Ambrosiaallergie Allergenität Asthma

Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie und Leiterin des Leipziger Interdisziplinären Allergiecentrums (LICA) am Universitätsklinikum Leipzig über die Allergie auf Ambrosia, die Allergenität der Ambrosia Pollen und das Risiko, ein Asthma zu entwickeln!

Allergie auf Ambrosia: Stärkere Allergenität? Höheres Asthmarisiko?

Ist Ambrosia denn in den Standard-Allergietests enthalten?

Für Allergietests gibt es keinen wirklichen Standard. Es gibt eine Empfehlung der Fachgesellschaften, den sogenannten europäischen Allergiestandard, der auch Ambrosia enthält.

Diese Empfehlung ist jedoch nicht verpflichtend und die Auswahl der zu testenden Allergene obliegt letztendlich dem einzelnen Arzt. Gerade bei der Ambrosia wäre eine standardmäßige Testung wünschenswert, sichergestellt ist dies jedoch nicht.     

Welche therapeutischen Optionen stehen zur Behandlung der Ambrosia Allergie zur Verfügung?

Betroffene Patienten sollten zunächst durch einen Allergologen die Diagnose sichern lassen. Eine Lungenfunktionsdiagnostik ist zusätzlich zu den üblichen Allergietesten empfehlenswert.

In Abhängigkeit von betroffenen Organsystemen können Antihistaminika als Augen- oder Nasentropfen und als Tabletten eingesetzt werden. Zudem werden bei starken Beschwerden Kortisonpräparate als Nasen- oder Asthmaspray, selten als Tabletten, gegeben. Auch andere antientzündliche Präparate können gegebenenfalls zum Einsatz kommen. Frühzeitig sollte auch bei Ambrosia-Allergikern überlegt werden, eine spezifische Immuntherapie (Allergieimpfung) durchzuführen.

Was wäre aus Ihrer Sicht die wichtigste Maßnahme, um steigende Ambrosia-Allergie-Zahlen zu verhindern?

Das wichtigste wäre die Prävention. Wie gesagt müssten dringend geeignete Maßnahmen eingeleitet werden, um die Ausbreitung der Pflanze und damit den Pollenflug in Deutschland einzudämmen. Allergologen müssen zudem wissen, wie hoch die Pollenbelastung in den einzelnen Regionen ist.

Es ist daher nicht zu verstehen, dass es keine flächendeckende Pollenmessung gibt. Das jetzige Dokumentationssystem beruht im Wesentlichen auf einer großen Eigeninitiative engagierter Ärzte, Naturwissenschaftler und ehrenamtlich tätiger Helfer der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID). Pollenfallen gibt es deshalb nur dort, wo freiwillige Helfer es auf sich nehmen, diese Fallen zu betreuen bzw. auszuwerten. Die Zahl der Helfer nimmt jedoch kontinuierlich ab, denn es sind nicht mehr so viele Menschen bereit dazu, diese Arbeit unentgeltlich, im Dienste der Allgemeinheit zu verrichten. Die nötigen Mittel, um die Arbeit der Helfer finanziell zu entlohnen, hat die Stiftung aber nicht, sie finanziert sich im Grunde selbst.  

Das bedeutet, es müssten Melde- und Bekämpfungssysteme installiert werden. Leider ist es aber in den meisten Bundesländern nicht leicht, bei den entsprechenden Stellen hierfür Unterstützung zu erhalten. Angesichts der Tatsache, dass 30 Prozent der Bevölkerung von Allergien betroffen sind, ist dies nicht nachvollziehbar.

Zusammen mit anderen Kollegen des Leipziger Interdisziplinären Centrums für Allergologie (LICA) versuche ich seit mehreren Jahren, auch am Universitätsklinikum in Leipzig ein Pollenmessgerät  zu installieren und dafür Mittel des sächsischen Sozialministeriums zu gewinnen und ich hoffe, dass uns dies bald gelingen wird. Die Medizinische Fakultät Leipzig hat erfreulicherweise schon ihre Unterstützung zugesagt.

Frau Prof. Treudler, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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