenwirkungsärmste Therapie. Daran müssen sich eventuelle neue Therapieformen messen.

Wahrscheinlich wird keine der Therapieformen, die aktuell in der Forschung sind, so wirksam sein, dass man sich, wie z.B. bei der Laktoseintoleranz die Laktasepräperate, unter Einnahme von Medikamenten normal ernähren kann. Die Präparate sind zurzeit noch nicht so effektiv.

Man forscht zur Zöliakie jedoch mit den unterschiedlichsten Ansätzen. Ein Ansatz ist die Unfähigkeit des menschlichen Darms, die Proteine des Glutens in so kleine Bruchstücke abzubauen, dass dieses keinen Schaden mehr anrichten kann. Dadurch entstehen immer zu lange Peptidketten, die für Zöliakie-Betroffene schädlich sind. Bei der Enzymtherapie z.B. versucht man diese Peptidketten weiter aufzuspalten, so dass sie für den Darm nicht mehr schädlich sind. Diese Methode klingt einfacher als sie ist, denn im Magen herrscht ein saures und im Dünndarm herrscht ein alkalisches Klima. In der Regel gelangt der Speisebrei innerhalb von zwei Stunden vom Magen in den oberen Dünndarm, wo die Zöliakie sitzt. Die Enzyme müssen also innerhalb kürzester Zeit unter extremen pH-Bereichen wirksam sein und außerdem noch eine gewisse Menge an Gluten spalten können und das ist sehr schwierig.

Ein anderer Ansatz, der in den USA untersucht wird, ist der Versuch die Darmschleimhaut quasi abzudichten. Normalerweise sind die Schleimhautzellen im Darm miteinander verklebt und  dichten so die Oberfläche ab - man nennt das Tight Junctions. Bei der Zöliakie hat man beobachtet, dass sich die Klebepunkte der Schleimhautzellen aufgrund der Entzündung öffnen und die Schleimhaut durchlässiger wird. Dadurch gelangen Fremdstoffe schneller in den Körper und können Entzündungen auslösen. Deshalb versucht man hier die Tight Junctions so abzudichten, dass das Gluten nicht in den Körper gelangen kann.

Ein weiterer Forschungsansatz, der von einem deutschen Unternehmen verfolgt wird, ist der Versuch einen Transglutaminase-Hemmstoff zu entwickeln. Das Enzym Transglutaminase spielt eine zentrale Rolle bei der Zöliakie. Von der Hemmung des Enzyms verspricht man sich, dass der gesamte Entzündungsprozess aufgehalten werden kann.

In Australien arbeitet man an einer Art Impfung, die ähnlich wirkt wie die Desensibilisierung bei Allergien.

Es gibt sehr viele Ansätze, aber aktuell ist mir keiner bekannt, der es zur Marktreife gebracht hat. Ein solches Medikament würde den Zöliakie-Patienten das Leben sehr erleichtern. Für die meisten ist ja weniger das Essen zu Hause ein Problem, sondern vielmehr das Essen außer Haus wie der Restaurantbesuch. Insbesondere sehr sensible Zöliakie-Betroffene, die auch auf wesentlich geringere Mengen als den gesetzlich erlaubten Grenzwert von 20 mg pro kg Lebensmittel reagieren, könnten von diesen Medikamenten profitieren. Es wird auch eine Rolle spielen, welche Nebenwirkungen das Medikament hat und zu welchem Preis es angeboten wird bzw. ob es überhaupt als Medikament oder als Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird.

Frau Dr. Baas, ich danke Ihnen herzlich für dieses Gespräch!

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