Sojaallergie

Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Sojaallergie: Wie sensibilisiert man sich? Welche Produkte sind zu meiden?

Spielt es eine Rolle, in welcher Form Soja verzehrt wird?

Sojaprodukte können unterschiedlich verarbeitet werden. Der Allergengehalt ist je nach Verarbeitungsgrad und Eiweiß-(Allergen-)Gehalt sehr unterschiedlich.

So werden eiweißarme oder –freie Sojaölprodukte, z. B. Sojalecithin in Margarine oder Schokolade sowie Sojasaucen, von Sojaallergikern in der Regel gut vertragen und auch Soja in Medikamenten stellt in der Regel keine Gegenanzeige für die Gabe bei Sojaallergikern dar.

Besonders gefährlich sind allerdings die eiweißreichen, gering prozessierten Sojaprodukte wie Soja-Pulver (Diätprodukte) und Sojadrinks. Da das pollenassoziierte Sojaallergen Gly m 4 durch Hitze zerstört wird, werden gekochte bzw. gebratene Sojaprodukte von Sojaallergikern mit einer solchen Sensibilisierung womöglich vertragen. Man sollte aber vorsichtig sein, da das Allergen erst nach einer längeren Zeit zerstört wird. Zudem sind weitere Allergene, nämlich das Gly m 5 und Gly m 6, die bei einer primären Sojaallergie eine Rolle spielen, durch Hitze nicht zu zerstören.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Allergen zugeführt wird, desto schlimmer kann die Reaktion ausfallen.

Wie lange müsste man Soja kochen, um die Allergenität des Allergens zu zerstören?

Dazu gibt es wenig Literatur, aber anders als z.B. beim Apfel, erfolgt eine vollständige Zerstörung des Sojaallergens manchmal auch erst nach mehreren Stunden. Es hilft also nicht unbedingt, einen Sojadrink aufzukochen. Zwar wird Tofu, der aus Soja hergestellt wird, manchmal besser vertragen, aber ich würde Sojaallergikern auf jeden Fall raten, eiweißreiche Sojaprodukte zu meiden.

Gibt es andere Nahrungsmittel auf die Menschen mit Soja Allergie ebenfalls allergisch reagieren?

Die Sojabohne gehört zu den Leguminosen (Hülsenfrüchten). So können bei einer primären Nahrungsmittelallergie Kreuzreaktionen auf andere Hülsenfrüchte (z. B. Erdnuss, Erbsen, Linsen) auftreten.

Zudem leiden viele Menschen mit einer sekundären, birkenassoziierten Nahrungsmittelallergie an Beschwerden beim Verzehr von Kern- und Steinobst (z. B. Äpfel, Kirschen), Gemüse (z. B. Karotten, Sellerie) sowie  Baumnüssen (z. B. Haselnuss). Sehr häufig reagieren Menschen, die beim Verzehren von Kern- und Steinobst allergische Reaktionen entwickeln, auch  allergisch auf eiweißreiche Sojaprodukte. Allerdings wissen es manche nicht, denn nicht alle Menschen essen Sojaprodukte. Die Anzahl der Sojaprodukte, insbesondere im Diätdrink-Bereich, nimmt jedoch zu. Deshalb wünschen wir uns, wie schon erwähnt, für diese Produkte einen Warnhinweis für Birkenpollenallergiker. In der BASALIT-Studie, die wir gerade durchgeführt haben, zeigten zwei Drittel der Studienteilnehmer deutliche Beschwerden beim Verzehr von Soja. Insofern ist davon auszugehen, dass eine erhebliche Anzahl der Birkenpollenallergiker auch auf Soja allergisch sind. Im Hinblick auf den Trend, dass Soja insbesondere von vielen Frauen als gesundes Lebensmittel gesehen wird, das auch bei Wechseljahrbeschwerden positiv wirkt und angesichts der steigenden Adipositas-Zahlen, die die Entwicklung von Diätprodukten begünstigt, ist das durchaus problematisch.

Reagieren den Erdnussallergiker auch allergisch auf Soja?

Da kann man pauschal nicht sicher beantworten. Man kann aber sagen, dass bei Erdnussallergikern eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Kreuzreaktion auf Sojaprodukte besteht, aber auch auf andere Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Linsen. Ein Erdnussallergiker, der schwere anaphylaktischer Reaktionen auf Erdnüsse zeigt, sollte sich von anderen Hülsenfrüchten sicherheitshalber fernhalten. Hier kann aber auch eine genaue Allergiediagnostik beim Allergologen hilfreich sein.

In der BASALIT-Studie untersuchen Sie ein neues Extrakt zur Durchführung einer Hyposensibilisierungsbehandlung auf Birkenpollenallergene ...

In der BASALIT Studie setzen wir das Hauptbirkenpollenallergen Bet v 1 in Form einer subkutanen Hyposensibilisierungstherapie ein. Wir haben dabei mehr als 130 Probanden mit einer pollenassoziierten Sojaallergie zunächst einer Provokationstestung mit einer Sojamahlzeit unterzogen und dokumentiert, bei welcher Menge und mit welchen Symptomen reagiert wurde. Etwa zwei Drittel der so Untersuchten zeigten deutliche Beschwerden und viele  konnten in die einjährige, placebokontrollierte, doppeltverblindete Therapiestudie eingeschlossen werden.  Das in der Studie verwendete Allergenextrakt ist sehr hoch dosiert, 80 µg anstatt, wie sonst üblich, 20 µg, d.h. die vierfache Dosis.

Gerade  haben wir die letzten Probanden einer Kontrollprovokationstestung unterzogen und sind dabei auszuwerten, ob sich ein Rückgang der Beschwerden und/oder die Zunahme der Toleranz gegenüber einer größeren Menge Sojaeiweiß dokumentieren lässt. Nach unserem Eindruck könnte mindestens  ein Teil der Probanden gut auf die Therapie angesprochen haben. Im Augenblick ist es jedoch noch zu früh, um sichere Aussagen zu treffen.

Frau Prof. Treudler, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.