spezifische Immuntherapie Kinder

Dr. Katja Nemat, Fachärztin für Kinderpneumologie und Allergologie am Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt (Kid) und Mitglied des Vorstands beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (AeDA)

Spezifische Immuntherapie (SIT) bei Kindern – was sollte man wissen?

Kann die spezifische Immuntherapie den atopischen Marsch verhindern?

Man weiß, dass die spezifische Immuntherapie bei allergischer Rhinitis, Asthma und Insektengiftallergie eine effiziente und nachhaltige Wirkung hat, eine Schutzwirkung stellt sich relativ rasch nach Therapiebeginn ein. Es ist jedoch wichtig, die Behandlung fortzuführen, um diese Schutzwirkung auch zu erhalten und eine echte Toleranzentwicklung zu erzeugen. Erst gegen Ende des ersten Behandlungsjahres tritt dieser Effekt ein und erst im zweiten bzw. dritten Behandlungsjahr stabilisiert sich dieser Effekt.

Besteht bereits ein Asthma oder eine Pollenallergie haben Studien gezeigt, dass sich mit einer spezifischen Immuntherapie die Symptomatik und der Medikamentenverbrauch reduzieren lassen. In diesen Untersuchungen hat man auch nachgewiesen, dass der Effekt auf Allergische Rhinitis und Heuschnupfen selbst 12 Jahre nach Ende der Immuntherapie noch anhielt.

Ebenso können durch die spezifische Immuntherapie bei einer signifikanten Anzahl der Patienten weitere Sensibilisierungen verhindert werden – dies konnten mehrere Studien zeigen. Es lässt sich auch bei einem Teil der Kinder durch eine Hyposensibilisierung aufhalten, dass sich aus einem Heuschnupfen ein Asthma bronchiale entwickelt. „Die spezifische Immuntherapie sollte bei Kindern unbedingt sehr früh eingesetzt werden, d.h. innerhalb von 12 bis 24 Monaten nach der Manifestation und eindeutigen Diagnose der Allergie“ empfiehlt Dr. Nemat, „auch wenn in vielen Positionspapieren steht, dass die Allergie zwei Jahre nach Manifestation beobachtet werden sollte – wir müssen gerade bei Kindern die frühen präventiven Effekte nutzen. Der Trend geht in Zukunft vielleicht sogar zur prophylaktischen Behandlung bei gerade erst festgestellter Sensibilisierung.“

Was macht eine spezifische Immuntherapie erfolgreich?

Die Qualität des Allergenextraktes ist ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg der spezifischen Immuntherapie. Hierzu gibt die neue SIT-Leitlinie wertvolle Hilfestellungen. „Die neue Leitlinie empfiehlt, dass für eine erfolgreiche SIT die Wirksamkeit des Extraktes für die jeweilige Indikation und das zur Anwendung geplante Präparat nachgewiesen sein muss“ betonte Dr. Nemat. Die Fragestellung ob eine subkutane (SCIT) oder eine sublinguale spezifischen Immuntherapie (SLIT) durchgeführt werden sollte, hat somit keine Priorität.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine gute Therapieadhärenz des Patienten und bei Kindern gilt es diese Frage auch für die Eltern zu klären. Nur die konsequente Durchführung der Therapie über drei Jahre – und auch vier oder fünf Jahre können im Hinblick auf eine optimale Symptomverbesserung sinnvoll sein - führt zu einer langanhaltenden Toleranzentwicklung. „Letztendlich ist es auch bei der SIT wichtig, Aufwand und Nutzen für den Patienten gegeneinander abzuwägen“ betonte Dr. Nemat.   

Wann kann die spezifische Immuntherapie beim Kind frühestens durchgeführt werden?

Ausschlaggebend für eine erfolgreiche SIT beim Kind ist, dass das Kind ein gewisses Verständnis für die Maßnahme und eine gewisse Kooperation mitbringt. „Oft ist die Gabe von Tropfen bei kleinen Kindern schwieriger, als eine Spritze zu verabreichen“ berichtete Dr. Nemat. „Ab dem Vorschulalter ist die SIT bei den meisten Kindern in allen Darreichungsformen sehr gut möglich, bei guter Kooperation auch schon früher“ ergänzte Dr. Nemat.

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