Heuschnupfen Allergietest

Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe, HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen

Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Gibt es noch weitere Testungen zur Diagnose einer Pollenallergie?

In letzter Zeit hat man eine spezielle Form der Allergie erkannt, die "lokale allergische Rhinitis" bzw. das "Syndrom der lokalen IgE-Produktion".  Früher hat man dieses Phänomen oft fälschlicherweise als "nicht-allergische Nasenreaktion"  bezeichnet.

Diese spezielle Form der allergischen Rhinitis tritt rein lokal in der Nasenschleimhaut auf und ist daher weder im Prick-Test noch im Blut nachweisbar. Der Patient reagiert deshalb bei den üblichen Allergietests an Haut und Blut auf keines der getesteten Allergene positiv, obwohl er eindeutig Heuschnupfen-Symptome hat.

In den Fällen, in denen man eine lokale allergische Rhinitis vermutet, testet man deshalb zum einen mit dem bereits erwähnten nasalen Provokationstest und zum Anderen indem man nicht das Blut, sondern das Nasensekret untersucht. Im Nasensekret wird spezifisches IgE produziert, das deshalb bei einer lokalen allergischen Rhinitis im RAST direkt im Nasensekret nachgewiesen werden kann.

Ein weiterer Allergietest, der aber bei der Diagnose einer Pollenallergie keine Rolle spielt und der auch sonst eher selten eingesetzt wird, ist der Reibe-Test mit nativen Allergenen. Diesen Test führt  man dann durch, wenn z.B. der Verdacht auf eine Tierhaarallergie besteht. Der Patient bringt dann die Haare seines eigenen Haustiers, z.B. Meerschweinchen, Katze, Hund oder Pferd, mit. Für den Reibe-Test reibt man dann die Haare auf die Haut und sieht dann auch, ob eine allergische Reaktion folgt.

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit einer zusätzlichen Austestung und Differenzierung seltenerer Allergene bzw. weiterer Allergene mit Hilfe von Screening Tests im Blut. Screening Tests werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt, aber manche Patienten wollen erfahren, ob sie noch weitere Sensibilisierungen haben, z.B. auf Nahrungsmittel oder Tierhaare etc. Allergiker die Tendenz  haben, weitere Allergien zu entwickeln, sind die Screeningtests die 20 bis 40 Testsubstanzen im Blut nachweisen können, manchmal eine sinnvolle Ergänzung.

Wie aussagefähig sind denn insgesamt die Ergebnisse der Allergietests?

Die Allergietests sind heute im Allgemeinen sehr aussagekräftig und spezifisch. Früher war nicht immer so. Damals waren die Extrakte manchmal qualitativ noch nicht so hochwertig und exakt gereinigt, so dass die Testaussagen manchmal ungenau waren. Heutzutage sind die Extrakte hochgereinigt und so exakt, dass kaum Fremdproteine enthalten sind, die das Testergebnis verfälschen könnten.

Mittlerweile gibt es auch Extrakte für eine enorme Bandbreite von Allergenen. Damit kann man fast alle Sensibilisierungen abdecken.

Gelten die jeweiligen Testergebnisse "lebenslang" oder kann sich eine Pollenallergie auch wieder verlieren?

Im Grunde kann man sagen, dass die Testergebnisse von Allergietests ein Leben lang ihre Gültigkeit behalten. Allerdings stellt man fest, dass Heuschnupfenbeschwerden sich im Alter trotz positiven Testungen verlieren können. Das liegt daran, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter nicht mehr so leicht stimulierbar ist. Die Allergie ist in diesen Fällen zwar nach wie vor vorhanden, ist aber nicht mehr klinisch relevant.

Auch bei Patienten, die hyposensibilisiert wurden, finden sich oft weiterhin positive Testergebnisse, obwohl sie keine Heuschnupfen-Symptome mehr haben.

Ist es denn dann sinnvoll gewisse Allergietests zu wiederholen?

Allergikern mit relevanten Beschwerden, insbesondere Kindern und Jugendlichen, die schon allergische Symptome entwickeln,  empfehlen wir alle drei bis fünf Jahre einen Allergietest durchzuführen, denn oftmals kommt es bei Allergikern im Laufe der Zeit zur Ausweitung des Allergiespektrums.

Die spezifische Immuntherapie wird nicht zuletzt deshalb von uns empfohlen, weil sie beim Allergiker genau diese Entwicklungen verhindern kann: Die Ausweitung des Allergenspektrums und zusätzlich, fast noch wichtiger, den sogenannten Etagenwechsel von der allergischen Rhinitis zum allergischen Asthma.

Herr Dr. Potrafke, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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