Allergenprovokationskammer

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West

Wofür braucht man eine Allergenprovokationskammer?

Was ist der Unterschied zwischen der Allergenprovokationskammer und einer Untersuchung mittels nasaler Provokation?

Die nasale Provokation ist die Standardprovokationsmethode. Hierfür wird ein Allergenextrakt mittels Nasenspray direkt in die Nase eingebracht. Besteht eine Allergie, beginnen die Patienten Symptome wie Niesen, Nase laufen etc. zu zeigen, die man anhand der Klinik, aber auch rhinomanometrisch messen kann.

In der Allergenprovokationskammer ist die Provokation "natürlicher". Zum einen ist die Exposition geringer dosiert als bei der nasalen Provokation, weil wir mit deutlich geringeren Allergenmengen arbeiten. Zum anderen können wir den Verlauf der allergischen Reaktion in der Allergenprovokationskammer über mehrere Stunden lang verfolgen.

Damit entspricht die Provokation in der Allergenprovokationskammer eher dem natürlichen Verlauf im Freien.
Hinzu kommt, dass wir in der Allergenprovokationskammer auch mit speziell zusammengestellten Allergenmischungen provozieren können. Wir müssen also nicht die aktuell vorherrschende Pollenzusammensetzung der Luft nutzen, sondern wir können diese nach Bedarf erstellen.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Anzahl der Pollen und die Anzahl der Allergene nicht unbedingt korrelieren. Auf einem Pollenkorn findet man eine nicht immer gleiche Anzahl von allergenwirksamen Proteinen. Dabei spielt auch die Umweltverschmutzung eine Rolle. Z.B. findet man auf Birkenpollen in stark belasteten Regionen mehr Allergene als im ländlichen Bereich. In der Allergenprovokationskammer können wir diese Allergenmenge genau quantifizieren und steuern.

Wäre es dann nicht sinnvoll, die Allergenprovokationskammer an Stelle des nasalen Provokationstests zu nutzen?

Das Problem hierbei ist zum einen, dass es weltweit nur neun Allergenprovokationskammern gibt. Diese befinden sich außer bei uns in Wien noch in Deutschland  in Hannover, in San Antonio, USA, in Ontario, Kanada und dann gibt es noch einige Kammern in Japan.

Ein weiteres Problem ist, dass diese Kammern nicht standardisiert sind und jeder Kammerbetreiber sein System selbst validieren muss. Es bestehen große Unterschiede in Bezug auf die Größe, das Fassungsvermögen, die bewegte Luft im Raum etc. zwischen den einzelnen Kammern. Dies erschwert die Vergleichbarkeit der Ergebnisse der Allergenprovokationskammern untereinander. Der nasale Provokationstest hingegen ist standardisiert und produziert somit vergleichbare Ergebnisse.

Vor einigen Jahren haben wir einen direkten Vergleich zwischen unserer Allergenprovokationskammer  in Wien und der Kammer in Ontario bei gleichem Studiendesign durchgeführt. Interessanterweise waren die Ergebnisse genau gleich, obwohl die beiden Kammersysteme sehr unterschiedlich funktionieren. Die relevanten Merkmale sind also ähnlich genug, um vergleichbare Ergebnisse zu schaffen. Dies ist dann der Fall, wenn die Patienten vergleichbare Symptome entwickeln.

Letztendlich ist es die klinische Symptomatik des Patienten, die in der Allergologie alles definiert.  Es ist die klinische Symptomatik, die darüber entscheidet, ob der Patient nur eine stumme Sensibilisierung oder eine klinisch relevante Allergie hat. Damit definiert die klinische Symptomatik auch die Therapienotwendigkeit, je nachdem, ob es sich um eine transiente oder eine persistente, d.h. chronische Rhinitis handelt.

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