Haselpollen Allergie

Dr. Sven Becker, Oberarzt an der HNO-Universitätsklinik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, über die Haselpollen-Allergie und was Haselpollen-Allergiker beachten sollten

Haselpollen-Allergie? Was sollten Haselpollen-Allergiker beachten?

Welche Therapien stehen bei der Allergie auf Hasel-Pollen zur Verfügung?

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit der symptomatischen Therapie und der kausalen Therapie (spezifische Immuntherapie). Die symptomatische Therapie beinhaltet die Gabe von topischen Steroiden und Antihistaminika (Nasensprays), sowie die orale Therapie mittels Antihistaminika, Leukotrien-Rezeptorantagonisten und Mastzellstabilisatoren. Diese Therapieform lindert lediglich die Symptome, bekämpft die Allergie aber nicht kausal. Die spezifische Immuntherapie dagegen greift in die Immunantwort des Körpers ein und normalisiert die Reaktion auf die Haselpollen.

Ab welchem Schweregrad der Symptome sollte man bei einer Hasel-Pollenallergie eine spezifische Immuntherapie erwägen?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da eine ganze Reihe von Faktoren bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden müssen. Hierzu zählen Begleiterkrankungen, Medikamente, aber auch die zu erwartende Compliance des Patienten.

Gegen die Behandlung einer Allergie auf Haselpollen durch eine spezifische Immuntherapie spricht z.B. ein Bluthochdruck, der mit einem Betablocker behandelt wird. Die aktuellen Leitlinie weist dies als eine klare Kontraindikation bei einer Immuntherapie aus. Dabei liegt das Problem nicht in der Erkrankung „Hypertonie“, sondern beim Medikament, mit dem man den Bluthochdruck behandelt, den Betablockern. In diesem Fall wäre es eine Option, den Patienten auf ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe umzustellen, bevor mit der Therapie begonnen wird.

Eine weitere Kontraindikation bei der spezifischen Immuntherapie stellt das schwere, unkontrollierte Asthma bronchiale dar. Eigentlich bräuchten gerade diese Patienten eine Therapie mit der SIT, aber das Risiko, dass es unter der spezifischen Immuntherapie zu schweren allergischen Reaktionen kommt, ist hier zu hoch.  

Bei der Therapieentscheidung spielt aber auch die zu erwartende Compliance des Patienten eine zunehmend wichtigere Rolle.

Welche Rolle spielt die Compliance des Patienten bei der Immuntherapie?

Bei einem Patienten, der dazu neigt, Behandlungstermine häufig ausfallen zu lassen, macht eine Therapie wie die spezifische Immuntherapie oft keinen Sinn.

Die bisher durchgeführten Studien haben gezeigt, dass die Compliance bei der SIT oft erstaunlich schlecht ist, insbesondere bei der sublingualen Immuntherapie mittels Tropfen oder Tabletten, die die Patienten zu Hause durchführen können. Eine bessere Compliance wird mit der subkutanen Immuntherapie (meist monatliche Spritze) erreicht, denn dafür muss der Patient in die Arztpraxis kommen.

Generell sollte eine Immuntherapie immer angestrebt werden, wenn die Lebensqualität des Patienten spürbar beeinträchtigt ist, dies bezieht sich auf das Arbeitsleben genauso wie auf die Freizeit. Neben der Reduktion der Symptome verhindert die spezifische Immuntherapie darüber hinaus das Auftreten weiterer Allergien sowie die Ausbildung eines allergischen Asthma bronchiale (Etagenwechsel).

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