Ambrosia Allergie

Dr. Stefan Nawrath, Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie in Friedberg

Ambrosia blüht auch im Oktober und verursacht Heuschnupfensymptome

Eigentlich ist die Ambrosia eine in Amerika beheimatete Pflanze. Mittlerweile hat sie sich jedoch auch in Deutschland und insbesondere in den südlichen und östlichen Bundesländern ausgebreitet. Dies fände wenig Beachtung, würde die mit dem Beifuß verwandte Ambrosia nicht über aggressive Allergene verfügen, die bei Allergikern starke Heuschnupfensymptome auslösen können. Ihre Blühperiode liegt vorwiegend im August und Oktober, also in einer Zeit, in der bislang nur wenige Pollenallergiesymptome auftreten. Über die Ambrosiaverbreitung und die Bekämpfungsaktivitäten der deutschen Behörden sprach MeinAllergiePortal mit Dr. Stefan Nawrath, Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie in Friedberg.

Herr Dr. Nawrath, welche Bundesländer sind in Deutschland stark von der Ausbreitung der Ambrosia betroffen und welche weniger?

Größere Vorkommen der Beifuß-Ambrosie kennen wir derzeit aus den südlichen und östlichen Bundesländern. Besonders umfangreich sind die Vorkommen in der Niederlausitz in Brandenburg wo ausgehend von diesen Vorkommen eine weitere starke Ausbreitung erfolgt.

Ansonsten sind die Bestände noch nicht so groß, so dass eine nachhaltige Bekämpfung möglich ist. Besonders dynamisch ist die Ausbreitung längs der Straßenränder. Im Zuge des Klimawandels ist auch für die nördlichen Bundesländer und die Berglagen mit einer Ausbreitung zu rechnen. Nur bei ausreichend warmem Klima ist Ambrosia in der Lage reife Samen zu bilden.

In Zusammenhang mit dem Ausbreitungsprozess der Ambrosia ist die Rede von mit Ambrosiasamen verseuchtem Vogelfutter. Ist dies tatsächlich der Grund für die starke Ausbreitung der Pflanze?

ambrosia allergieBeifuß-Ambrosie, Quelle: www.ambrosiainfo.deMit Samen der Beifuß-Ambrosie belastetes Vogelfutter war in Deutschland bislang der wichtigste Einschleppungsweg. Insbesondere die Verwendung als billiges Saatgut für die Anpflanzung von Schnittblumenfeldern hat zu vielen große Vorkommen geführt. Mit zunehmender Ausbreitung der Art verliert dieser Einschleppungsweg aber an Bedeutung. Dann wird die Ausbreitung über Erde oder mit der Mahd der Straßenränder wichtiger.

Erfreulicherweise hat die Belastung des Vogelfutters mit Ambrosia-Samen in den letzten Jahren abgenommen. Zudem schreibt seit 2012 eine EU-Verordnung einen Grenzwert von etwa 10 Samen pro Kilogramm vor. Aber nach wie vor ist im Handel Vogelfutter mit Ambrosia-Samen zu finden, die teils den Grenzwert weit überschreiten. Es ist also auch an Vogelfutterstellen weiterhin mit Ambrosia-Pflanzen zu rechnen.

Das allergene Potenzial der Ambrosia ist ein wichtiger Grund zur Bekämpfung – gibt es noch andere Gründe?

Neben den gesundheitsschädlichen Auswirkungen ist die Art ein problematisches Ackerunkraut, das den Ertrag von verschiedenen Ackerkulturen teils erheblich reduzieren kann.

Durch Bekämpfungsmaßnahmen sind auch erhebliche Auswirkungen für den Naturschutz zu erwarten, wenn beispielsweise als Refugialräume verbliebene Saumstrukturen im Agrarbereich im Zuge der Ambrosia-Bekämpfung entwertet werden.

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung schätzt die Gesundheitskosten, die durch die Ausbreitung des neuen Allergens entstehen, auf etwa 200 Millionen bis über eine Milliarde Euro pro Jahr.

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