Heuschnupfen Selbstmedikation

Dr. med. Adam Chaker, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie, Oberarzt am Klinikum rechts der Isar

Heuschnupfen: Wann reicht Selbstmedikation, wann muss man zum Arzt gehen?

Zurück zu den Symptomen: Welche Symptome können denn bei einem Heuschnupfen auftreten?

Typische Symptome für den Heuschnupfen sind:

•    Die Nase läuft
•    Niesreiz
•    Ein leichtes Engegefühl in der Brust, wenn auch die Lunge betroffen ist, evtl. auch Husten und Asthmaanfälle
•    Die Augen sind rot, tränen und jucken
•    Der Gaumen juckt
•    Die Ohren jucken
•    Hautreaktionen inkl. Juckreiz
•    Juckreiz im Gesicht
•    Schlafprobleme
•    Müdigkeit und Abgeschlagenheit
•    Wechselspiel zwischen Allergie und Infekten
•    "Heufieber" mit z.B. Gelenkbeschwerden und Nackenschmerzen

Es kann auch sein, dass Nahrungsmittel, die man normalerweise problemlos verträgt, in der Zeit des Pollenfluges nicht mehr vertragen werden, d.h. man isst als Birkenallergiker einen Apfel und plötzlich juckt es im Mund. Möglich ist auch, dass man auf einmal keine Nüsse mehr verträgt, weil das Immunsystem, ausgelöst durch die extreme Konfrontation mit den Pollen, auch die ähnlichen Proteine in den Nüssen "angreift". Man spricht dann von einer Kreuzreaktion zwischen den Allergenen aus der Luft mit den Allergenen in Nahrungsmitteln. Die Auswirkungen dieser Kreuzreaktion im Mund bezeichnet man als Orales Allergiesyndrom (OAS).

Was versteht man unter einem Oralen Allergiesyndrom?

Das OAS ist eigentlich harmlos, d.h., solange es beim Juckreiz bleibt. Wenn ein Orales Allergiesyndrom jedoch dazu führt, dass Gaumenzäpfchen, Zunge oder Zungengrund anschwellen, kann es sehr gefährlich werden, weil es zu Luftnot kommen kann.  

Von den möglichen Kreuzreaktionen bei Pollenallergikern abzugrenzen sind in diesem Zusammenhang die "echten Lebensmittelallergien", die wesentlich gefährlicher aber glücklicher Weise auch seltener sind. Bei einer echten Lebensmittelallergie kann es bei Allergenkontakt sofort zu einer systemischen Reaktion kommen, d.h. zu einem Anaphylaktischen Schock, was bei einer Kreuzreaktion normalerweise nicht der Fall ist.

Ein Pollenallergiker mit einer Kreuzreaktivität hat aber dadurch keine Nahrungsmittelallergie?

Normalerweise handelt es sich bei Pollenallergikern mit oralem Allergiesyndrom und Nahrungsmittelallergikern um eher unterschiedliche Sensibilisierungstypen.

Die meisten Allergene, bei denen eine kreuzreaktive Sensibilisierung besteht, sind hitzelabil, also können durch Kochen oder Backen unschädlich gemacht werden. Hingegen sind die Allergene, die bei echten Lebensmittelallergien eine Rolle spielen, hitzestabil, d.h. auch in erhitztem Zustand können sie bei Lebensmittelallergikern eine anaphylaktische Reaktion auslösen.

Es gibt auch noch additive Phänomene, und dann werden die eigentlich eher weniger gefährlichen kreuzreaktiven Allergene auf einmal gefährlich: Ein Patient mit Heuschnupfen gegen Birkenpollen, der eine leichte Kreuzreaktivität zeigt, trinkt im Frühsommer, d.h. zur Pollenflugzeit, ein Glas Sojamilch, die er im Winter immer problemlos vertragen hat, und reagiert plötzlich mit einem Anaphylaktischen Schock! Das hätten wir zuvor so nicht mit einer normalen Kreuzreaktivität bewertet. Die molekulare Allergendiagnostik kann uns hier helfen, genauere Diagnosen zu stellen.

Wichtig für die Patienten ist es zu wissen, bei welchen Nahrungsmittelallergenen es aufgrund der Pollenallergie zu Kreuzreaktivitäten kommen könnte. Hierfür gibt es gute Informationsbroschüren und natürlich auch ärztliche Beratung. Ein ausführliches Anamnesegespräch ist wichtig, ergänzt um einen Allergietest und eventuell ergänzt um molekulare Allergiediagnostik. Eine Selbstmedikation ist hierbei nicht mehr so einfach möglich, denn die Diagnose ist in diesem Fall komplex. Zum Teil sind diese Verfahren teuer und man sollte sich hier an Ärzte wenden, die mit diesen Methoden robuste Erfahrung haben.

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