Allergenprovokationskammer

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West

Wofür braucht man eine Allergenprovokationskammer?

Nur wenige Forschungseinrichtungen verfügen über eine Allergenprovokationskammer – weltweit gibt es lediglich 9 Kammern. Allergenprovokationskammern sind ausgeklügelte Systeme und spielen eine große Rolle bei der Untersuchung der Frage, wie es zu allergischen Reaktionen kommt. Die Forschungseinrichtung Research Consult hat die erste Allergenprovokationskammer weltweit in Wien gebaut gebaut (Vienna Challenge Chamber). MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West und wissenschaftliche Hauptverantwortliche für den Betrieb der Kammer, über deren Einsatzmöglichkeiten.

Frau Dr. Zieglmayer, wofür nutzen Sie Ihre Allergenprovokationskammer?

Mit einer Allergenprovokationskammersystem ist es möglich, Grundlagenforschung zu inhalativen Reaktionen auf Allergene zu betreiben. Man kann mit der Allergenprovokationskammer z.B. den Ablauf einer Allergische Rhinitis-Reaktion simulieren.

Nutzen kann man die Allergenprovokationskammer grundsätzlich zur Untersuchung von Typ 1-Allergien. Typ 1-Allergien sind Soforttypreaktionen, die sich auch in Form von systemischen Reaktionen äußern können. Z.B. kann ein Bienenstich in den Fuß auch zu Schwellungen am Kopf führen, denn Systemreaktionen müssen nicht auf den Ort des Geschehens lokalisiert sein und müssen auch nicht unmittelbar nach Allergenkontakt auftreten.

Man unterscheidet bei den Typ 1-Allergien verschiedene Organmanifestationen, so ist bei der Allergischen Rhinitis die Nase betroffen und bei der Allergischen Konjunktivitis sind es die Augen. Zu den Typ 1-Allergien gehört auch akute Hautreaktionen mit dem klinischen Bild einer Urtikaria mit /ohne Angioödem. Auch das Allergische Asthma gehört zu den Typ1-Allergien.

Wir können das Provokationskammermodell als experimentelles Modell für Inhalationsallergien nutzen, nicht jedoch für die Typ 4-Allergien, die verzögert und ausschließlich auf der Haut stattfinden. Bei den Typ 4-Allergien handelt es sich um Unverträglichkeitsreaktionen, die durch direkten Kontakt mit dem Allergieauslöser zustande kommen. Ein Beispiel hierfür wäre die Nickelallergie.

Welche Erkenntnisse gewinnen Sie mit der Nutzung der Allergenprovokationskammer?

Mit Hilfe der Allergenprovokationskammer lässt sich z.B. der Ablauf einer Heuschnupfenreaktion beim Patienten dokumentieren. Normalerweise müsste man den Patienten hierfür an einem schönen warmen Sommertag auf eine blühende Wiese schicken in der Hoffnung, dass ausreichend Pollen fliegen und der Patient einen Heuschnupfen entwickelt, den man dann untersuchen kann. Wenn es an dem dafür geplanten Tag allerdings regnet, kann das Experiment nicht durchgeführt werden, weil Messungen aufgrund fehlender Pollen nicht möglich sind.

In der Allergenprovokationskammer kann man diese Situation in einem geschlossenen Raum simulieren. Über die Klimaanlage kann man genau die gleichen Gräserpollen zuführen, die auch in der Außenluft auftreten. Damit ist der Patient mit den gleichen Allergenen konfrontiert, wie dies im Freien der Fall wäre, aber man ist unabhängig vom Wetter und das Experiment kann deshalb immer durchgeführt werden. Konkret lassen sich so die folgenden Fragen beantworten:

  • Wie entwickelt sich die Reaktion von der ersten Inhalation der Gräserpollen bis zum Zeitpunkt, zu dem der Patient das Vollbild der allergischen Reaktion erreicht hat?
  • Wie manifestiert sich die allergische Reaktion?
  • Wie ist der zeitliche Verlauf der allergischen Reaktion?
  • Wie sehen die immunologischen Veränderungen aus, die man im Zuge dieser Reaktion messen kann?

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