Ambrosia Allergie

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Ambrosia-Allergie: Ausbreitung des Traubenkrauts in Deutschland!

Gibt es Risikofaktoren für eine Ambrosia-Sensibilisierung?

Menschen, die bereits eine Beifuß-Sensibilisierung haben, deren  Hauptsymptome zwischen September und Oktober auftreten, die möglicherweise bereits Antikörper gegen andere Pollen oder auch Tierhaare und Milben haben, d.h. Polysensibilisierungen aufweisen, könnten am meisten gefährdet sein, eine Ambrosia-Allergie zu entwickeln. Die Frage ist, wie viel Zeit von der Exposition mit „neuen“ Pollen wie Ambrosia bis zum Nachweis einer bemerkenswerten Sensibilisierungsrate vergeht. Experten gehen davon aus, dass das Auftreten von Ambrosiapflanzen und ihren Pollen in einer Region nicht unmittelbar und sofort ein Gesundheitsproblem darstellt, sondern dass dies erst nach ca. 10 Jahren der Fall ist. Das Wissen um dieses Zeitfenster ist wichtig, damit das Problem der Ausbreitung von Ambrosia nicht wegen scheinbar noch fehlender genügender Krankheitsfälle zu bagatellisiert wird.

Zurück zur Bekämpfung: Sie wünschen sich Gegenmaßnahmen gegen die Verbreitung von Ambrosia…

Aufgrund der bestehenden Sensibilisierungsgefahr ist es nötig, Ambrosia zu bekämpfen. Die Samen der Ambrosie können bis zu 40 Jahre im Boden überleben und sind dann noch keimfähig. Deshalb sind langfristig angelegte Bekämpfung und eine entsprechende Nachkontrolle wichtig.

Ambrosiasamen werden über verunreinigtes Vogelfutter, Agrarprodukte oder Erdtransporte, z.B. auch im Profil von Autoreifen, aus stärker belasteten Ländern wie Frankreich, Italien, der Ukraine und Ungarn verbreitet. Bundesländer, die an Gebiete grenzen, die mit Ambrosia infiziert sind, wie z.B. Bayern und Brandenburg, sind deshalb besonders belastet. Ambrosia verbreitet sich auffällig entlang von Autobahnen. In Europa befinden sich die größten Ambrosia-Bestände in Russland, Ukraine, Ungarn, in der Po-Ebene und im Rhone-Tal.

Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern noch nicht so stark von Ambrosia besiedelt, der Bestand nimmt jedoch ca. seit dem Jahr 2000 zu. Sehr ausgedehnte Bestände sind hingegen schon aus der im Südosten von Brandenburg gelegenen Niederlausitz bekannt.

Wie bekämpft man Ambrosia in der Schweiz?

In der Schweiz wurden schon sehr früh, zu Beginn Ausbreitung der Ambrosia, die gesetzlichen Grundlagen zur Verhinderung einer weiteren Einschleppung, sowie eine Melde- und Bekämpfungspflicht eingeführt und umgesetzt. Das macht deutlich, dass die Verbreitung der Ambrosia eingedämmt werden kann.

Führt man in Deutschland keine gezielten Gegenmaßnahmen durch, müssen wir mit der Ausbreitung der Ambrosia und in der Konsequenz mit zunehmenden Sensibilisierungen und Allergien auf Ambrosia rechnen. Aus Sicht der immer noch steigenden Anzahl an Allergikern in Deutschland sollte eine gezielte Bekämpfung der Pflanze erfolgen. Deswegen ist das schnellstmögliche Aufspüren und Entfernen der Ambrosia-Pflanze der Grundstein einer Prävention.

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