Ambrosie hohes Allergierisiko

Ambrosie

Ambrosie: Starke Vermehrung der letzten Jahre bedingt höhere Allergierisiken

Wie schnell verbreitet sich die Abrosie unter den positiven Bedingungen in Europa?

Wenn man nichts unternimmt ist zu befürchten, dass die Ambrosie sich weiterhin verbreiten wird, allerdings kann dies durchaus lange dauern. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahren muss es nicht unbedingt zu grundlegenden Veränderungen kommen.

Das gefährliche ist: Oft "schlafen" invasive Arten über einen langen Zeitraum hinweg, ohne dass merkliche Veränderungen in Bezug auf ihre Verbreitung zu beobachten sind. Die Arten "nutzen" die Zeit jedoch zur evolutiven Anpassung und nach 10 oder gar 100 Jahren, kann es dann zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen. Die Ambrosie befindet sich aktuell noch in der Anfangsphase, d.h. sie breitet sich schon stark aus, aber noch nicht wirklich massiv, noch besiedelt sie z.B. kaum naturnahe Standorte. Es ist nicht vorhersagbar, wie lange das noch so ist, und ob es überhaupt jemals zu einer massiven Verbreitung kommen wird, aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Ambrosie zu den Arten gehören könnte, die diesen Schritt schaffen können. Wenn man in diesen Prozess aber jetzt nicht eingreift, wird es irgendwann unmöglich sein, die Ambrosie zu stoppen.

Durch welche Maßnahmen könnte man die Verbreitung der Ambrosie jetzt noch verhindern?

Die wichtigste Maßnahme zur Eindämmung der Ambrosie wäre eine flächendeckende Melde- und Bekämpfungspflicht. In der Schweiz ist dies z.B. gesetzlich und institutionell verankert. In Deutschland ist die Situation leider sehr heterogen. Es gibt Bundesländer, wie z.B. Bayern und Baden-Württemberg, die Ambrosia-Meldestellen eingerichtet haben, bei anderen, wie z.B. Hessen, ist dies nicht der Fall und das Thema wird z.B. von den jeweiligen unteren Naturschutzbehörden verantwortet und ist nicht verpflichtend.

Der Mangel an Koordination in Deutschland zeigt sich sehr schön anhand unserer Autobahnen, denn hier hat sich die Ambrosie in den letzten Jahren ganz besonders stark verbreitet, entweder entlang der Fahrbahnränder oder auf den Mittelstreifen. Nun gibt es in einigen Bundesländern Autobahnmeistereien, die die Ambrosie bekämpfen und dementsprechend wächst sie dort auch nicht. Die nächste Autobahnmeisterei bekämpft die Ambrosie nicht und prompt gedeiht sie dort prächtig und mit dem Fahrtwind breiten sich die Samen dann weiter aus.

Gibt es Bestrebungen auf gesetzlicher Seite, die Bekämpfung der Ambrosie flächendeckend anzugehen?

ambrosia im kohlackerAmbrosie im Kohlacker ©Dr. Oliver Tackenberg, Institut für Ökologie, Evolution & Diversität, Goethe-Universität FrankfurtDas Thema ist auf EU-Ebene in der Diskussion und es ist im Bundesnaturschutzgesetz auch jetzt schon festgelegt, dass schädliche invasive Arten bekämpft werden müssen.

Invasive Arten sind in den Fokus des deutschen Gesetzgebers gerückt, weil sie - per Definition - in irgendeiner Form schädlich sind, entweder im Hinblick auf die Biodiversität oder im Hinblick auf schädigende Einflüsse auf den Menschen. Bei der Ambrosie ist es ihre starke Allergenität, die sie für den Menschen schädlich macht und deshalb steht sie auch auf einer sogenannten "schwarzen Liste" für problematische invasive Arten. Hier gibt es in Deutschland ein gut funktionierendes System, das ausführliche Listen und Gefährdungseinschätzungen enthält und das Gefahrenpotenzial der jeweiligen Arten ausführlich einschätzt.

Das Problem liegt jedoch in der praktischen Umsetzung. Wir brauchen verpflichtend zentrale Meldestellen auf Bundesland- und Kreisebene und eine einheitliche Bekämpfung und anschließende Kontrolle, zumal die Bekämpfung der Pflanze durch herausreißen oder regelmäßiges Mähen relativ einfach ist. Ein einheitliches Meldesystem gibt es in Deutschland jedoch nicht und schon gar kein einheitliches Bekämpfungs- und Kontrollsystem.

Ein wichtiger Aspekt einer einheitlichen Bekämpfung wäre übrigens die Nachhaltigkeit. Man kann die Ambrosie, wie gesagt, einfach herausreißen und da sich die Ambrosie mit anderen Arten nicht gut verträgt, wäre auch eine Einsaat offener Flächen z.B. mit Gras eine wirkungsvolle Maßnahme – bei einer geschlossenen Grasnarbe hat die Ambrosie keine Chance, sich anzusiedeln. Allerdings muss über einen sehr langen Zeitraum eine Nachkontrolle der Standorte durchgeführt werden, denn die Samen der Ambrosie können im Boden über mehrere Jahrzehnte keimfähig bleiben. Die Kosten für diese Maßnahmen sind zwar überschaubar, aber sie fallen doch über einen sehr langen Zeitraum an, was die politische Umsetzung erschwert.

Was sind die nächsten Ziele für Ihre Forschungen an der Ambrosie?

Mit unseren Untersuchungen gehen wir der Frage nach, welche Mechanismen hinter der Verbreitung der Ambrosie stehen und ob und in welcher Form eine Evolution stattfindet. Andere, europaweite Forschungsmaßnahmen beschäftigen sich mit Bekämpfungsstrategien.

Ein sehr spannendes aktuelles Projekt unserer Arbeitsgruppe ist die Entwicklung neuer Modelle für eine europaweite Pollenflugvorhersage. Wir versuchen diese Vorhersagen zu optimieren, indem wir unser Wissen über die Ökologie der Arten einfließen lassen und so die produzierten Pollenmengen vorausberechnen und entwickeln hierzu gerade die Methodik.

Herr Dr. Tackenberg, herzlichen Dank für dieses Interview!

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