Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe, HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen und Mitglied im Allergozentrum Stuttgart zur spezifischen Immuntherapie bei Gräserpollen-Allergie!

Gräserpollen-Allergie: Wann hilft die spezifische Immuntherapie?

Die spezifische Immuntherapie wird auch als Ultra-Rush-Therapie durchgeführt, was bedeutet das genau?

Als Rush- oder Ultra-Rush-Therapie bezeichnet man die sehr rasche Steigerung der gegebenen Allergendosis. Wenn man sonst, bei der normalen subcutanen Immuntherapie, innerhalb von vier bis 10 Wochen langsam die Allergendosis steigert, so geschieht dies bei den Rush-Schemata an einem oder mehreren aufeinanderfolgenden Tagen, also viel schneller. Die Dauertherapie läuft bei beiden Formen der subcutanen Immuntherapie gleichartig weiter über drei Jahre. Problem ist aber, dass dabei das Risiko schwerer allergischer Komplikationen bei der sehr raschen Aufdosierung viel größer ist; die Rush-Therapie-Schemata dürfen deshalb nur unter strengster Überwachung, ggf. unter klinischen Bedingungen verabreicht werden

Gibt es Unterschiede in der Wirksamkeit von SCIT und SLIT bzw. Ultra-Rush-Therapie?

Da es im Vergleich zur normalen SCIT sehr viel weniger Studien zur Rush-Therapie gibt, kann man es nicht sicher sagen, aber bisher scheint die Wirksamkeit genauso gut zu sein, wie bei der langsameren Steigerung.

Auch zur SLIT gibt es bisher wesentlich weniger Studien als zur SCIT. Diese Studien sind allerdings neu, haben einen hohen Standard und belegen die Wirksamkeit. Ob die SLIT wirklich gleich gut wirkt, auch in Bezug auf den Langzeiterfolg, wird sich erst in den nächsten Jahren erweisen.

Bei vielen Pollenallergien kann es auch zu Kreuzreaktivitäten auf Nahrungsmittel kommen, gilt das auch für Gräserpollen-Allergiker?

Als Kreuzallergien bezeichnet man Allergiesymptome, die beim Pollenallergiker auch auf ganz andere Pflanzen, vor allem Nahrungsmittel bestehen. Sie bestehen deshalb, weil in diesen Pflanzen ähnliche Molekülstrukturen vorkommen, wie beim ursprünglichen, die Allergie auslösenden Molekül. Sie treten aber nicht bei jedem Allergiker auf, manchmal auch erst im Verlauf der Allergieerkrankung, wenn die Allergie stärker wird. Kreuzallergene sind bei Gräserallergien z.B. Erdnuss, Banane, Bohnen, Linsen, Erbsen, Tomate.

Außerdem sind natürlicherweise die Getreideallergene, z.B. Roggen und Weizen, den Gräser-Allergenen sehr ähnlich, so dass sie auch beim Gräser-Allergiker Symptome auslösen - allerdings nicht als Kreuzallergie im engen Sinn, sondern als identische Allergie auf die ganze Pollengruppe der Gräser- und Getreidepollen.

Ist man auch auf Brot allergisch, wenn man eine Gräser- und Roggenpollenallergie hat?

Nein, denn im Brot sind die Allergene durch das Erhitzen beim Backen denaturiert und in ihrer Molekülstruktur so verändert, dass sie an den Immunzellen nicht mehr andocken können und somit keine Allergiesymptome auslösen.

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