Allergie Gräserpollen Allergene Diagnose Therapie

Prof. Dr. med. Karl Hörmann, Direktor Univ. HNO-Klinik und Präsident der Deutschen HNO-Akademie, Universitätsklinikum Mannheim

Allergie auf Gräserpollen: Allergene, Diagnosemethoden, Therapien!

Wie erfolgt die Diagnose bei Gräserpollenallergien bzw. welche Allergietests stehen zur Verfügung?

Zuallererst sollte eine eingehende Anamnese zu den Symptomen, sowie zur Zeitspanne des Auftretens selbiger erfolgen, anschließend gefolgt von einer HNO–ärztlichen Untersuchung.

Ist der erste Schritt getan, geht es mit verschiedenen Testverfahren zur Diagnosesicherung einer Gräserpollenallergie weiter. Allen voran sind hierbei die Hauttestungen zu erwähnen. Vor allem der Pricktest weist eine gute Aussagekraft bei Aeroallergen induzierten Allergien auf. Wichtig ist jedoch, dass die Diagnose einer Allergie nicht allein aufgrund einer positiven Hauttestreaktion gestellt werden darf, sondern nur im Zusammenhang mit dem entsprechenden klinischen Bild und einer passenden Anamnese.

In der Regel wird zunächst beim Pricktest eine Standardtestreihe mit 15 bis 20 Testlösungen appliziert, die die häufigsten allergieauslösenden Stoffe umfasst. Bei besonderen Fragestellungen können allerdings auch noch weitere Substanzen wie zum Beispiel Insektengifte, seltenere Pollenarten oder Nahrungsmittel getestet werden.

Wenn die Quaddel auf der Innenseite des Unterarms einen mittleren Durchmesser von etwa drei Millimeter oder mehr aufweist, spricht man von einer positiven Reaktion. Weiterhin ist der Patient darauf hinzuweisen, dass die Einnahme von Medikamenten wie Antihistaminika, Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Kortisonpräparate oder anderen Arzneimitteln, die das Immunsystem dämpfen, z.B. sogenannte Immunsuppressiva, das Testergebnis im Sinne einer Schwächung beeinflussen können. Andererseits hat eine gereizte, geschädigte oder entzündete Haut unter Umständen eine stärkere Testreaktion zur Folge.

Der Bluttest kann als Alternative oder Ergänzung der anderen Diagnoseverfahren herangezogen werden. Mit dem RAST (Radio–Allergo–Sorbent–Test) lassen sich spezifische Antikörper (Immunglobuline), gegen bestimmte Allergene nachweisen. Der Bluttest ist jedoch als alleiniges Diagnosekriterium bei der Gräserpollenallergie nicht ausreichend. Als Suchtest empfiehlt sich auch hier der Einsatz von Allergenmischungen, bei positivem Ergebnis kann die Mischung in Einzelallergene aufgeschlüsselt werden.

Die molekulare Allergiediagnostik erlaubt es, falls klinisch relevant, zwischen einer genuinen Sensibilisierung und einer Kreuzreaktion, v.a. auch bei polysensibilisierten Patienten besser zu unterscheiden. Diese Art der Labordiagnostik ist jedoch insgesamt noch sehr kostenintensiv und daher spezielleren klinischen Fragestellungen vorbehalten.

Ein Intrakutantest wird in der Regel bei Gräserpollenallergie nicht angewendet.

Wenn Prick– und Bluttest nicht wegweisend sein sollten, kann ein Provokationstest mit dem verdächtigen Allergen erfolgen, hierbei stellt die Nase das häufigste Erfolgsorgan dar. Konjunktivaler und bronchialer Provokationstest sind ebenfalls möglich, werden jedoch seltener durchgeführt, aufgrund einer noch geringeren Standardisierung, sowie einer höheren Anaphylaxiegefahr bei der bronchialen Testung).

