Ambrosia Allergie

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Ambrosia-Allergie: Ausbreitung des Traubenkrauts in Deutschland!

Wie sieht es mit der Bekämpfung der Ambrosia in Deutschland aus?

Aktuell gibt es nur in wenigen Bundesländern umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen mit Erfolgskontrollen, wie in Bayern, Baden-Württemberg und Berlin. Die weitere Ausbreitung der Ambrosia konnte dort weitgehend verhindert werden. Eine Gesetzesgrundlage, die eine Erfassung, Beobachtung und Bekämpfung der Vorkommen vorsieht, fehlt derzeit in Deutschland und ohne Gegenmaßnahmen ist von einer weiteren Ausbreitung der Ambrosia auszugehen.

Was kann eine Allergiker gegen Ambrosia machen?

Die freiwilligen Bemühungen in einige Bundesländern zeigen, dass eine Ausbreitung deutlich verlangsamt werden kann. Zur Unterstützung können Allergologen folgendes tun:

  1. Erkennen Sie sicher Ambrosia. Ambrosia hat eine gleichfarbige Blattunterseite im Gegensatz zu Beifuß, bei dem die Blattunterseite weiß ist. Wenn sie aus Versehen Beifuß ausreißen tun sie einigen Allergikern auch einen Gefallen.
  2. Reißen Sie die Pflanze aus. Weniger als 100 Pflanzen sind manuell ausrottbar. Legen Sie dabei die entfernten Pflanzen auf eine Stelle wo sie sich nicht wieder verwurzeln können (z.B. Straße). Mehr als 100 Pflanzen sollten maschinell entfernt werden.
  3. Melden Sie den Fundort den Behörden. Die Meldestellen finden sie in Tabelle 2 oder unter www.ambrosiainfo.de. Sowohl kleine als auch große Bestände melden! Befallene Stellen müssen über Jahren hinaus nachkontrolliert werden. Speichern Sie die Meldestelle für Ambrosia für ihr Gebiet griffbereit ab.
  4. Machen Sie „Werbung“ für die Bekämpfung von Ambrosia. Erwähnen sie die Ambrosia-Problematik wann und wo Sie nur können: Journalisten, Politiker, Biologie-Lehrer, Allergie-Patienten und ihre Vereinigungen, Umweltverbände.
  5. Behandeln Sie sensibilisierte und symptomatische Patienten mittels SIT (zur Vorbeugung eines Etagenwechsels)

Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass es einige Jahre dauert bis allergische Sensibilisierungen in einem befallenen Gebiet auftreten. Die trügerische Schlussfolgerung, dass das Vorhandensein von Ambrosia offensichtlich nicht zu erhöhten Sensibilisierungen führt ist fatal, denn wenn die Sensibiliserungsraten ansteigen, ist es zu spät, die Ambrosia-Pflanze auszurotten, da die Samen bis zu 40 Jahre im Boden überleben und die Bestände sich dann verfestigt haben.

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für das Gespräch!

Quellen:

1) Ambrosia artemisiifolia (Traubenkraut) in Deutschland – aktuelles Vorkommen, allergologische Bedeutung und Maßnahmen zur Eingrenzung,Prof. Dr. Jeroen Buters, Beate Alberternst, Stefan Nawrath, Maria Wimmer, Claudia Traidl-Hoffmann, Uwe Starfinger, Heidrun Behrendt, Carsten Schmidt-Weber, Karl-Christian Bergmann, Allergo Journal 2015/4: 18-30, DOI: 10.1007/s15007-015-0850-7

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