WDEIA

Privatdozentin Dr. med. Silke Hofmann, Zentrum für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie am Helios Klinikum Wuppertal

WDEIA: An welchen Symptomen erkennt man sie? Wie sehen Diagnose und Therapie aus?

Mit welchen Tests kann man die WDEIA diagnostizieren?

Die WDEIA ist eine Allergie, die oft nicht so schnell diagnostiziert wird, auch deshalb, weil sich die anaphylaktischen Schockereignisse oft in großem zeitlichem Abstand ereignen. Eine gute Anamnese ist deshalb sehr wichtig, denn hier muss der Arzt erfragen, ob es einen Zusammenhang zwischen Anaphylaktischer Reaktion, dem Verzehr von Weizen und sportlicher Aktivität geben könnte.  

Es gibt bei der WDEIA nicht die typische Konstellation, die zweifelsfrei eine WDEIA kennzeichnet. Wenn in der Anamnese der Verdacht aufkommt, dass weizenhaltige Nahrungsmittel oder Sport in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Anaphylaktischen Reaktion stehen, sollte der Arzt all die erwähnten möglichen Kofaktoren beim Patienten abfragen und entsprechende Tests durchführen.

Zur Diagnose dienen Prick-Tests, ein Hauttest mit Weizenextrakt, am besten aber mit nativem Weizenmehl. Mit "nativem Weizenmehl" ist das ganz normale Mehl aus dem Supermarkt gemeint. Die meisten Menschen mit WDEIA reagieren auf diesen Hauttest positiv. Aber auch andere Weizenallergiker zeigen in diesem Test eine Reaktion. Um die Diagnose WDEIA ganz sicher zu bestätigen, muss ein Bluttest zur Bestimmung der spezifischen IgE-Antikörper gegen Omega-5-Gliadin, das Hauptallergen bei der WDEIA, durchgeführt werden. Bei 80 Prozent der Patienten mit WDEIA kann man Antikörper gegen Omega-5-Gliadin nachweisen, und damit die Diagnose als gesichert betrachten. Bei Patienten mit klinischem Verdacht auf WDEIA und negativem Bluttest wäre der Goldstandard der Diagnostik eine Provokationstestung in einer Klinik. Dabei würde der Patient Weizen zu essen bekommen und dann auf dem Fahrradergometer belastet, evtl. unter zusätzlicher Gabe von ASS. Kommt es zu einer anaphylaktischen Reaktion, dann ist die Diagnose gesichert. Der Provokationstest dient aber auch dazu zu ermitteln, unter welcher Kombination von Faktoren es beim individuellen Patienten zu einem WDEIA-Ereignis kommt. Das kann hilfreich sein, um den Patienten den Zusammenhang anschaulich zu machen. Allerdings birgt die Provokation auch das Risiko einer Anaphylaktischen Reaktion – hier gilt es also, abzuwägen.

Ist WDEIA eine lebenslange Diagnose?

Dazu gibt es noch keine Studiendaten, denn die WDEIA ist eine Form der Anaphylaxie, die erst vor kurzem erkannt wurde. Man geht aktuell jedoch davon aus, dass die WDEIA lebenslang bestehen bleibt und sich keine Toleranz entwickelt.

Wie sieht die Therapie der WDEIA aus? Welche Empfehlungen geben Sie Ihren Patienten? Müssen Betroffene auf Weizenprodukte verzichten?

Wenn es zu einem Anaphylaktischen Ereignis kommt, muss dies durch einen Notarzt behandelt werden. Dieser wird Antiallergika, Kortison und Adrenalin einsetzen. Ist die Diagnose WDEIA gestellt, ist es ganz wichtig, dass der Patient ein Notfallset zur Selbstmedikation erhält. Dieses enthält neben Fenistil-Tropfen und Kortison-Lösung einen Adrenalin Autoinjektor, mit dem sich der Patient Adrenalin in den Oberschenkelmuskel injizieren kann. So kann er sich im Falle einer Anaphylaktischen Reaktion schon selbst behandeln, bis der Notarzt eintrifft.

Der WDEIA-Patient muss jedoch auch dringend darauf achten, dass er innerhalb von 6 Stunden nach dem Verzehr von Weizen Kofaktoren meidet, z.B. körperliche Belastungen, Alkoholgenuss oder die Einnahme von Schmerzmitteln. Bei Patienten, die mehrere WDEIA Ereignisse hatten, hat man gesehen, dass die auslösenden Faktoren jeweils variieren können. Beim gleichen Patienten kann z.B. einmal Sport und Weizen die WDEIA auslösen, beim nächsten Mal ein Infekt im Zusammenhang mit Weizen und dann schließlich die Kombination von Sport, Alkohol und Weizen. Deshalb ist das Notfall Set auch sehr wichtig.

Wir empfehlen aber unseren WDEIA-Patienten nicht generell auf Weizen zu verzichten. Dies hängt natürlich auch ab von der individuellen Vorgeschichte, aber die Mehrzahl der WDEIA- Patienten hat immer wieder und über einen langen Zeitraum hinweg keinerlei Ereignisse. Der generelle Verzicht auf Weizen würde deshalb eine zu starke Einschränkung bedeuten. Ist die Diagnose einmal gestellt und sind dem Patienten die Zusammenhänge der WDEIA bewusst, kann er meist sehr gut mit der WDEIA umgehen und verhindern, dass es wieder zu Reaktionen kommt.

Frau Privatdozentin Hofmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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