 

Beispiele für Pricktest-Lösungen
 
3-Bäume-Mix1) Pferd
6-Gräser-Mix 2) Hund
Roggen Katze
Beifuß Rind
Unkräuter-Mix 3) Schimmelpilze-Mix 5)
Negativkontolle (NaCl) HSM 6)
Positivkontrolle (Histamin, 10HEP 4)) MM 7)
 
1) 3-Bäume-Mix: Erle, Hasel, Birke
2) 6-Gräser-Mix: Wiesenhafer, Knäuelgras, Wiesen-
schwingel, Wiesenlischgras, Wiesenrispengras, Raygras
3) Unkräuter-Mix: Gänsefuß, Spitzwegerich, Brennessel
4) HEP: Histamine Equivalent Prick, Konzentration, die bei 
allergischen Kontrollpersonen im Pricktest die gleiche
 Reaktionsstärke hervorruft wie Hiastain 0,1%ig
5) Schimmelpilze-Mix: Alternaria tenuis, Aspergillus sp. 
Cladosporium herbarum, Penicillium notatum
6) HSM: Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus)
7) MM: Mehlmilbe (Dermatophagoides farinae)
Quelle: Prof. Dr. med. Karl Hörmann, Direktor Univ. HNO-Klinik und Präsident der Deutschen HNO-Akademie, Universitätsklinikum Mannheim
 

 

Wie behandeln Sie Patienten mit Allergien auf Gräserpollen?

Hierbei sollte man zuerst nach dem Stufenplan zur Therapie der allergischen Rhinitis vorgehen. Bei einer geringgradigen allergischen Rhinitis (Symptome vorhanden, ohne Beeinträchtigung der Lebensqualität) sind Karenzmaßnahmen (soweit möglich), topische H1 – Antihistaminika, topische Cromone und auch orale H1 – Antihistaminika angeraten.

Bei mittel - bis schwergradiger allergischer Rhinitis, (Symptome sind vorhanden und belastend, mit Einschränkung der Lebensqualität) empfiehlt sich zusätzlich ein Versuch mit topischen Glukokortikoiden,bzw. kurzfristig, topischen α – Agonisten (wie Otriven), sowie kurzfristig oralen Glukokortikoidtherapien (z.B. mit Prednisolon). Diese Therapie ist rein symptomatisch.

Eine kausale Therapie ist nur mittels einer spezifischen Immuntherapie, sei es als SCIT (subkutane Immunspritzen) oder als SLIT (sublinguale Therapie in Form von Tabletten, Tropfen) möglich. Die Wirksamkeit einer subkutan durchgeführten Immuntherapie gegen Gräserpollen ist bereits seit Jahren bekannt - auch und vor allem um einen Etagenwechsel zu vermeiden oder falls dieser schon stattgefunden hat, die Asthmakontrolle und Symptome zu verbessern.

Mittlerweile ist auch die Wirksamkeit von SLIT mit Gräserpollenextrakten in Form von Tabletten bei der allergischen Rhinitis mit und ohne begleitendem Asthma gezeigt worden, so dass diese der Spritzentherapie gleichwertig sind, sowohl für Kinder, Jugendliche als auch für Erwachsene. Die Evidenzlage hierzu ist aber bei Präparaten in Tröpfchenform noch nicht einheitlich.

Durch eine erfolgreiche Immuntherapie lassen sich häufig auch die Kreuzallergien behandeln.

Wie erfolgreich ist die Behandlung mit einer SCIT (subkutane Immunspritzen) oder SLIT (sublinguale Therapie in Form von Tabletten oder Tropfen) bei einer Gräserpollen Allergie?

Der Erfolg einer Immuntherapie ist nicht ohne weiteres anzugeben, da dieser von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z.B.: einer kurzen Erkrankungsdauer, einer geringen Beteiligung der unteren Atemwege - das heißt noch kein Asthma, gute Compliance des Patienten, eine hohe Dosis des verabreichten Immunpräparates etc.

Herr Prof. Hörmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

Beispiele für Pricktest-Lösungen
3-Bäume-Mix1) Pferd
6-Gräser-Mix 2) Hund
Roggen Katze
Beifuß Rind
Unkräuter-Mix 3) Schimmelpilze-Mix 5)
Negativkontolle (NaCl) HSM 6)
Positivkontrolle (Histamin, 10HEP 4)) MM 7)
   
1) 3-Bäume-Mix: Erle, Hasel, Birke  
2) 6-Gräser-Mix: Wiesenhafer, Knäuelgras, Wiesen-
schwingel, Wiesenlischgras, Wiesenrispengras, Raygras
3) Unkräuter-Mix: Gänsefuß, Spitzwegerich, Brennessel
4) HEP: Histamine Equivalent Prick, Konzentration, die bei
allergischen Kontrollpersonen im Pricktest die gleiche
Reaktionsstärke hervorruft wie Hiastain 0,1%ig
5) Schimmelpilze-Mix: Alternaria tenuis, Aspergillus sp.
Cladosporium herbarum, Penicillium notatum
6) HSM: Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus)
7) MM: Mehlmilbe (Dermatophagoides farinae)
Quelle: Prof. Karl Hörmann  

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