Gräserpollen Allergie

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Gräserpollen-Allergie: Ist die Allergie-Potenz entscheidend für Symptome?

Welche Unterschiede gab es zwischen Ländern und Erfassungsjahren?

In Evora, einer Stadt in Portugal und der italienischen Stadt Parma zeigte sich z.B. dass Gräserpollen im Vergleich zum europäischen Durchschnitt im Mittel 40 Prozent weniger Allergene freisetzten. Beim Vergleich der einzelnen Jahre haben wir Differenzen von bis zu 700 Prozent vorgefunden, z.B. beim Vergleich von Italien im Jahr 2011 zu England im Jahr 2009. Unsere Analyse bezieht sich dabei auf die jährlichen Durchschnittswerte, die ebenfalls bereits einen auf ca. 90 Tage bezogenen Durchschnittswert repräsentieren. Vergleicht man einzelne Länder auf Tagesebene sind die Unterschiede sogar noch extremer.

Das Fazit Ihrer Gräserpollenstudie lautet also?

Das Ergebnis der Gräserpollenstudie ist: Gräserpollen enthalten unterschiedliche Allergenmengen, je nach Herkunftsland und Tag bzw. Jahr. Wir denken, dass sich der Allergen-Austoß der Gräserpollen - Phl p 5 - aus einer Mischung der Faktoren Gräserart, dem Herkunftsland und den spezifischen Umweltbedingungen vor Ort definiert.

Momentan wissen wir, dass die traditionellen Pollenzählungen eine relevante Information sind. Unsere Daten zeigen jedoch, dass es, abgesehen von der bloßen Anzahl der Pollen Faktoren gibt, die zusätzlich relevant sind und die die Allergenfreisetzung der Gräserpollen maßgeblich beeinflussen. Ein Beispiel: In etwa 10 Prozent der Fälle setzen Gräserpollen überhaupt kein Gruppe 5 Allergen frei. Dies ist besonders am Anfang der Gräserpollensaion zu beobachten.

Wie geht es weiter mit der Gräserpollenstudie?

Für die Forschung ist es ein wichtiges Ziel herauszufinden, worauf genau die Patienten reagieren, auf die Pollenmenge oder die Pollenallergenität. Um das herauszufinden, müssen die Patienten ihre Allergie-Symptome während der Pollenflugzeit aufzeichnen und wir müssen Zugang zu diesen Daten haben.

Wenn die Patienten dazu das elektronische Pollentagebuch „Pollen“ benutzen, eine kostenlose App für iPhone und Android, schlagen wir „zwei Fliegen mit einer Klappe“. Wir Forscher sehen Zusammenhänge zwischen Pollenflug, Allergenmenge und Symptomen und der Patient bekommt einen Überblick darüber, auf was er allergisch reagiert und in welcher Intensität. Der Patient kann dann besser einschätzen, wann und in welcher Dosierung er seine Medikamente einnehmen muss, um Symptomfreiheit zu erreichen und wir Forscher lernen mehr über die entsprechenden Mechanismen.

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) The HIALINE working group, Jeroen Buters, PhD, et. al., Variation of the group 5 grass pollen allergen content of airborne pollen in relation to geographic location and time in season, Journal of Allergy and Clinical Immunology Published Online: May 06, 2015

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