Eibenpollen Allergie

Norbert Mülleneisen, Facharzt für Lungenheilkunde in Leverkusen

Eibenpollen-Allergie – eine unerkannte Pollenallergie! - Und wie haben Sie in der Zwischenzeit bei Ihren Patienten die Diagnose ...

Und wie haben Sie in der Zwischenzeit bei Ihren Patienten die Diagnose Eibenpollen-Allergie abgesichert?

Ich habe mir mein Eibenpollen-Extrakt selbst hergestellt. Vor meinem Haus steht auch eine Eibenhecke. Deren Blütenpollen habe ich vier Jahre lang mittels Trittleiter „geerntet“ und daraus von meinem Apotheker eine eigene Prick-Test-Lösung herstellen lassen. Wenn jetzt ein Patient zu mir kommt, der eindeutige Heuschnupfensymptome zur Pollenflugzeit der Eibe hat und auf die gängigen Allergen nicht positiv reagiert, pricke ich ihn mit meinem Eibenpollen-Extrakt.
Die Möglichkeit, einen Patienten auf das Allergen der Eibenpolle testen zu können ist auch deshalb relevant, weil es immer wieder Patienten mit Ko-Sensibilisierungen gibt.

Die Eibenpollen-Allergie wäre dann nur eine von mehreren Sensibilisierungen?

Ein multisensibilisierter Patient hat dann z.B. eine Allergie auf Hasel, Erle, Birke, aber wenn man den Patienten dann auf Hasel, Erle, Birke mit einer Hyposensibilisierungs-Therapie behandelt, bessern sich die Symptome nicht im Frühjahr nicht. Dies könnte z.B. daran liegen, dass der Patient zusätzlich zu den diagnostizierten Allergien auch noch an einer Eibenpollen-Allergie leidet. Die Konsequenz ist, dass die Therapie zwar gegen drei relevante Allergene erfolgte, aber nicht gegen alle relevanten Allergene, weil die Eibe fehlte.

Für den Patienten ist das sehr unerfreulich, weil er trotz dreijähriger Therapie noch Beschwerden hat und weil eine für ihn relevante Allergie nicht behandelt werden kann. Durch die unbehandelte Eibenpollen-Allergie besteht weiterhin die Gefahr des Etagenwechsels, d.h. aus dem Heuschnupfen kann ein Asthma entstehen. Gerade dieses Risiko soll ja eigentlich durch die Hyposensibilisierung vermindert werden. Selbst bei bestehendem Asthma wirkt die Hyposensibilisierung mit einer „Number Needed to Treat“ von 4 sensationell gut. Zum Vergleich: Um einen Schlaganfall zu verhindern, muss man 300 Patienten mit Cholesterinsenkern behandeln.

Wie therapieren Sie die Patienten mit Eibenpollen-Allergie?

Eine richtige Therapielösung auf Eibe steht leider nicht zur Verfügung. Dennoch ist es sinnvoll, „den Feind“ zu identifizieren. So kann man zumindest geeignete Maßnahmen ergreifen und z.B. die Eiben im eigenen Garten entfernen. Den Kontakt mit Eibenpollen verhindern kann man aber leider nicht, denn Eibenpollen fliegen weit.

Außerdem kann man den Patienten auch vor verwandten Allergenen warnen, wenn man weiß, dass er auf Eiben allergisch reagiert. So ist z.B. in Südeuropa die Zypresse eines der relevantesten Allergene. Das wurde in unseren Breiten nie groß beachtet, weil Zypressen bei uns nicht wachsen. Allerdings sind Eiben und Zypressen Teil einer Pflanzenfamilie und dementsprechend könnte es bei Eibenpollen-Allergikern auch beim Kontakt mit Zypressenpollen zu Heuschnupfen-Symptomen kommen. Für die Urlaubsplanung kann das durchaus relevant sein – eine spannende Frage!

Eine spannende Frage wäre auch, ob eine Hyposensibilisierung auf das Allergen der Zypresse auch Eibenpollen-Allergikern helfen könnte. Das müsste man zunächst molekulargenetisch untersuchen.

Herr Mülleneisen, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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