Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe, HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen und Mitglied im Allergozentrum Stuttgart zur spezifischen Immuntherapie bei Gräserpollen-Allergie!

Gräserpollen-Allergie: Wann hilft die spezifische Immuntherapie?

Wie groß ist die Chance bei Gräserpollen-Allergikern, mit einer spezifischen Immuntherapie Asthma zu verhindern?

Es gibt Studien, die zeigen, dass die Rate der Asthmaentwicklung nach spezifischer Immuntherapie bei Kindern um das zwei- bis dreifache geringer ist, als ohne diese Therapie.

In welchen Fällen würden Sie Gräserpollen-Allergikern eher von der spezifischen Immuntherapie abraten?

Abraten muss man dann, wenn bereits ein schweres Asthma besteht. Zum einen sind dann die Risiken von allergischen Nebenwirkungen oder der Auslösung eines Asthmaanfalls bei der Therapie höher, zum anderen sind die Erfolgschancen der Immuntherapie dann wesentlich geringer.

Im Alltag raten wir vor allem bei jüngeren Patienten zur spezifischen Immuntherapie. Man kann sie aber eigentlich in jedem Alter durchführen; wir sagen „von sechs bis sechzig“.

Bei Schwangeren oder bei Patientinnen, die bald schwanger werden wollen, werden wir keine Immuntherapie einleiten.

Wenn bereits sehr viele unterschiedliche Allergien bestehen, haben wir erfahrungsgemäß schlechtere Erfolge mit der Immuntherapie und sind dann zurückhaltender beim Rat zu dieser Therapie bzw. müssen genau abwägen und herausfinden, welche der verschiedenen Allergien primär behandelt werden sollte.

Die besten Erfolgschancen bestehen dann, wenn es sich um eine noch nicht lange bestehende Allergie handelt, wenn noch kein richtiges Asthma besteht und bei jüngeren Patienten, da bei Jüngeren das Immunsystem besser auf die spezifische Immuntherapie anspricht. In jedem Fall liegen die Erfolgsaussichten auf eine erhebliche Linderung oder ein Verschwinden der Allergiebeschwerden mit den heutigen sehr spezifischen und hoch gereinigten Präparaten bei über 70 Prozent.

Gibt es auch Risikofaktoren, die eine spezifische Immuntherapie ausschließen?

Bei manchen Patienten darf man die spezifische Immuntherapie nicht durchführen. Dies ist der Fall, wenn:

o    ein schweres, unkontrollierbares Asthma besteht

o    schwere Störungen des Immunsystems vorliegen, z.B. schwere Autoimmunerkrankungen, Immundefekte, Immundefizienz

o    zusätzlich bösartige Tumorerkrankungen vorliegen

o    der Patient dauernd Betablocker nehmen muss, weil dann eine evtl. notwendige Notfalltherapie mit Adrenalin nicht möglich ist

Risikofaktor Nr. 1 der spezifischen Immuntherapie ist die Auslösung einer schweren allergischen Reaktion durch die Gabe des Allergens. Dies kommt aber extrem selten vor. Leichtere allergische Reaktionen, vor allem Juckreiz und Schwellung an der Einstichstelle sind relativ häufig, aber nicht gefährlich, sondern nur lästig.

Eine spezifische Immuntherapie kann subkutan, per Spritze, oder oral, mit Tropfen oder Tabletten, erfolgen, was ist der Unterschied?

Der „Goldstandard“ der spezifischen Immuntherapie ist immer noch die subcutane Applikation der Allergenspritzen (subcutane Immuntherapie - SCIT). In den letzten Jahren sind aber, durch gute Studien untermauert, als Tabletten oder Tropfen verabreichte Allergene ebenfalls als wirksam nachgewiesen worden (sublinguale Immuntherapie - SLIT).

Der Unterschied ist die Applikationsform des verabreichten Allergenkonzentrats: Bei der subcutanen Applikation wird das Allergen vom Arzt unter die Haut gespritzt, anfangs einmal pro Woche, später alle 4 bis 8 Wochen - über insgesamt drei Jahre.

Bei der sublingualen Applikation wird das Allergen als Tropfen oder Schmelztablette unter die Haut gegeben und zwar täglich einmal, ebenfalls über insgesamt drei Jahre.

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