Allergische Rhinitis kognitive Fähigkeiten

Univ.-Prof. Dr. med. Bernd Kremer, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Universitätsklinikum Maastricht

Allergische Rhinitis: Wie stark werden kognitive Funktionen beeinträchtigt?

Als offensichtliche Symptome bei Patienten mit allergischer Rhinitis kennt man Niesreiz, laufende Nase, verstopfte Nase, tränende Augen etc. Viele Patienten mit allergischer Rhinitis klagen auch über „unspezifische“ Symptome wie Schlaflosigkeit, Müdigkeit und eine Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen, wie Leistungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung. Diese Symptome wurden bisher damit begründet, dass die verstopfte Nase den Schlaf stört und der Schlafmangel zu Tagesmüdigkeit, bzw. zur Störung kognitiver Funktionen führt. Eine neue Studie stellt diese Theorie in Frage. Im Anschluss an seinen Vortrag bei der Veranstaltung „Allergologie im Kloster 2015“ sprach MeinAllergiePortal mit Univ.-Prof. Dr. med. Bernd Kremer, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Universitätsklinikum Maastricht über seine Studien zur allergischen Rhinitis und deren Einfluss auf die kognitiven Funktionen, neue Erkenntnisse und die Konsequenzen für die Patienten.

Herr Prof. Kremer, in einer Ihrer Studien habe Sie Patienten mit allergischer Rhinitis und eine gesunde Kontrollgruppe mit kognitiven Tests konfrontiert – mit welchem Ergebnis?1)

Die Probanden mussten zum einen kurzdauernde Tests durchlaufen. Dabei handelte es sich neben einem Gedächtnistest, um den sogenannten Tower of London-Test, bei dem man bestimmte Figuren schnellstmöglich in eine neue Ordnung bringen muss. Beim Tower of London-Test geht es um „schnelles Denken“. Ein anderer Test, der Macworth Clock-Test, ist ein langdauernder Test. Dabei schaut der Proband auf eine Art Uhr, deren Zeiger immer zwei Sekunden weiter springt. Aber: Ein Mal pro Minute springt der Zeiger nur 1 Sekunde weiter und dann muss der Proband so schnell wie möglich reagieren. Der Macworth Clock-Test dauert 60 Minuten und ist sehr ermüdend. Gerade bei dem langdauernden Test machte sich die Ermüdung, die bei Patienten mit allergischer Rhinitis eine Rolle spielen könnte, stärker bemerkbar, als bei den kurzdauernden Aufgaben.

Das Ergebnis unserer Tests: Solange die Anforderungen der kognitiven Tests kurzdauernd waren, konnten die Patienten mit allergischer Rhinitis die gleichen Testergebnisse erzielen, wie die gesunden Probanden. Die Patienten haben die allergiebedingten Nachteile in der Konzentrationsfähigkeit durch eine erhöhte Anstrengung kompensiert. Je länger die Anforderung an die Konzentrationsfähigkeit dauerte und je ermüdender die Aufgabe war, desto signifikant schlechtere Ergebnisse erzielten die AR-Patienten.

Sie haben auch eine Studie zum Fahrvermögen von AR-Patienten durchgeführt - wie war der Studienaufbau?2)

Das Fahrvermögen von Patienten mit intermittierender allergischer Rhinitis wurde in Fahrschulautos getestet.  Diese Autos waren mit einer Apparatur ausgestattet, die Abweichungen von der Seitenlinie erfassen kann. Diese Methode dient eigentlich zur Messung des Fahrverhaltens unter Alkoholeinfluss. Sie erfasst die bei Alkohol am Steuer typischen „Schlangenlinien“ und ist dadurch sehr gut definiert.

Für unsere Studie haben wir allergische Patienten außerhalb der Pollensaison Fahrtests unterzogen. Im Abstand von einer Woche ist jeder Proband jeweils vier Mal gefahren, unter vier verschiedenen Bedingungen. Wichtig ist dabei, dass  alle Probanden unter jeweils allen vier Bedingungen getestet wurden. Diese vier Bedingungen sind wie folgt definiert:

  1. Mit Placebo provoziert und mit Placebo behandelt, d.h. nicht mit dem Allergen konfrontiert und mit einer völlig wirkungslosen Substanz behandelt
  2. Mit Verum provoziert und mit Placebo behandelt, d.h. mit dem Allergen konfrontiert, aber nicht mit antiallergischen Tabletten und Nasensprays behandelt
  3. Mit Verum provoziert und mit Placebo-Tabletten, aber Verum Nasenspray behandelt, d.h. mit dem Allergen provoziert und mit einem antiallergischen Nasenspray behandelt
  4. Mit Verum provoziert und mit Verum-Tabletten, aber Pacebo-Nasenspray behandelt, d.h. mit dem Allergen provoziert und mit antiallergischen Tabletten behandelt

Für die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Studie war es ausgesprochen wichtig, dass immer die gleichen Personen zu allen vier Bedingungen getestet wurden und auch die gleiche medikamentöse Behandlung erhielten. 

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