Allergische Rhinits

Privatdozentin Dr. med. habil. Kirsten Jung, Präsidentin des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) e.V.

Allergische Rhinitis: Warum werden deutsche Patienten nicht adäquat versorgt?

Die durch den Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA) beim Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen/ Prof. Dr.re.pol. Jürgen Wasem in Auftrag gegebene Studie brachte es an den Tag: Allergiepatienten werden in Deutschland nicht entsprechend der Leitlinien behandelt. Damit steht fest: Patienten, die unter einer Allergischen Rhinitis leiden, d.h. unter einer Pollenallergie, einer Allergie gegen Tierhaare oder einer Allergie gegen Hausstaubmilben, bekommen nicht die Behandlung, die dem neuesten medizinischen Standard entspricht. Für die Patienten, die von einer Allergie betroffen sind, hat diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Für die Untersuchung hatte man die Daten von 40 Millionen Versicherten im Zeitraum von vier Jahren (2007 bis 2010) untersucht. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozentin Dr. med. habil. Kirsten Jung, Präsidentin des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) e.V. und in dieser Eigenschaft Mitinitiatorin des Aktionsforums Allergologie, über die Versorgungssituation für Allergiepatienten in Deutschland und darüber, was Patienten tun können.

Frau Privatdozentin Jung, aus der Wasem-Studie geht hervor, dass die Anzahl der Rhinitis- und Asthmapatienten im Untersuchungszeitraum deutlich angestiegen ist. Gleichzeitig ist die Anzahl der Arztpraxen, die eine Spezifische Immuntherapie (SIT) abgerechnet haben, dramatisch gesunken. Was bedeutet das für die Patienten?

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) oder auch Hyposensibilisierung ist die einzige kausale Therapie der allergischen Rhinitis. Die Ausprägung weiterer Allergien und der Etagenwechsel zum Allergischen Asthma kann nur durch eine Hyposensibilisierung verhindert werden.

Die SIT wirkt also nicht allein als Therapie, sondern auch präventiv und sollte frühzeitig bei mittelschwerer bis schwerer Rhinitis, die unzureichend durch eine symptomatische Therapie beeinflusst wird, entsprechend der Leitlinien eingesetzt werden.

Wenn die Spezifische Immuntherapie dem Patienten nicht ermöglicht wird, bedeutet dies, dass für ihn das Risiko besteht, in Folge schwerere Symptome einer Rhinokonjunktivitis bis hin zum Asthma zu entwickeln. Für den Patienten folgt eine einschneidende Verschlechterung der Lebensqualität. Aber: Die von Allergischer Rhinitis Betroffenen sind sich oft nicht im Klaren darüber, dass sie zusätzlich noch an Allergischem Asthma erkranken können und dass Asthma bronchiale die Lebenszeit verkürzen kann.

Ein weiterer Aspekt ist der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die nicht leitliniengerechte Behandlung der Allergischen Rhinitis entsteht.

Lässt sich der volkswirtschaftliche Schaden der nicht leitliniengerechten Behandlung von Patienten mit Allergischer Rhinitis beziffern?

Für die den Krankenkassen entstehenden direkten Kosten gibt es Berechnungsmodelle, die einen guten Überblick über die Mehrkosten für das Gesundheitssystem durch eine nicht leitliniengerechte Behandlung geben. Berechnet wurde, was es kostet, wenn Patienten dadurch, dass sie nicht rechtzeitig  eine Spezifische Immuntherapie erhalten, ein Allergisches Asthma entwickeln.

Zwar sind die Kosten für einen Patienten, der eine SIT erhält, in den ersten drei Jahren nach Beginn der Behandlung höher als bei einer klassischen Symptombehandlung – die Extrakte, mit denen die Behandlung stattfindet, sind nicht billig. Aber bereits ab dem dritten Jahr kehrt sich dieses Verhältnis um und der Patient, der hyposensibilisiert wurde, verursacht deutlich niedrigere Kosten, als der Patient, der nur eine symptomatische Standardtherapie erhielt oder keine.

Nach 10 Jahren ist der unbehandelte Patient sogar doppelt so "teuer" wie der Patient, der eine SIT durchgeführt hat - hier schlagen die Asthma-Medikamente zu Buche. 

Hinzu kommen die indirekten Kosten, die durch eine nicht adäquate Behandlung entstehen. Damit gemeint sind die Kosten, die durch Arbeitszeitausfälle, Reha-Maßnahmen, den früheren Eintritt in die Rente etc. entstehen – auch hier entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden.

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