Ambrosie hohes Allergierisiko

Ambrosie

Ambrosie: Starke Vermehrung der letzten Jahre bedingt höhere Allergierisiken

Die Ambrosie gibt es hier schon seit über 100 Jahren, aber erst in den letzten Jahren hat man erkannt, dass ihre Pollen sehr aggressive Allergene enthalten. Deshalb sind die Erkenntnisse einer aktuellen Studie auch keine guten Nachrichten für Menschen mit Allergien. Denn Forscher des Biodiversität- und Klimaforschungzentrum und der Goethe-Universität Frankfurt konnten nachweisen, dass die Ambrosie in Deutschland und Europa ausgesprochen gut gedeiht. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Oliver Tackenberg am Institut für Ökologie, Evolution & Diversität der Goethe-Universität Frankfurt über die Gründe für die guten Wachstumsbedingungen für die Ambrosie, deren starke Vermehrung und die Risiken für Allergiker.

Herr Dr. Tackenberg, in einer Studie, an der auch die Goethe-Universität Frankfurt beteiligt war, hat man festgestellt, dass die Europäische Variante der Ambrosie besser gedeiht als die amerikanische Ursprungsform. Woran zeigt sich das und hat sich auch die Aggressivität der Pollen verstärkt?

ambrosia fruechte aus nord amerika und europa im vergleichAmbrosia Früchte aus Nord Amerika und Europa im Vergleich ©Dr. Oliver Tackenberg, Institut für Ökologie, Evolution & Diversität, Goethe-Universität FrankfurtWir haben das Keimungsverhalten und die ganz frühen Wachstumsphasen der Beifuß-Ambrosie untersucht. Dabei haben wir festgestellt, dass die Samen der Europäischen Arten wesentlich höhere Keimraten aufweisen. Von 100 Samen keimen bei den Europäischen Arten mehr als 90 Prozent. Bei den amerikanischen Arten liegt die Keimungsrate bei ca. 50 Prozent.

Zudem keimen die europäischen Ambrosia-Samen bei tieferen Temperaturen, über ein größeres Temperaturspektrum und schneller als die in Amerika gesammelten Samen.

Außerdem sind die Keimlinge der Ambrosie in Europa wesentlich weniger frostempfindlich, was ein enormer Vorteil ist. Die Ambrosie keimt relativ früh im Jahr, in der Regel bereits im März-April und so besteht immer die Gefahr eines Spätfrostes, der die Keimlinge abtötet. Ein Vergleich der europäischen und amerikanischen Ambrosia-Populationen hat jedoch gezeigt, dass die Europäischen Sorten Spätfrostereignisse wesentlich häufiger überlebt haben, als ihre amerikanischen Verwandten.

Die Ambrosie keimt zwar früh im Jahr, aber blüht erst spät, im September bzw. Oktober. Erst danach im Oktober-November entwickelt sie Früchte und braucht damit sehr lange um ihren Lebenszyklus abzuschließen. Anfang des 20 Jahrhunderts, als die Ambrosie sich erstmals in Europa ansiedelte, hat man beobachtet, dass die Pflanze nicht in der Lage war unter hiesigen Bedingungen ihren Lebenszyklus im Laufe eines Jahres komplett zu durchlaufen.

Unsere Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Ambrosie jetzt, ausgelöst durch den Klimawandel und steigende Temperaturen, früher keimt, schneller wächst und ihren Lebenszyklus früher abgeschlossen hat, so dass die Ambrosie jetzt einen vollen Lebenszyklus in einem Jahr durchläuft. Somit profitiert die Art auch vom Klimawandel.

Kann man sagen, welche Konsequenzen sich aus dieser Entwicklung der Ambrosie für Allergiker ergeben?

Eine Konsequenz, die eine Reihe von anderen Untersuchungen nahelegen ist, dass das bessere Wachstum zu größeren Ambrosia-Pflanzen und dadurch auch zur Produktion deutlich größerer Pollenmengen führen kann.

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