Weizensensitivität Glutensensitivität Weizenunverträglichkeit Glutenunverträglichkeit

Dr. Michael Schumann beim DGIM-Kongress zur Weizen- bzw. Glutensensitivität!

Weizen- bzw. Glutensensitivität: Aktuelles zu Ursachen und Diagnostik

Die Weizensensitivität bzw. Glutensensitivität gibt es, da sind sich die Experten wohl einig. Allerdings ist zurzeit noch nicht bekannt, welche Ursachen zur Entwicklung der Erkrankung führen. Auch die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen fällt teilweise schwer, denn noch existiert keine standardisierte Diagnostik, die in der Praxis zum Einsatz kommen könnte. Einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung gab Dr. med. Michael Schumann von der Klinik für Gastroenterologie an der Charité beim 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim. 

Weizensensitivität – Glutensensitivität: Essen wir zu viel Weizenmehlprodukte?

Ein Blick auf Zahlen von der Website des US Department für Agriculture macht es deutlich: Der pro Kopf Verzehr von Weizenmehl ist in den letzten vier Jahrzenten extrem angestiegen. Während man in den USA bis Anfang der 70er Jahre noch auf jährlich etwa 112 lb pro Kopf kam, erreichte der Durchschnittsamerikaner Ende der 90er Jahre einen Höchstwert von ca. 145 lb. Eine Ursache dafür sieht die Behörde im steigenden Konsum von Fast Food Produkten. Aber auch die Cholesterin-Phobie der letzten Jahrzehnte scheint man als Ursache ausgemacht zu haben: Bei dem Versuch, Fett aus dem Speiseplan zu streichen, griffen viele US-Bürger offenbar vermehrt zu Produkten aus Weizenmehl. Erst um die Jahrtausendwende kam es beim Siegeszug des Weizens zu einer Wende, im Jahr 2012 lag der pro Kopf Verbrauch von Weizenmehl nur noch bei etwas über 130 lb. Ursache dafür war zunächst die Low-Carb-Diät, die in dieser Zeit an Popularität zulegte, und kurz darauf die glutenfreie Diät. „Der Weizenkonsum hat über das letzte Jahrhundert stark zugenommen. Der Weizen hat sich genetisch und in seiner Proteinausstattung verändert. Und wir haben die neue Erkrankung Weizensensitivität. Das sind auffällige Assoziationen, aber bislang keine kausalen Zusammenhänge.““ erklärte Dr. med. Michael Schumann „und die Entwicklung in den USA  lässt sich sicher zumindest auf die „westlich“ geprägten Länder übertragen“.

Weizensensitivität – Glutensensitivität: Wie viele verzichten freiwillig? Wie viele sind betroffen?

Dass die Zahl derer, die Gluten nicht vertragen, oder die aus anderen Gründen auf Gluten verzichten wollen, ist signifikant. Weltweit findet man in internationalen Studien stets einen gewissen Anteil an Personen, die angeben, auf Gluten zu verzichten, obwohl sie nicht an Zöliakie erkrankt sind und auch nicht an Glutensensitivität oder Weizensensitivität. Je nach Land, in dem die Studien stattfinden, liegt der Anteil der „Glutenvermeider“ zwischen 5 und 22 Prozent mit einem deutlichen Schwerpunkt in und um Großstädten, ein Hinweis, dass eine gewisse soziokulturelle Komponente involviert sein könnte. Ebenfalls scheinen sich deutlich mehr Frauen als Männer aus freien Stücken für eine glutenfreie Diät zu entscheiden - mehrere Studien kamen auf ein Frau-Mann-Verhältnis von 3 zu 1.  

Es gibt eine Reihe von Studien, die versucht haben, zu ermitteln, wie viele Menschen tatsächlich von einer Nicht Zöliakie Weizensensitivität (NZWS) betroffen sind. In einer groß angelegten italienischen Studie wurden 12.255 Patienten mit Hilfe eines Fragebogens befragt, es handelte sich dabei um eine Analyse, in die die subjektiven Daten der Patienten einflossen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass ca. 4 Prozent der Befragten von einer Nicht Zöliakie Weizensensitivität (NZWS) betroffen waren.1)

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Weizensensitivität –Glutensensitivität: Eindeutige Symptome gibt es nicht

Welche Symptome sind typisch für die Nicht Zöliakie Weizensensitivität (NZWS)? Eine Frage, die sich nicht eindeutig beantworten lässt! Die Symptome der Nicht Zöliakie Weizensensitivität lassen sich in intestinale, d.h. darmbezogene Symptome und extraintestinale, d.h. nicht-darmbezogene Symptome aufteilen und sind sowohl zahlreich als auch unspezifisch. An erster Stelle standen bei der erwähnten Studie bei den darmbezogenen Symptomen Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle und bei den s.o. Symptomen Unwohlsein, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Aber auch Symptome wie Obstipation, Oberbauchschmerzen, Luftschlucken, Konzentrationsstörungen , Blutarmut und Depressionen wurden von den Befragten angegeben. 

Interessanterweise wurden die Patienten in dieser Studie auch gefragt, wer zuerst den Verdacht auf eine Weizensensitivität bzw. Glutensensitivität hatte. An erster Stelle stand der Patient selbst mit 55 Prozent, gefolgt vom Gastroenterologen mit 54 Prozent, der Hausarzt war mit 21 Prozent weit abgeschlagen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Krankheitsbild noch nicht so bekannt ist bzw. dass es auch unter Experten als umstritten gilt.

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