Allergie Platanenpollen Platanenallergie

Univ. Doz. Dr. Wolfgang Hemmer vom FAZ - Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien zur Allergie auf Platanenpollen

Allergie auf Platanenpollen? Könnten Kreuzallergien die Ursache sein?

Sie erwähnten die  Nahrungsmittelallergene, auf die Menschen mit einer Platanenpollen-Allergie reagieren können…

Tatsächlich kann man eine Platanenpollensensibilisierung als Risikomarker für eine simultane Nahrungsmittelallergie betrachten. Wie schwer solche Reaktionen ausfallen können, hängt vom individuellen Sensibilisierungsprofil ab. Beruht die Sensibilisierung auf Polcalcin, sind keine Nahrungsmittelprobleme zu erwarten. Beruht sie auf Profilin, können theoretisch alle pflanzlichen Nahrungsmittel (Obst, Gemüse, Nüsse, Getreide) Probleme machen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen sind aber eher selten und in der Regel auf milde orale Symptome beschränkt. Typische Auslöser in der Praxis sind z.B. Melonen, Banane, Tomate und Mango.

Schwerere Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie sind hingegen bei Platanenallergikern mit einer Pla a 3-Sensibilisierung denkbar, weil Pla a 3 mit anderen LTPs in pflanzlichen Nahrungsmitteln kreuzreagieren kann. Da LTPs in sehr vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen und sich all diese LTPs mehr oder weniger ähnlich sind, können sehr viele Obst- und Gemüsesorten sowie Nüsse Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Häufige Auslöser sind Kern- und Steinobst, Beerenfrüchte, Banane, Tomate und Nüsse, mitunter aber auch „ungewöhnliche“ Nahrungsmittel  wie Spargel, Salat, Mohn und Brokkoli. Im Falle einer gesicherten LTP-Sensibilisierung ist eine detaillierte Austestung mit Nahrungsmitteln oft hilfreich, weil die Kreuzreaktionsmuster individuell sehr unterschiedlich sein können.

Interessanterweise enthält auch Hanf (Cannabis) ein LTP. Besonders bei LTP-Allergikern mit widersprüchlicher Nahrungsmittelanamnese sollte auch an den Konsum von Cannabis als die wahre Ursache einer vermeintlich durch Nahrungsmittel ausgelösten allergischen Reaktion gedacht werden.

Wie erfolgt die Diagnose der Platanenpollen-Allergie und ist das Allergen in der Standarddiagnostik enthalten?

Die Routinediagnose einer Platanenpollenallergie erfolgt wie die anderer Pollenallergien mittels Hauttest (Pricktest) und Bluttest. Die Platane ist zwar in der aktuellen europäischen Pricktest-Standardreihe enthalten, aufgrund ihrer geringen lokalen Bedeutung wird sie aber bei uns nicht immer routinemäßig getestet. Die in vitro-Testung mit Gesamtextrakten ist selten hilfreich, da sie nichts über die molekularen Hintergründe der Sensibilisierung aussagt. Sinnvoller ist eine Testung auf Profilin (Phl p 12, Bet v 2) und Polcalin (Phl p 7, Bet v 4), weil diese Panallergene häufige Ursache einer Platanensensibilisierung sind. Die Testung mit Einzelallergenen der Platane (Pla a 1-3) ist derzeit nur mit dem ISAC® Allergenchip möglich. Sie ist insbesondere bei isolierten Platanenpollenallergien sinnvoll. Wertvoll kann auch ein Screeningtest auf LTPs sein, wobei sich hier das Pfirsich-LTP Pru p 3 als am sensitivsten erwiesen hat.

Wie therapieren Sie die Platanenpollen-Allergie?

Ein durch Platanenpollen ausgelöster Heuschnupfen kann so wie andere Pollenallergien medikamentös durch lokale oder systemische Antihistaminika und/oder Steroide behandelt werden. Eine spezifische Immuntherapie ist nur bedingt möglich, da de facto keine validierten Therapiepräparate auf dem Markt verfügbar sind. Da aber genuine Platanenpollenallergien bei uns eine Rarität sind, ist der Bedarf an solchen Impfstoffen ohnehin gering. Sind Kreuzreaktionen über Profilin und/oder Polcalcin die Ursache einer Platanenpollensensibilisierung, darf angenommen werden, dass bei Durchführung einer Immuntherapie gegen andere Pollen (z.B. Gräser, Birke) gleichzeitig auch die Platanenpollenallergie „mitbehandelt“ wird.

Herr Univ. Doz. Dr. Hemmer, herzlichen Dank für dieses Interview!

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