spezifische Immuntherapie Allergieimpfung

Prof. Stefan Zielen, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitäts-Klinikum Frankfurt

Spezifische Immuntherapie: Wann hilft die Allergie-Impfung?

Subkutane (SCIT) oder Sublinguale Immuntherapie (SLIT): Was ist die richtige Therapie?   

Die klassische spezifische Immuntherapie erfolgt subkutan, d.h. durch regelmäßige Spritzen, für die der Patient in die Praxis kommen muss. Die Allergene werden unter die Haut gespritzt und lösen so die Toleranzentwicklung in den regulatorischen T-Zellen aus.

Bei der spezifischen Immuntherapie mit Tabletten, bei der durch eine Stimulierung der Langerhans Zellen eine Toleranz erzeugt wird, zeigen Studien mittlerweile ebenfalls eine immer bessere Evidenz. Ein Vorteil der SLIT: Die Tabletten kann der Patient selbst einnehmen, eine Vorstellung beim Arzt ist nicht nötig.

Da bei beiden Formen der spezifischen Immuntherapie eine gute Wirksamkeit belegt ist, kommt es bei der Frage: „SCIT oder SLIT“ eher auf die persönlichen Umstände und die Compliance des Patienten an. Voraussetzung für die Wirksamkeit der SLIT ist eine regelmäßige Einnahme der Tablette, bei manchen Produkten sogar ganzjährig. Es hängt also von der Selbstdisziplin des Patienten ab, und bei Kindern von der Disziplin der Eltern, ob die SLIT erfolgreich wirken kann oder nicht.

Ist diese Disziplin nicht gegeben, kann die SCIT, z.B. als Kurzzeittherapie, die erfolgreichere Maßnahme sein. Besteht bei den Kindern hingegen eine starke Angst vor Spritzen oder ist die nächste Arztpraxis zu weit vom Wohnort entfernt, wäre sicher die SLIT eine gute Option.

Langzeittherapie oder Kurzzeittherapie bei der spezifischen Immuntherapie (SIT): Was wirkt besser?

Grundsätzlich ist die spezifische Immuntherapie eine Langzeittherapie. Über mindestens drei Jahre erhält der Patient regelmäßig Injektionen des relevanten Allergenextraktes unter die Haut. Neue Ansätze machen es mittlerweile möglich mit einer Kurzzeittherapie bestehend aus zwischen 4 und 7 präsaisonalen Injektionen Schutz zu erzeugen. Die Wirkung dieser Kurzzeittherapien ist abhängig von der Applikationsart, dem relevanten Allergen, eventuell von der Dosis und dem Adjuvans.

Im Zusammenhang mit der Applikationsart haben Untersuchungen gezeigt, dass die Applikation des Allergenextrakts in die Lymphknoten, in denen die Immunreaktionen überwiegend stattfinden, die Therapie auf nur zwei Injektionen reduzieren kann. Die Lymphknoten-SIT steht für den klinischen Alltag allerdings noch nicht zur Verfügung.

Bei den Allergenextrakten wurde bisher überwiegend Aluminium als Adjuvans genutzt. Seit einigen Jahren setzt man hierfür auch Allergoide, d.h. chemisch modifizierte Allergene wie MPL (Monophosphoryl-Lipid A) ein, die die Immunantwort verstärken, damit die Therapiezeit verkürzen und weniger Nebenwirkungen mit sich bringen.

Spezifische Immuntherapie (SIT) bei Asthma: Eine Therapieoption?

Nicht nur zur Behandlung der allergischen Rhinitis, sondern auch zur Behandlung von allergischem Asthma ist die SIT geeignet. In Untersuchungen konnte man sehen, dass die Behandlung die Symptome und den Medikamentenverbrauch von Asthmatikern reduzieren kann. Eine aktuelle Studie an Kindern mit chronisch persistierendem Asthma hat gezeigt, dass die SCIT bei über 60 Prozent der Studienteilnehmer den Kortisonbedarf der Patienten deutlich senken konnte.  

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