Zöliakie Symptome und Diagnose

Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart

Zöliakie: Wie erkennt man die Symptome und wie erfolgt die Diagnose?

Welche anderen Testverfahren gibt es und wann werden sie eingesetzt bzw. warum werden sie selten eingesetzt?

Neben dem Tranglutaminase-Antikörpertest gibt es noch andere Antikörpertests, wie z.B. den Test auf Endomysium-IgA-Antikörper). Dieser Test ist schon länger im Einsatz und entspricht qualitativ dem Tranglutaminase-Antikörpertest. Allerdings wird der Endomysium Antikörper-Test nicht von allen Laboren angeboten. Zum einen ist dieses Testverfahren deutlich aufwendiger als der Tranglutaminase-Antikörpertest. Zum anderen bedarf es auf Seiten des Labors einer gewissen Erfahrung und Expertise, um die Ergebnisse dieses Tests korrekt auszuwerten. Der Tranglutaminase-Antikörpertest ist im Vergleich deutlich einfacher in der Handhabung und wird deshalb von den Laboren bevorzugt.

Außerdem gibt es noch die neueren Gliadin Antikörper-Tests, die sogenannten deamidierten Gliadin-Peptid-Antikörper-Tests. Hier kommen vor allem die IgG-Antikörper zum Einsatz. Diese Diagnoseverfahren sind etwas schlechter als Tranglutaminase-Antikörpertest und Endomysium-Antikörper-Test (IgA), werden aber eher bei einem IgA-Mangel eingesetzt.

Das hat den folgenden Hintergrund: Die bei der Zöliakie auftretenden Antikörper sind hauptsächlich IgA-Antikörper und genau diese IgA-Antikörper werden durch den Tranglutaminase-Antikörpertest und den Test auf Endomysium-Antikörper bestimmt. In der deutschen Bevölkerung ist jedoch der IgA-Mangel der am häufigsten auftretende Immundefekt – die Häufigkeit liegt bei 1 zu 500. Besteht also dieser Immundefekt, d.h. ein IgA-Mangel, kann der Körper IgA-Antikörper entweder schlecht oder gar nicht produzieren. Diese werden deshalb auch bei bestehender Zöliakie nicht vom Körper gebildet. Wenn man vorher nicht weiß, ob der Betroffene einen IgA-Mangel hat, weiß man bei einem negativen Ergebnis der Tests auf Tranglutaminase-Antikörper und Endomysium-Antikörper nicht, ob nicht doch eine Zöliakie vorliegt. Es ist deshalb wichtig, zu Beginn der Diagnostik, zumindest einmalig, zu bestimmen, ob der Betroffene überhaupt IgA-Antikörper herstellen kann. Es ist deshalb sinnvoll, gleich zu Beginn der Diagnostik Transglutaminase IgA und das Gesamt-IgA abzuklären, denn dadurch werden zeitliche Verzögerungen durch evtl. weitere Tests vermieden. Dies ist auch deshalb wichtig, weil der Patient so schnell wie möglich erfahren sollte, ob bei ihm eine Zöliakie vorliegt oder nicht. Vergeht zu viel Zeit zwischen dem Zöliakie-Verdacht und der eigentlichen Diagnose, besteht die Gefahr, dass der Patient aus Ungeduld selbstständig mit einer glutenfreien Diät beginnt und dies würde die Ergebnisse aller nachfolgenden Tests verfälschen. Besteht tatsächlich ein IgA-Mangel, würde man bzgl. der Transglutaminase einen IgG-Antikörpertest bevorzugen und/oder den deamidierten Gliadin-Peptid-IgG-Antikörper-Test. Dieser Test kann auch immer dann zusätzlich angewendet werdent, wenn man mit der Transglutaminase-Testung nicht weiter kommt.

Die Symptome der Glutensensitivität sind denen der Zöliakie sehr ähnlich, worin bestehen die Unterschiede?

Anhand der Symptome lassen sich die Zöliakie und die Glutensenstivität nicht unterscheiden. Allerdings scheint die Glutensensitivität nicht so stark mit den extraintestinalen Beschwerden einherzugehen.

Wie sieht die Diagnose dann bei der Glutensensitivität aus?

Für die Glutensensitivität verfügen wir zurzeit noch nicht über einen Marker, der die Erkrankung im Blut nachweist – daran wird noch geforscht. Entzündungen des Darms findet man bei der Glutensensitivität nicht. Die Glutensensitivität stellt daher momentan eine Ausschlussdiagnose dar. Wenn man weder die für die Zöliakie typischen Antikörper im Blut findet, noch die typischen Veränderungen der Darmschleimhaut und wenn kein Hinweis auf eine Weizenallergie oder eine Roggenallergie vorliegt, sich die Beschwerden unter glutenfreier Diät aber verbessern, geht man von einer Glutensensitivität aus.

Ist die Glutensensitivität auch eine lebenslange Diagnose wie bei der Zöliakie?

Zurzeit weiß man das noch nicht so genau, da das Krankheitsbild erst seit einigen Jahren systematisch erforscht wird. Vermutlich ist es eher so, dass die Glutensensitivität nicht bei jedem Betroffenen gleich stark ausgeprägt ist und dass sie vermutlich auch in manchen Fällen wieder verschwindet. Man kann sich hier wahrscheinlich am Schweregrad der Symptome orientieren, auch in Bezug auf die glutenfreie Diät. Man muss eventuell keine strikt glutenfreie Diät einhalten, sondern es reicht aus, den Glutenkonsum so weit zu reduzieren, dass eine Beschwerdefreiheit gewährleistet ist.

Frau Dr. Baas, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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