Allergen- statt Pollenflugvorhersage

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Reicht die Pollenflugvorhersage oder brauchen wir die Allergenvorhersage?

Für Heuschnupfen-Patienten ist die Pollenflugvorhersage ein nützlicher Service. Schließlich ermöglicht es ihnen in der Pollensaison, die Tage mit der höchsten Belastung zu umgehen, indem sie den Aufenthalt im Freien meiden. In der Forschung beschäftig man sich doch schon lange mit dem nächsten Schritt. Nicht die Vorhersage der Pollenkonzentration, sondern die Allergenkonzentration und damit die Möglichkeit einer Allergenvorhersage, stehen im Zentrum der Untersuchungen. Ein wichtiges Stichwort ist hierbei das biologische Exposom. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München über seine Forschungsarbeit, erste Erkenntnisse und Ziele.

Herr Prof. Buters, Sie beschäftigen sich in Ihren Forschungsarbeiten zum Thema Allergie mit dem "biologischen Exposom". Was genau versteht man darunter?

Unter dem biologischen Exposom versteht man alle biologischen großmoleküligen Bestandteile der Luft, die im Laufe des Lebens in Nase und Lunge eines Menschen kommen. Dazu gehören z.B. Pflanzenteile, Pollen, Pollenallergene, Schimmelsporen, lebende und tote Bakterien – im Grunde alles außer chemischen Bestandteilen.

Wichtig zu erwähnen ist, dass es sich nicht bei all diesen Bestandteilen um Allergene handelt. Bakterien z.B. sind keine Allergene, sie können aber das allergische Geschehen beeinflussen, entweder indem sie schützend wirken oder aber indem sie einen negativen Einfluss haben. In der Literatur findet man überwiegend die Aussage, dass die Bakterien schützend wirken, aber dafür kommt es darauf an, um welche Bakterien es sich handelt und wie viele verschiedene Spezies vorhanden sind.

Es ist ein wichtiger Aspekt bei unserer Arbeit am biologischen Exposom, dass wir uns im Zusammenhang mit Allergien nicht allein auf die Pollen konzentrieren, sondern die Gesamtheit der Bestandteile der Atemluft in Betracht ziehen, eben das gesamte biologische Exposom. Übrigens ist das Mikrobiom, das im Zusammenhang mit der Hygiene-Hypothese diskutiert wird, ein Teil des biologischen Exposoms und bezeichnet die Gesamtheit der Bakterien des menschlichen Körpers, allerdings handelt es sich hier um das innere biologische Exposom.  

Warum ist das biologische Exposom ein wichtiger Faktor und warum ist es im Zusammenhang mit Allergien von Bedeutung?

Jeder Mensch ist individuell verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. Zum einen sind da die chemischen Substanzen, die je nach Wohnort eine Rolle spielen. Dies können z.B. die Dieselrußpartikel sein, die bei einer Wohnlage in der verkehrsreichen Innenstadt eine Rolle spielen, oder - im Innenraum - der feine Textilstaub aus der Kleidung. In der Regel beschäftig man sich mit den chemischen Bestandteilen der Luft und deren Auswirkungen auf die Gesundheit und vernachlässigt die biologische Komponente.

Auch bei der Untersuchung der Stallstäube im Zuge der Bauernhofstudien hat man festgestellt, dass die Bakterien in der Umluft eine vor Allergien schützende Wirkung zu haben scheinen. Dennoch beschäftigte man sich bisher nicht sehr intensiv, außer bei den Bauernhofkindern, mit der biologischen Komponente der Atemluft, dem biologischen Exposom.

Erwiesen ist, dass der Körper auf biologische Komponenten allergisch reagieren kann, also macht es durchaus Sinn, den dahinter liegenden Mechanismen auf den Grund zu gehen. Wir untersuchen deshalb, welche Faktoren beim biologischen Exposom für die allergischen Reaktionen und Sensibilisierungen verantwortlich sind und was von außen an Einflüssen an das Individuum herangetragen wird.

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