Allergie Gräserpollen Allergene Diagnose Therapie

Prof. Dr. med. Karl Hörmann, Direktor Univ. HNO-Klinik und Präsident der Deutschen HNO-Akademie, Universitätsklinikum Mannheim

Allergie auf Gräserpollen: Allergene, Diagnosemethoden, Therapien!

Welche Gräserpollenarten können eine Allergie auslösen, wie verbreitet sind sie in Deutschland bzw. in Europa und wann blühen Sie? 

Es gibt etwa 8000 Gräserarten. Sie kommen auf Wiesen, Rasen und Weiden vor und verbreiten sich auch über Landesgrenzen hinweg aus. Die häufigste und im Zusammenhang mit einer Gräserallergie relevanteste Pflanzenfamilie, ist die der Süßgräser. Die Süßgräser (Gramineae) sind in Deutschland, Mittel– und Nordeuropa, sowie in Nordamerika weit verbreitet.

Zu den Süßgräsern zählen:

•    Ruchgras

•    Knäuelgras

•    Lolchgras

•    Wiesenlieschgras

•    Wiesenrispengras

•    Getreide

Roggenpollen gehören zu den häufigsten Auslösern einer Gräserpollenallergie und somit zu den häufigsten Allergenen überhaupt. Der Roggenpollen gilt als der aggressivste Allergenträger unter den Gräsern in Europa. Die weit verbreitete Kulturpflanze produziert bis zu 21 Mio. Pollenkörner.

Auch Glatthafer erzeugt mit bis zu 3,7 Mio. Pollen pro Pflanze relativ viele Pollen und ist zusammen mit den Pollen des Hundszahngrases (hohe allergene Potenz jedoch erstaunlicherweise niedrige Kreuzallergenität) und des Straußgrases, sowie weiteren Gräsern von sehr hoher allergener Bedeutung.

Gerstenpollen, die in Deutschland als Aeroallergene kaum eine Rolle spielen, gehören in den Mittelmeerländern zu den häufigsten und aggressivsten Heuschnupfen – Auslösern.

Auch Mais gehört zur Familie der Gräser. Seine Pollen sind zwar aggressiv, haben aber aufgrund der Größe und der klebrigen Beschaffenheit der Fäden nur einen unwesentlichen Pollenflug. In der unmittelbaren Nähe von Maisfeldern können jedoch ausreichende Allergen - Konzentrationen erreicht werden.

Beifußpollen stellen nicht nur das häufigste Kräuterpollenallergen dar, sondern sind auch aufgrund der starken Kreuzallergenität von immenser Bedeutung. Diese besteht zu anderen Kräuterpollen, wobei Beifuß als Leitallergen angesehen wird.

Außerdem von Bedeutung ist die Tatsache, dass die Beifußpollenallergie häufig auch mit nutritiven Allergien auftritt, wie z.B. beim Kräuter–Gewürz–Syndrom oder beim Sellerie–Beifuß–Gewürz–Syndrom. Zu allergischen Reaktionen kann es  z.B. auch auf Anis, Curry, Fenchel, Kamille, Karotte, Knoblauch, Koriander, Kümmel, Lorbeer, Paprika, Pfeffer, Sellerie, Senf etc. kommen.

Ein weiteres wichtiges Kräuterpollenallergen stammt vom Ragweed, der sich, wie bereits erwähnt, in Deutschland und Mitteleuropa stark auf dem Vormarsch befindet. Relevante Bestände sind hierbei: Bayern, Rheintal im Rhein–Main–Gebiet, Großraum Berlin/Brandenburg, sowie Österreich, Schweiz und Norditalien.

Besteht bei Gräserpollen-Allergikern generell die Gefahr, Kreuzreaktivitäten zu entwickeln?

Allgemein lässt sich sagen, dass Patienten eine hohe Kreuzreaktivität zu Pollenextrakten nahezu aller Gräserarten aufweisen, Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

 

Kreuzreaktivitäten bei Gräserpollen-Allergie
 
Gräser, Getreide Blühperiode Bestäubung durch Allergene Bedeutung * Kreuzallergien
Flughafer (Avena fatua) Juni - August Wind Hoch Andere Gräser
Gerste (Hordeum vulgare) Juli - September Selbstbestäubung Fast keine ** Andere Gräser (meist klinisch unbedeutend)
Aufrechtes Glaskraut
(Parietaria officinalis)
Juni – September Wind Fast keine ** Brennnessel
Glatthafer (Arrhenatherum elatius) Juni – Juli Wind Hoch Andere Gräser
Hafer (Saathafer – Avena sativa) Juli – August Selbstbestäubung Fast keine ** Andere Gräser (meist klinisch unbedeutend)
Honiggras (Holcus lanatus) Juni – Juli Wind Hoch Andere Gräser
Knäuelgras (Dactylis glomerata) Mai – August Wind Hoch Alle anderen Gräser
Lolch (Raygras – Lolium perenne) Mai – Juli Wind Hoch Andere Gräser (ausgeprägt) !
Mais (Zea mays) Juli – September Wind Fast keine ** Andere Gräser
Rispengras (Poa pratensis) Mai – Juli Wind Hoch Andere Gräser (ausgeprägt) !
Roggen (Secale cereale) Mai – Juni Wind Sehr hoch ** Andere Gräser
Rauchgras (Anthoxanthum  odoratum) April – Juni Wind Hoch Andere Gräser
Wiesenschwingel (Festuca pratensis) Juni – Juli Wind Hoch Andere Gräser
Straußgras (Agrostis stolonifera) Juni – Juli Wind Hoch Andere Gräser (ausgeprägt) !
Pflanze        
Weizen (Triticum aestivum) Juli – August Wind und Selbstbestäubung Gering ** Andere Gräser
Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis) Mai – Juni Wind Hoch Andere Gräser
Wiesenlieschgras (Phleum pratense) Mai – September Wind Hoch Andere Gräser
Kräuter        
Beifuß (Artemisia vulgaris) Juli – September Wind Sehr hoch Kräuter, Gewürze, Sellerie, Karotten, Kräuter – Gewürz – Syndrom)
Ragweed (Ambrosia artemisiifolia) August – Oktober Wind Sehr hoch Beifuß
Sauerampfer (Rumex acetosella) Mai – August Wind Hoch Keine bekannt
Spitzwegerich (Plantago species) Mai - Oktober Wind hoch Keine bekannt
* in Deutschland (in anderen klimat. Zonen kann die Belastung abweichen),
** entsprechende Produkte können bei Nahrungsmittelallergien eine Rolle spielen
Quelle: Buch Schattauer Verlag: Allergien bei Kinder und Jugendlichen Herausgeber: Klimek / Pfaar / Rietschel 
       

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