Allergie, Lauftraining

Dr. Joachim Schubert, Sportmediziner in Bochum

Heuschnupfen: Was muss ein Läufer beim Lauftraining beachten?

Was empfehlen Sie Läufern für ihr Lauftraining in der Pollenflugsaison?

Für Läufer mit Heuschnupfen ist es sinnvoll, sich an den Pollenflugkalendern zu orientieren, die man im Internet findet. Hier gibt es auch Warnfunktionen, die den Pollenflug für bestimmte Pflanzen vorausberechnen.

Weiß man, dass zu der Zeit, zu der man laufen will, das eigene Allergen "fliegt", kann man vor dem Lauftraining die verordneten Medikamente, z.B. das vom Allergologen verordnete Nasenspray oder Asthmaspray, anwenden - eventuell auch in einer höheren Dosierung.

Darüber hinaus gibt es Medikamente, welche die allergische Reaktion grundsätzlich reduzieren, auch hier lässt sich in Zeiten starken Pollenfluges die Dosierung erhöhen, um sie an die verstärkte Belastung anzupassen.

Angenommen, man hat all diese Maßnahmen ergriffen und bekommt dann beim Laufen dennoch Probleme mit Heuschnupfen-Symptomen. Sollte man dann aufhören oder kann man "drüberlaufen"?

Das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Man sollte aber beachten, dass Allergiker meist nicht allein unter den "sichtbaren" Symptomen wie Juckreiz, Nießattacken, laufender Nase und tränenden Augen leiden. Bei Heuschnupfen kann man sich auch müde, erschöpft und leistungsreduziert fühlen. Ein erfahrener Läufer wird dann eher sein Trainingspensum reduzieren. Wenn man durch einen erfahrenen Arzt gut eingestellt ist, sollte man auch in der Pollenflugsaison symptomfrei laufen und sein Trainingspensum problemlos bewältigen können.

Gilt diese Aussage auch für Wettkämpfe? Kann ein Läufer trotz Heuschupfen-Beschwerden bis an die Belastungsgrenze gehen, wenn der Trainingsplan dies erfordert?

Diese Aussage gilt auch für Pollenallergiker, die Wettkämpfe vorbereiten oder durchführen. Auch unter den Profisportlern wie Marathonläufern oder auch Tour-de-France-Fahrern gibt es viele mit Atemwegsallergien. Sie wissen meist genau wie viele "Sprühstöße" nötig sind, um auch im Wettkampf Symptomfreiheit zu erreichen. Ich selbst habe auch Allergien und weiß genau, wie ich die Medikamente einsetzen muss, das ist eine Frage der Erfahrung und man lernt mit der Zeit.

Wer damit nicht umgehen kann bzw. wenn man beim Laufen plötzlich bemerkt, dass die Atemwege "zugehen" und wenn man Atemnot empfindet, sollte man den Lauf aber unbedingt abbrechen. In diesem Fall sollte man auch auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, der sich sowohl mit Allergien als auch mit Sport auskennt. Viele Sportmediziner sind im Bereich Allergie sehr bewandert und es sollte möglich sein, zu erreichen, dass diese Symptome nicht mehr auftreten.

Es gibt einige wenige Menschen, deren Allergie-Symptome zu den Hochzeiten des Pollenflugs trotz aller zur Verfügung stehender Medikamente nicht "in den Griff" zu bekommen sind. Sollte man zu diesen Pollenallergikern gehören, bleibt einem nichts anderes übrig, als zu diesen Zeiten auf das Lauftraining im Freien zu verzichten. In diesen Fällen kann man sich mit dem Laufband oder Fahrrad im Fitnessstudio oder zu Hause behelfen.

Auch dafür ist eine gute Allergiediagnose wichtig, aus der genau hervorgeht, wogegen die Allergie besteht und ob zum Beispiel Lieschgras oder Birke die Auslöser sind. Hierfür stehen Hauttests oder Bluttests zur Verfügung. Danach kann man über die erwähnten Pollenwarndienste ermitteln, wann ein Innenraum-Training angebracht ist.

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Hyposensibilisierung. Wenn man zum Beispiel auf Birke oder Roggen allergisch reagiert, kann man durch eine drei- bis fünfjährige Hyposensibilisierung seine Allergiebereitschaft stark drosseln. Das kann dazu führen, dass man keine oder zumindest weniger Medikamente benötigt.

Ändert sich die Pollenkonzentration eigentlich auch nach Tageszeiten?

Im Prinzip ist die Pollenkonzentration tagsüber höher. Bei strahlendem Sonnenschein sollte ein allergischer Läufer nicht trainieren, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass allergische Symptome auftreten.

Aber auch beim Lauftraining in den Abendstunden kann es passieren, dass der Wind die Pollen aufwirbelt und man hohen Pollenkonzentrationen ausgesetzt ist. Deswegen bietet selbst die Nacht Pollenallergikern keinen Schutz.

Besser ist es dann schon im Wald zu laufen und nicht auf dem freien Feld oder an einem See, wo erfahrungsgemäß hohe Pollenkonzentrationen auftreten. Im "tiefen" Wald blühen die Pflanzen, die häufig Allergien auslösen, in der Regel nicht und es ist auch kühler und windgeschützter.

Kann es negative Konsequenzen haben, wenn ein Läufer trotz Heuschnupfen weiterläuft?

Wenn ein Läufer starke allergische Symptome hat und weiterläuft, obwohl es ihm schlecht geht, kann er sich in eine akute gesundheitsgefährdende Situation laufen. Möglich sind z.B. Atemnot, asthmatische Anfälle und schwere allergische Reaktionen, die einen sogar für mehrere Tage richtig "krank" machen können.

Grundsätzlich kann man damit seine Allergie aber nicht verschlechtern. Eine Allergie ist eine Immunreaktion und diese ist unabhängig davon, wie stark man sich dem Allergen aussetzt.

Wichtig für Läufer mit Heuschnupfen ist ein guter Arzt, der entsprechend berät und dafür sorgt, dass man weitgehend frei von Allergie-Symptomen seinen Laufsport betreiben kann.

Herr Dr. Schubert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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