Allergische Rhinitis

Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden

"Normale Erkältung" oder Allergische Rhinitis?

Nicht bei jedem sind die Symptome sehr stark ausgeprägt und viele Menschen gehen wegen einer Erkältung ehernicht zum Arzt…

Man sollte diese Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn sie schränken die Funktion der Nase empfindlich ein - auch bei leichten Symptomen - und können eine Kettenreaktion auslösen.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass eine Nase die Aufgaben hat, die Atemluft für die Lunge zu reinigen, anzufeuchten und zu klimatisieren. Außerdem spielt unser Riechvermögen eine wichtige Rolle, u.a. bei der Steuerung des Essverhaltens. Wird dieses sensible System aus dem Gleichgewicht gebracht, z.B. durch permanente Reizung, wie dies bei einer Allergie der Fall ist, schädigt dies die Schleimhäute und ihre Funktion.

Wenn dann noch trockene Luft in geheizten Räumen, durch Klimaanlagen im Auto, in Restaurants oder in Flugzeugen hinzukommt, schädigt dies die Nasenschleimhaut zusätzlich und trocknet sie aus. Durch kleine Schäden bzw. Risse in der Schleimhaut steigt die Gefahr für virale Infektionen. Dadurch kann es zu Niesreiz, Juckreiz und Brennen der Augen kommen und die Nasenatmung wird behindert – es kommt zur typischen "verstopften Nase".

Gleichzeitig steigt die Gefahr von Infektionen von Bronchien und Lungen, denn die Nase arbeitet nicht optimal. Da die Atemluft nicht mehr ausreichend  gefiltert, erwärmt und angefeuchtet wird können Viren und Allergene ungefiltert in die Bronchien eindringen. Letztendlich besteht sogar die Gefahr des gefürchteten Etagenwechsels zum Allergischen Asthma.

Wie stellt der Arzt fest, ob es sich um eine Allergische Rhinitis handelt?

Der Allergologe wird Hauttests und Bluttests, eventuell auch Provokationstests durchführen.

Bei einer durch Pollen ausgelösten Allergischen Rhinitis ist eine Spezifische Immuntherapie (SIT) möglich. Ist dies auch möglich, wenn Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare die Ursache sind?

Ja, für die meisten Auslöser steht uns eine Immuntherapie zur Verfügung.

Wann kann man bei einer Spezifischen Immuntherapie mit dem Rückgang der Symptome rechnen? Und: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, bis dies der Fall ist?

Wir gehen davon aus, daß die Wirksamkeit bei Milben, Schimmelpilzen und Tierhaaren etwas später einsetzt, als bei den Pollen – meist nach 6 bis 8 Monaten.

Bis dahin sollten antientzündliche und antiallergische Medikamente angewendet werden. Dies kann z.B. mit einem neuen Kombinations-Nasenspray geschehen.

Falls die Bronchien betroffen sind, stehen Inhalationsmittel zur Verfügung, die einen guten Schutz vor weiteren Schleimhautschädigungen bieten.

Herr Prof. Klimek, vielen Dank für dieses Interview!

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