Qualität Allergenextrakte SIT

Prof. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik Münster

Qualität der Allergenextrakte für Diagnose und spezifische Immuntherapie

Woran orientiert sich der behandelnde Arzt am besten?

Die Empfehlungen der Leitlinien sollten berücksichtigt werden und es ist sinnvoll die Tabellen über die einzelnen Extrakte zu Rate zu ziehen. Dabei sollte man sich immer bewusst sein, welche Informationen diesen Tabellen tatsächlich zu entnehmen sind und welche Aussage sie treffen. Leitlinien sind nicht zwingend zu befolgen, es handelt sich nicht um Richtlinien. Individuelle Abweichungen sind in begründeten Fällen immer möglich.

Bei manchen Patienten brachte eine SIT in der Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg. Was empfehlen Sie diesen Patienten?

Wenn bei einem Patienten eine spezifische Immuntherapie durchgeführt wurde, die nicht geholfen hat, sollte man als erstes die Diagnose überprüfen. Auch ist die Frage, ob das Allergen, gegen das mittels SIT behandelt wurde, wirklich das Allergen ist, das die Beschwerden des Patienten hauptsächlich auslöst.

Angenommen der Patient hat eine Allergie gegen Birkenpollen, Graspollen und Hausstaubmilben, am stärksten beeinträchtigen ihn die Symptome im Sommer.  Eine spezifische Immuntherapie gegen Hausstaubmilbenallergen, wird  die Symptome im Sommer kaum beeinflussen. Voraussichtlich wird er im Winter eher weniger Beschwerden haben. Es ist deshalb wichtig zu ermitteln, welche Allergene für den Patienten aus klinischer Sicht die Hauptrolle für die allergische Erkrankung spielen und ob die bereits durchgeführte Behandlung sich gegen dieses Allergen gerichtet hat. Wenn dies der Fall war, stellt sich die Frage, ob es für das verwendete Allergenextrakt Belege für die Wirksamkeit gibt.

Die spezifische Immuntherapie ist in den letzten Jahrzehnten sicherlich besser geworden. Wir kennen die in Extrakten wichtigen Allergene (Major- und Minorallergene). Hersteller haben die Extraktstandardisierung optimiert und quantifizieren vielfach die Konzentration wichtiger Allergene in Extrakten. Diese Gründe sprechen dafür, dass Patienten, die zu einem früheren Zeitpunkt eine spezifische Immuntherapie durchgeführt haben, die schlecht gewirkt hat, einen erneuten Versuch unternehmen sollten.   

Führen denn die Hersteller der Präparate, bei denen keine Evidenznachweis vorliegen, jetzt entsprechende Studien durch?

Viele Hersteller führen aktuell Studien durch, um die Wirksamkeit ihrer Allergenextrakte zu belegen. Allerdings dauert ein solches Entwicklungsprogramm mindestens 5 Jahre. Das liegt daran, dass Studien an Erwachsenen zur Dosisfindung, zur Wirksamkeit und zur Langzeitwirksamkeit durchgeführt werden müssen, für Kinder muss die Wirksamkeit zusätzlich untersucht werden. Wir erwarten in den nächsten Jahren Ergebnisse zahlreicher Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Allergenextrakten weiter dokumentieren.      

Herr Prof. Brehler, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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