Tubenkatarrh

Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der HNO-AllergieAbteilung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Tubenkatarrh – wenn Allergien „auf die Ohren schlagen“!

Wie werden die Ohrenbeschwerden behandelt?

Bei Patienten mit den typischen Ohrenbeschwerden mache ich zunächst die beiden beschriebenen Tests, Toynbee und Valsalva und überprüfe, ob die Trommelfelle wieder „hervorkommen“. Werden die Tuben dadurch nicht wieder frei, muss zunächst für ein Abschwellen der Nase gesorgt werden. Dazu werden abschwellende Nasentropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin in die Nase eingebracht, die 10 bis 20 Minuten einwirken müssen.

Danach wird das Politzer-Verfahren durchgeführt. Dazu verschließt man mit einer sogenannten Olive zuerst das rechte Nasenloch, so dass das Nasenloch abgedichtet ist und hält das andere Nasenloch zu und dann umgekehrt und dann wird Luft in die Nase gepustet.

Der Patient muss dann z.B. "Kuckuck"  oder "Weiße Kreide" sagen, denn bei der Aussprache des Konsonanten wird  das Gaumenzäpfchen (Uvula) an die Gaumenhinterwand gepresst  und dadurch ist der Naserachenraum abgedichtet und die Luft kann dadurch über die Nase in die Tube gelangen und damit ins Mittelohr. Die verklebten Tuben werden wieder "freigepustet" wenn mit dem Gummiballon per Hand, oder auch mit einem Luftdruckgerät, Luft zugeführt wird.

In den meisten Fällen sind die Tuben dann wieder frei, aber in manchen Fällen muss die Behandlung am nächsten Tag wiederholt werden, manchmal  über eine Woche hinweg.

Der Patient kann aber selbst dazu beitragen die Tuben dauerhaft freizuhalten, indem er regelmäßig die Valsalva-Methode zuhause allein durchführt. Zuvor sollten der Patient im Liegen, am besten am hängenden,  überstreckten Kopf, abschwellende Nasentropfen einführen. Das geht am besten, indem man den Kopf über das  Sofa "hinaushängen" lässt und die Nasentropfen einträufelt. Die ist wichtig, um mit den Nasentropfen die Tuben im Nasenrachenraum zu erreichen, denn wenn man die Nasetropfen im Sitzen nimmt laufen sie gleich in den Mund und erreichen die Tubenwülste nicht.

Nach einer Einwirkzeit von mindestens 10 bis 20 Minuten führt man dann den "Valsalva" selbst durch. Gelingt es dem Patienten nicht, die Tuben dadurch wieder frei zu bekommen, muss der Arzt erneut "politzern".

In ganz schweren und sehr, sehr seltenen Fällen können auch Bestrahlungen der Tuben oder auch operative Maßnahmen nötig werden.

Wie verhindert man es denn, dass eine allergische Rhinitis oder auch ein Schnupfen "auf die Ohren" schlägt?

Verhindern muss man in diesem Fall die allergische Rhinitis, denn dadurch kann es ja zu den Ohrenbeschwerden kommen. Die Therapie der Wahl ist hier die Spezifische Immuntherapie. Ansonsten können sogenannte topisch wirksame oder kortisonhaltige Nasentropfen und Augentropfen sowie Antihistaminika helfen.

Wichtig bei den Nasentropfen ist es, spezielle Allergie-Nasentropfen zu verwenden und keinesfalls die üblichen Medikamente, die bei  Erkältungen genutzt werden. Wenn man Wirkstoffe „normaler“ Nasensprays wie z.B. Xylometazolin länger als zwei bis drei Wochen nimmt, schädigt dies die Nasenschleimhäute und nach längerer Zeit kommt es zu paradoxen Wirkungen. Die Nasentropfen haben dann keine abschwellende Wirkung mehr, sondern führen, im Gegenteil, zu einem Anschwellen der Schleimhäute. Hat man jedoch eine normale Erkältung, ist es durchaus sinnvoll diese Nasentropfen zu nehmen, damit die Nasennebenhöhlen frei bleiben und ein Tubenkartarrh erst gar nicht entsteht.

Frau Dr. Hauswald, vielen Dank für dieses Gespräch!

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