Pollenallergie Profiline Polcalcine

Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, Berlin

Pollenallergie: Welche Rolle spielen Profiline und Polcalcine?

Wie häufig findet man bei den Pollenallergikern Sensibilisierungen auf Profiline und Polcalcine?

Profiline und Polcalcine sind bei Pollenallergikern eher selten für Sensibilisierungen verantwortlich. Deshalb gelten sie als sogenannte Minorallergene, das heißt Nebenallergene. Allerdings kommen sie in sämtlichen Pollen vor und können allein dadurch für positive Hauttests auf viele Pollenextrakte verantwortlich sein.

Nun zur allergenen Bedeutung: Profiline und Polcalcine sind wahrscheinlich auch eher selten für ernsthafte Beschwerden verantwortlich. Die Profiline in den Nahrungsmitteln können z.B. Beschwerden in Mundhöhle und Rachen verursachen. Mögliche Symptome wären z.B. Juckreiz in der Mundhöhle, Gaumenjucken und Schwellungsgefühl an der Mundschleimhaut. Diese Symptome ähneln denen der Birkenpollenallergiker, deren Nahrungsmittelallergien auf Kreuzreaktionen zurückzuführen sind, mit sogenanntem oralen Allergiesyndrom. Allerdings kann es auch bei Profilinen immer wieder zu Überraschungen in Form von heftigeren Reaktionen kommen.

Die von den Profilinen verursachten Auslöser weichen häufig etwas von denen des oralen Allergiesyndroms, das auf die Birkenpollen-assoziierte Kreuzreaktionen zurückzuführen ist, ab. Mögliche Auslöser allergischer Reaktionen sind exotische Früchte wie Melone, Mango, Avocado und Banane oder Gemüsesorten wie die Gurke.

Im Umkehrschluss ergibt sich daraus, dass eine entsprechende Unverträglichkeitsreaktion auf z.B. Melone, nach Expertenmeinung ein deutlicher Hinweis auf eine Profilinsensibilisierung ist, weil die Melone kein Bet v 1 verwandtes Allergen enthält.

Man kann also bei allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel unterscheiden zwischen einerseits Sensibilisierungen auf Majorallergene und andererseits Sensibilisierungen auf Profiline und/oder Polcalcine?

Ja, allerdings ist es auch möglich, dass beide Sensibilisierungen gemeinsam auftreten. D.h. ein Pollenallergiker leidet z.B. unter einer pollenaassoziierten Kreuzallergie durch eine Sensibilisierung gegen das Bet v 1 der Birke, ein Majorallergen. Diese Konstellation ist mit Abstand die häufigste Ursache für Nahrungsmittelallergien in Erwachsenenalter in unseren Breiten. Zusätzlich kann noch auf Sensibilisierung auf Profiline bestehen.

Hier kommt dann die molekulare Allergiediagnostik ins Spiel, denn mit ihr können wir die Profilinsensibilisierung gezielt testen, indem das IgE gegen ein spezielles Profilin bestimmt wird. Dabei kann es sich um das Profilin aus den Gräserpollen handeln, das wäre Phl p 12, es könnte aber auch das Profilin aus den Birkenpollen sein, das wäre das Minorallergen Bet v 2. Auch das Profilin aus dem Latex Hev b 8 käme in Frage, denn auch hier kommt es manchmal zur Vortäuschung positiver Reaktionen. Letztlich sind diese verschiedenen Profiline einander so ähnlich, dass der Sensibilisierungsnachweis auf ein einziges dieser Profiline bereits genügt, um zu wissen, dass der Patient auch auf die anderen sensibilisiert ist.

Welche Aussagekraft hat der Nachweis einer Profilinsensibilisierung für die Betroffenen?

Zunächst muss man feststellen, dass der Nachweis einer Sensibilisierung auf Profiline nicht automatisch bedeutet, dass es auch zu klinischen Symptomen kommen muss. Es ist durchaus möglich, dass ein Mensch nachweislich Sensibilisierungen hat, ohne an Symptomen zu leiden. Allergologen verwenden deshalb übrigens zunehmend den Begriff Sensibilisierungstest an Stelle von Allergietest. Generell gilt für die molekulare Allergiediagnostik, wie für die klassische Diagnostik auch, dass ein positives Ergebnis nur im Zusammenhang mit korrespondierenden Symptomen klinisch relevant ist. Es ist nicht der Test, der eine Aussage über eine bestehende Allergie des Patienten macht, sondern der behandelnde Arzt, der die Testergebnisse zusammen mit den Berichten des Patienten in der Anamnese richtig interpretiert und bei Unklarheiten eventuell den Allergieverdacht mit Hilfe einer zusätzlichen Provokation klärt. Letztlich sind die klinischen Angaben des Patienten maßgeblich für die Interpretation der Testergebnisse.

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