SIT Subkutane Sublinguale Immuntherapie Heuschnupfen

Prof. Dr. med. Bernhard Homey, Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und Sprecher des UniversitätsAllergieZentrum (UAZ)

SIT: Subkutane oder Sublinguale Immuntherapie bei Heuschnupfen?

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob für einen Heuschnupfen-Patienten die SCIT oder die SLIT besser geeignet ist?

Das hängt einmal damit zusammen, inwieweit es der Patient ermöglichen kann, sich regelmäßig beim Arzt vorzustellen, damit dieser die Subkutane Immuntherapie durchführen kann. Ist dies aus beruflichen Gründen beim Patienten nicht möglich, z.B. auf Grund einer starken Reisetätigkeit, ist eine Sublinguale Immuntherapie vorzuziehen.

Auch bei kleinen Kindern scheint die Sublinguale Immuntherapie im Vergleich zur Subkutanen Immuntherapie häufig die bessere Wahl zu sein, da man so das häufige Spritzen vermeiden kann. Die Voraussetzung für die Sublinguale Immuntherapie ist allerdings eine gute Compliance, d.h. die Tabletten oder Tropfen müssen auch wirklich regelmäßig eingenommen werden. Die Sublinguale Immuntherapie ist bei Kindern ab dem Alter von 5 Jahren möglich.

Mit welchen Nebenwirkungen muss man bei SCIT und SLIT rechnen – gibt es Unterschiede?

Bei der Subkutanen Immuntherapie sind in seltenen Fällen schon lebensbedrohliche Anaphylaktische Reaktionen aufgetreten. Deshalb ist es bei der SCIT so wichtig, dass sie unter ärztlicher Kontrolle erfolgt. Bei der SLIT kam es bisher noch zu keinerlei lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen.

Wenn die Patienten vor dieser möglichen Nebenwirkung eine sehr große Angst entwickeln, ist die SLIT, also die Sublinguale Immuntherapie, die bessere Alternative.

Spielt das auslösende Allergen eine Rolle bei der Entscheidung zwischen Subkutaner Immuntherapie und Sublingualer Immuntherapie?

Ja, das auslösende Allergen spielt eine Rolle bei der Entscheidung zwischen Subkutaner Immuntherapie und Sublingualer Immuntherapie, denn es gibt unterschiedliche Evidenzen zur Wirksamkeit der Therapien.

In Bezug auf die Subkutane Immuntherapie, d.h. die Behandlung mit Spritzen, ist die Wirksamkeit der Behandlung für ein breiteres Allergen-Spektrum bekannt. Hier gibt es Studiendaten zu Frühblühern, Gräsern, Hausstaubmilben etc.

Bei der Sublingualen Immuntherapie besteht aktuell die beste Studienlage zu den Gräserpollen und bald werden Daten zur Wirksamkeit der SLIT bei Allergie gegen Hausstaubmilben verfügbar sein. 

In Bezug auf schwierigere Allergene, wie z.B. katzenassoziierte Allergene, ist die Studienlage noch sehr dünn und die Ergebnisse können noch nicht abschließend bewertet werden.

Sie hatten erwähnt, dass eine Sublinguale Immuntherapie ab einem Alter von 5 Jahren möglich ist - gibt es auch eine generelle Altersgrenze für die Spezifische Immuntherapie bei Heuschnupfen?

Früher ging man davon aus, dass eine Immuntherapie für ältere Menschen nicht geeignet sei. Heute ist man von dieser Einschätzung abgekommen. Anhand klinischer Studien hat sich gezeigt, dass die Spezifische Immuntherapie auch bei Patienten, deren Alter deutlich über dem 65. Lebensjahr liegt, noch wirksam sein kann. Das Alter des Patienten stellt deshalb keine Grenze für den Einsatz der Spezifischen Immuntherapie dar. 

Ausschlaggebend für die Entscheidung sollte hingegen die Symptomatik sein. Bei mittelschweren bis schweren Symptomen sollte eine Spezifische Immuntherapie in Betracht gezogen werden.

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