Ambrosiaallergie Allergenität Asthma

Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie und Leiterin des Leipziger Interdisziplinären Allergiecentrums (LICA) am Universitätsklinikum Leipzig über die Allergie auf Ambrosia, die Allergenität der Ambrosia Pollen und das Risiko, ein Asthma zu entwickeln!

Allergie auf Ambrosia: Stärkere Allergenität? Höheres Asthmarisiko?

Warum findet man bei jüngeren Menschen häufiger Sensibilisierungen als bei älteren?

Man beobachtet, dass Allergien bei Kindern und Jugendlichen deutlich häufiger auftreten als bei älteren Menschen. Warum das so ist, wissen wir noch nicht genau.

Es wird vermutet, dass sich bestimmte Aspekte unserer Lebensgewohnheiten, insbesondere in der frühen Kindheit, ungünstig auf die Entwicklung von Allergien auswirken. Über den Einfluss des westlichen Lebensstils und die Hygiene-Hypothese wird viel diskutiert und auch darüber, welche Rolle es für die Entwicklung von Allergien spielen könnte, dass Kinder heutzutage durch das Impfen keine Kinderkrankheiten mehr „durchmachen“. Auch der Einfluss der modernen Ernährung bzw. der Zusatzstoffe in den Nahrungsmitteln ist ein strittiger Punkt. Wahrscheinlich spielen mehrere Aspekte eine Rolle.

Weiß man, auf welchem Wege die Sensibilisierung mit Ambrosia bzw. Ragweed erfolgt und in welchem Maße bzw. Zeitraum aus der Sensibilisierung eine Allergie wird?

Die Sensibilisierung, messbar durch einen Hautallergietest oder Antikörper im Blut, erfolgt über in der Luft befindliche Pollen, das heißt, über die Atemwege. Die Ambrosiapollen sind im Vergleich zu anderen Pflanzenpollen sehr klein und können daher mit dem Wind über weite Strecken transportiert werden. Zudem führen Ambrosiapollen bereits in geringerer Konzentration zu allergischen Beschwerden als z.B. Birken- oder Gräserpollen.

Man weiß aus anderen Ländern, dass es bis zu 15 Jahre dauern kann, bis eine Ambrosia-Pollenbelastung zu einer messbaren Sensibilisierung  führt. Zwischen einer Sensibilisierung und dem Auftreten von klinischen Beschwerden können dann wieder bis zu fünf Jahre vergehen.

Eine stichprobenartige Untersuchung unserer Probanden der LIFE Studie mit positivem Hautallergietest auf Ambrosia zeigte, dass fast jeder zweite auch klinisch reagiert, wenn man die Nasenschleimhaut mit den Ambrosia-Pollen in Kontakt bringt. Das bedeutet, dass wir in einigen Jahren mit einem massiven Anstieg an Ambrosia-bzw. Ragweed Allergikern rechnen müssen!

Die Allergologen schlagen Alarm und fordern, dass die Ambrosia konsequent und bundesweit flächendeckend bekämpft wird, so wie dies auch in anderen Ländern, z.B. der Schweiz, der Fall ist. Leider fallen diese Warnungen bei der Politik bisher nicht hinreichend auf fruchtbaren Boden. Dabei könnte man jetzt noch verhindern, dass Menschen zukünftig eine Ambrosia-Allergie und dann vielleicht ein allergisches Asthma entwickeln.

Müssten nicht eigentlich auch die Krankenkassen daran interessiert sein, die Ambrosia zu bekämpfen? Schließlich tragen sie die Kosten….

Aus volkswirtschaftlicher Sicht müssten sowohl die Politik als auch die Kassen ein hohes Interesse daran haben, eine Sensibilisierung breiter Teile der Bevölkerung von vornherein zu verhindern. Leider liegt der Fokus der Verantwortlichen jedoch mehr auf kurzfristigen Themenstellungen und weniger auf Nachhaltigkeit und Prävention.  

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