Heuschnupfen Allergietest

Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe, HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen

Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Wann setzt man die molekulare Allergiediagnostik ein, um einen Heuschnupfen zu diagnostizieren?

Dazu muss man zunächst wissen, dass in den letzten Jahren immer genauer herausgefunden wurde, was die Allergien auslöst. Denn es gibt innerhalb aller Spezies nicht nur ein einziges allergieauslösende Molekül, sondern viele Moleküle, die allergen wirken können. Manche davon wirken stärker allergieauslösend, sogenannte Major-Allergene, manche schwächer, sogenannte Minor-Allergene. Manche Moleküle kommen ganz spezifisch nur in einer Pflanzengattung vor, manche in mehreren und manche sogar in fast allen Pflanzen.

Man kann nun seit ein paar Jahren auch diese Einzelstoffe testen und nicht nur das Allergengemisch einer Spezies. Dadurch bekommen wir ein klareres Allergenprofil und können genau zwischen wichtigen und unwichtigen Allergenmolekülen differenzieren.

Besonders wichtig ist, dass wir durch die molekulare Allergiediagnostik wissen, dass bestimmte allergieauslösende Stoffgruppen in allen Spezies vorkommen, obwohl diese Pflanzen gar nicht miteinander verwandt sind. Drei Molekülgruppen verfälschen das Allergietestergebnis, weil sie in allen Pflanzen vorkommen. Wenn sie allergen sind rufen sie positive Testergebnisse hervor, obwohl sie für die Allergieerkrankung des Patienten gar nicht wichtig sind:

1.    Zum ersten sind dies die CCDs:  Das sind Oligosaccharid-Seitenketten, die an das Proteingerüst vieler Allergene gebunden sind. Diese speziellen Kohlenhydratverbindungen kleben förmlich als "Anhängsel" am eigentlichen Allergen, können aber manchmal selbst als Allergen nachgewiesen werden und den Allergietest positiv werden lassen. Wir nennen diese Strukturen CCD, als Abkürzung für "Crossreactive Carbohydrate Determinant", also kreuzreagierende Kohlenhydratdeterminanten. CCDs sind in einer Vielzahl von Allergenen pflanzlichen und tierischen Ursprungs enthalten und aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit kommt es zu einer ausgeprägten Kreuzreaktivität, also z.B. sowohl bei der Birke als auch beim Beifuß, bei der Olive oder anderen. Wenn Patienten nun spezifische Antikörper genau gegen diese Kohlenhydrat-Strukturen entwickelt haben, ist das oft der Grund dafür, dass manche Patienten im Prick-Test auf sehr viele Testlösungen völlig unterschiedlicher Spezies reagieren. Für die Allergiekrankheit ist aber diese Form der allergischen Sensibilisierung meist unbedeutend.

2.    Ähnlich ist es bei zwei anderen Stoffgruppen, den Profilinen und den Polcalcinen. Man nennt sie manchmal sogar Panallergene, weil es sich um Allergene handelt, die in allen Pflanzen vorkommen. Diese Stoffe sind in den Standard-Testextrakten ebenfalls enthalten, aber dadurch, dass sie in allen Pflanzen enthalten sind, können sie ebenfalls die Ursache dafür sein, dass ein Patient beim Prick-Test auf alle Allergene positiv reagiert, obwohl diese Sensibilisierung manchmal gar nicht in der Praxis wichtig ist. 

Mit der molekularen Allergiediagnostik können wir nun, im Gegensatz zu den Standardtests, alle Einzelallergene aller Spezies inklusive der kreuzreaktiven Kohlenhydrat-Determinanten und der Profiline und der Polcalcine einzeln testen. Man sieht dann genau, auf welches Allergen bzw. welchen Stoff der Patient wirklich allergisch ist.

Bei einem Birkenallergiker lässt sich nun durch diese enorm verfeinerte, molekulare Allergiediagnostik genau bestimmen, ob der Patient eine Allergie z.B. nur gegen das wichtigste, potenteste Hauptallergen der Birke (Bet V1) oder auf eines der unwichtigeren Nebenallergene entwickelt hat, oder ob er sogar nur auf die in allen Spezies vorkommenden Kohlenhydrat-Determinanten oder auf Profiline oder Polcalcine allergisch sensibilisiert ist.

Wie kann man denn nun diese Erkenntnisse aus der molekularen Allergiediagnostik therapeutisch nutzen?

Die genaue Kenntnis des auslösenden Allergens hilft bei der Therapiesteuerung bzw. dabei, die Erfolgsaussichten einer Therapie besser zu beurteilen. In manchen Fällen kann man dadurch auch eine Risikoabschätzung der Schwere einer festgestellten Allergie treffen, z.B. bei Erdnussallergien.

Es gibt Heuschnupfen-Patienten, für die die Standardtherapie, die spezifische Immuntherapie (SIT), nicht geeignet ist. Wenn man z.B. bei einem Birkenpollenallergiker eine subkutane Immuntherapie durchführt und dafür Extrakte nutzt, die vor allem die Hauptallergene der Birke enthalten, obwohl der Patient eigentlich auf die Panallergene allergisch reagiert, wirkt die Hyposensibilisierung nicht. Der Patient hat dann u.U. drei Jahre lang eine Therapie durchgeführt, die gar nicht erfolgreich sein kann. Durch die Spezialdiagnostik, die die molekulare Allergiediagnostik bietet, kann man dies verhindern. Ein großer Fortschritt und Wissensgewinn!

Setzt man die molekulare Allergiediagnostik immer dann ein, wenn eine SIT als Therapie in Erwägung gezogen wird?

Vor allem wenn sich ein Asthma anbahnt, der sogenannte Etagenwechsel von der Nase zur Lunge beginnt, sollte man unbedingt eine Immuntherapie (SIT) beginnen. Wenn die Basis-Tests eindeutig sind, muss man die molekulare Allergiediagnostik nicht einsetzen. Wenn jedoch der Prick-Test bei einem Patienten viele Sensibilisierungen nachweist, ist die molekulare Allergiediagnostik ein sinnvoller nächster Schritt, um die richtige SIT auszuwählen.

Durch die molekulare Allergiediagnostik wird sich die SIT wahrscheinlich in Zukunft auch besser steuern lassen: Bisher enthalten die bei der SIT verwendeten Standardextrakte vor allem die Majorallergene, z.B. der Birke. In Zukunft wird man das zu verwendende Konzentrat exakt auf das individuelle Allergen des Patienten ausrichten können – das ist allerdings aktuell noch nicht möglich. Zukünftig werden mehr Immuntherapien erfolgreich sein und außerdem vermeidet man durch die molekulare Allergiediagnostik unnötige Therapien in den Fällen, in denen die SIT nicht helfen kann.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.