nichtallergene niedermolekulare Sustanzen Pollen

Prof. Claudia Traidl-Hoffman, Direktorin und Chefärztin am Institut für Umweltmedizin, Klinikum Augsburg und Technische Universität München und Leiterin des Forschungsschwerpunktes „Umwelt, Mikrobiom und Allergie“ bei CK-CARE, Christine Kühne – Center for Allergy Research and Education in Davos

Nicht-allergene Substanzen aus Pollen: Verstärken sie allergische Reaktionen?

Wäre der Patient durch eine Hyposensibilisierung mit rekombinanten Allergenen auch vor der Wirkung nicht-allergener Substanzen geschützt?

Nein, letztendlich wäre der Patient davor nicht geschützt. Grundsätzlich richtet sich die allergische Reaktion gegen das Allergen. Durch die nicht-allergenen Substanzen wird die entzündliche Reaktion auf das Allergen verstärkt. Durch die Hyposensibilisierung gegen das Allergen sinkt die Allergiesymptomatik insgesamt, aber gegen die unspezifischen Effekte der nicht-allergenen Subtanzen kann man bislang nichts machen. Es ist durchaus möglich, dass Patienten auch nach einer Hyposensibilisierung noch unspezifische Effekte zeigen. Das könnte, wie gesagt, zumindest zum Teil dafür verantwortlich sein, dass die Erfolgsquoten der Hyposensibilisierung nur bei 60 bis 70 Prozent liegen – der Erfolg wird ja am klinischen Effekt gemessen.

Rekombinante Extrakte könnten diese Erfolgsquoten steigern, auch deswegen, weil bei diesen Extrakten keine störenden Substanzen, wie die niedermolekularen Substanzen, die die Wirkung der Hyposensibilisierung in gewisser Weise konterkarieren, im Extrakt nicht mehr vorhanden wären.

Inwiefern gibt es denn für alle benötigten Allergene rekombinant hergestellte Extrakte?

Noch gibt es längst nicht für alle benötigten Allergenextrakte rekombinante Präparate. Bisher gibt es rekombinante Extrakte und zum Teil auch Studien hierzu für Biene, Wespe, Birke und Gräser.

Die Herstellung rekombinanter Allergenextrakte ist teurer als die Herstellung nativer Extrakte und insbesondere auch der Zulassungsprozess ist komplexer. Hinzu kommt, dass die Hersteller gerade erst für die traditionellen Extrakte umfangreiche und kostspielige Zulassungsstudien durchführen mussten. Sie werden genau prüfen, ob es wirtschaftliche zu rechtfertigen ist, diese Prozesse erneut für rekombinante Allergenextrakte zu durchlaufen.       

In der SIT-Leitlinie zieht man die Wirksamkeit von Allergenextrakten als Bewertungskriterium heran. Wie ist dies vor dem Hintergrund Ihrer Forschungsergebnisse zu bewerten?

Unsere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass SIT-Extrakte, die keine niedermolekularen pro-inflammatorischen Substanzen enthalten, effektiver sein sollten. Die Beurteilung der SIT-Extrakte sollte vor diesem Hintergrund nochmals überprüft werden, da dieser Aspekt von den Extrakt-Herstellern bisher nicht beachtet wird und keinerlei Angaben.

Wie geht es weiter mit Ihren Forschungen?

Wir gehen davon aus, dass die Schleimhaut des Menschen mit mehr als 1.000 Substanzen aus Pollen in Kontakt kommt. Welche davon und in welcher Kombination bei der Sensibilisierung und der allergischen Entzündung eine Rolle spielen, heißt es jetzt weiter zu analysieren. Mit Hilfe experimenteller Allergiemodelle konzentrieren wir uns gerade darauf, weitere Substanzen und deren Rezeptoren zu identifizieren. Wenn man diese Rezeptoren therapeutisch angehen könnte, würde dies die Allergietherapie revolutionieren.

Frau Prof. Traidl-Hoffmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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