Qualität Allergenextrakte SIT

Prof. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik Münster

Qualität der Allergenextrakte für Diagnose und spezifische Immuntherapie

Qualität und Standardisierung spielen bei Allergenextrakten eine wichtige Rolle. Dies gilt zum einen für die Extrakte, die zur Diagnose einer Sensibilisierung verwendet werden. Es gilt jedoch auch für die Allergenextrakte, die bei der Hyposensibilisierung, der einzige ursächlichen Allergietherapie, zum Einsatz kommen. Warum dies so ist erklärt Prof. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik Münster im Gespräch mit MeinAllergiePortal.

Herr Prof. Brehler, warum ist die Qualität der Allergenextrakte so wichtig für die Diagnose von Sensibilisierungen?

Heute werden für die Diagnostik überwiegend und für die Therapie ausschließlich Extrakte aus natürlichen Allergenen verwendet. Das bedeutet, dass sich in diesen Extrakten einerseits unterschiedliche Allergene befinden und andererseits auch nicht-allergenes Material enthalten ist.

Zunächst ist für die Diagnostik entscheidend, dass alle Allergene, gegen die ein Patient tatsächlich sensibilisiert ist, auch im Extrakt enthalten sind. Fehlen im Extrakt Allergene, kann ein Hauttest negativ ausfallen, obwohl der Patient sensibilisiert ist. Das heißt, dass die Qualität eines Extrakts zunächst bedeutet, dass alle relevanten Allergene in ausreichender Menge enthalten sind.

Es ist in der Vergangenheit in Studien gezeigt worden, dass Extrakte, insbesondere von Lebensmittelallergenen, eben nicht alle relevanten Allergene enthalten. Man hat bei Extrakten unterschiedlicher Hersteller z.T. deutliche Unterschiede gefunden, die auch zu differenten Testergebnissen geführt haben. Deshalb ist eine entsprechende Standardisierung und hohe Qualität der Allergenextrakte von hoher Wichtigkeit.

Welche Konsequenzen kann es haben, wenn die Qualität der Allergenextrakte nicht hoch genug ist?

Wenn in einem Extrakt bestimmte Allergene fehlen, würde man im Hauttest zu einem falsch-negativen Ergebnis kommen, d.h. keine Sensibilisierung feststellen. Dies hat Konsequenzen für die Beratung hinsichtlich Allergenkarenz aber auch für die Indikation zur spezifischen Immuntherapie.

Umgekehrt können verunreinigte Allergenextrakte auch ein falsch-positives Ergebnis verursachen, obwohl der Patient gar nicht sensibilisiert ist. Auch dies würde dazu führen, dass der behandelnde Arzt falsche Schlüsse zieht.

Welche Rolle spielt die Qualität der Allergenextrakte für die Effektivität der spezifischen Immuntherapie?

Die spezifische Immuntherapie kann im Prinzip mit den gleichen Extrakten durchgeführt werden, die auch für die Diagnostik verwendet werden. Konzentration und Dosierung unterscheiden sich. Deshalb müssen in beiden Zubereitungen alle relevanten Allergene enthalten sein – wenn die Diagnose nicht korrekt ist, kann die Therapie nicht effizient wirken.

Auch ein anderer Aspekt ist wichtig: Die spezifische Immuntherapie wird über mehrere Jahre durchgeführt, im Laufe der Behandlung muss immer wieder Allergenextrakt nachbestellt werden. Allergenzusammensetzung und Allergenkonzentration im Rohmaterial variieren. Hersteller müssen sicherstellen, dass Allergenextrakte von Charge zu Charge keine wesentlichen Unterschiede aufweisen, weder im Hinblick auf die Allergenkonzentration noch hinsichtlich der  enthaltenen Allergene. Ansonsten könnte es beim Patienten zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen. Die Anforderungen an die Therapieallergene sind deshalb noch höher und noch wichtiger, als Anforderungen an diagnostische Extrakte.

Viele Allergologen kritisieren, dass Allergenextrakte zur Diagnose in letzter Zeit immer weniger zur Verfügung stehen. Was bedeutet das in diesem Zusammenhang?

Allergenextrakte bedürfen einer regulären behördlichen Zulassung, auch wenn Sie nicht zur Therapie, sondern zur Diagnostik eingesetzt werden. Diese Zulassung kostet die Hersteller sehr viel Geld. Es gibt Berechnungen, die besagen, dass ein Unternehmen, das das wichtigste Panel für die Allergendiagnostik zulassen möchte, mehrere Millionen Euro dafür aufwenden muss.

Diese Summe bezieht sich nur auf die wichtigsten Allergene. Auch Extrakte für seltene Allergene bedürfen einer Zulassung, die ähnlich kostenintensiv ist. Deshalb verschwinden derzeit Extrakte - insbesondere zur Diagnose seltener Allergien - vom Markt. Die Herstellung und Zulassung unter den notwendigen Qualitäts- und Standardisierungsrichtlinien lohnen sich für die Hersteller nicht. Für die allergologische Diagnostik kann das bedeutende Konsequenzen haben.

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