Ambrosia Allergie

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Ambrosia-Allergie: Ausbreitung des Traubenkrauts in Deutschland!

Ambrosia artemisiifolia, auch Ambrosia, Traubenkraut oder Beifuß-Ambrosie genannt, findet in Europa gute Wachstumsbedingungen, auch in Deutschland breitet sich die Pflanze aus. Ambrosia Pollen können allergische Symptome hervorrufen, auch in Deutschland gibt es bereits Menschen, die eine Ambrosia-Allergie haben. Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München hat das Risikopotenzial der Ambrosia untersucht.1) Mit MeinAllergiePortal sprach er über das Allergenpotenzial des Traubenkrauts und die Notwendigkeit, die Verbreitung der Pflanze einzudämmen. 

Herr Prof. Buters, wie allergen ist die Ambrosia?

Ambrosia kommt aus den USA und breitet sich immer mehr in Europa und Deutschland aus. In den USA sind die allergischen Sensibilisierungsraten auf Ambrosia etwa gleich hoch wie in Deutschland auf Gräserpollen.

Ambrosia-Pollen rufen ab einer Konzentration von ca. 10 Pollen/m3 Symptome hervor - bei Gräserpollen ist dies genauso. In den meisten Bundesländern wird dieser Wert zurzeit nur punktuell erreicht, aber ohne Gegenmaßnahmen könnte auch in Deutschland die Zahl der Erkrankungen durch Ambrosia deutlich steigen.

Die Sensibilisierungsraten auf Ambrosia sind aber in Deutschland zurzeit niedrig?

Die Sensibilisierungsraten auf Ambrosia sind hierzulande zwar noch niedrig, aber die echte Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) zeigt Kreuzreaktivitäten mit dem Beifußallergen. Deshalb ist eine neue Sensibilisierung gegen Ambrosia nicht zwingend die Voraussetzung für die Entwicklung allergischer Symptome auf Ambrosia.

Ambrosia trifft auf eine bereits Beifuß-sensibilisierte Bevölkerung, verlängert die Pollensaison und kann neue Sensibilisierungen gegen Ambrosia hervorrufen. Hinzu kommt, dass die Ambrosia-Allergie ein erhöhtes Risiko zum „Etagenwechsel“ mit sich bringt. Bei der Beifußallergie ist ein Etagenwechsel hingegen seltener.

Wenn ein Gebiet erst vor kurzer Zeit von Ambrosia besiedelt wurde, kann es sein, dass trotz erhöhtem Vorkommen von Ambrosia und damit erhöhter Pollenexposition nur wenige Ambrosia-Sensibilisierungen auftreten. Dies ist auf die lag-time zwischen Exposition und Auftreten der Sensibilisierungen zurückzuführen. Es kann Jahre dauern, bevor die Exposition mit dem Allergen der Ambrosia zu Sensibilisierungen führt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sensibilisierungsraten in lange besiedelten Gebieten viel höher sind als in den neu mit Ambrosia besiedelten Gebieten und dass die Sensibilisierungsraten mit zunehmender Ambrosia-Besiedlung zunehmen. Wenn die Sensibilisierungen dann steigen, ist es meistens zu spät und die dann bereits etablierten Bestände lassen sich nicht mehr beseitigen.

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