Allergischer Marsch

Prof. Dr. Knut Brockow, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Technische Universität München

Der allergische Marsch: Gibt es ihn in einer festen Abfolge?

Mit der Spezifischen Immuntherapie (SIT) bzw. der Hyposensibilisierung ist es möglich, einen Etagenwechsel von der Pollenallergie zum Allergischen Asthma zu verhindern. Gibt es ähnliche Möglichkeiten, in den allergischen Marsch einzugreifen?

Dies betrifft den Bereich der Primärprävention. Über viele Jahre wurde bei atopisch vorbelasteten Kindern versucht, mit Hilfe von hypoallergener Säuglingsernährung die Entwicklung von Allergien zu verhindern. Hier hat sich allerdings gezeigt, dass der Einfluss hypoallergener Säuglingsnahrung wesentlich geringer ist, als dies in den älteren Studien den Anschein hatte.

Grundsätzliche Empfehlungen, die dabei helfen können, das Entstehen einer Allergie zu vermeiden, sind: Stillen für vier Monate, bei Risikokindern, hypoallergene Säuglingsernährung, die einen leichten positiven Effekt haben könnte, Vermeidung von Tabakrauchexposition, Meidung eines schmimmelpilzfördernden Innenraumklimas, Impfungen sind nicht negativ, eher positiv, und sollten entsprechend der Empfehlungen der Impfkommision durchgeführt werden.

In Bezug auf die Tierhaltung wird diskutiert, ob man felltragende Tiere, insbesondere Katzen, meiden sollte. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass eine starke Katzenexposition, also mehrere Katzen, das Risiko an einer Allergie zu erkranken senken könnte. Es lässt sich also keine Aussage dazu treffen, ob es im Zuge einer Primärprävention unbedingt erforderlich ist, felltragende Tiere zu meiden, es sei denn die Allergie besteht bereits.

Sind die felltragenden Tiere denn auch ein Faktor bei der Hygienehypothese?

Die felltragenden Tiere sind bei der Hygienehypothese kein wesentlicher Faktor. Mit der Hygiene Hypothese versucht man, eine Erklärung für die steigende Zahl von Allergien zu beschreiben. Man verfügt mittlerweile auch über Daten, die diese These unterstützen. Z.B. zeigen diese Daten, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, weniger atopische Erkrankungen aufweisen. Auch mit einer zunehmenden Anzahl von Geschwistern und einer zunehmenden Anzahl von Infektionen sinkt das Risiko, eine atopischen Erkrankung zu entwickeln.

Maßgeblich für diesen Effekt scheinen aber weniger die felltragenden Tiere zu sein, sondern vielmehr die Kontakte mit Bakterien. Z.B. scheint sich nicht pasteurisierte Milch protektiv auf das Immunsystem auszuwirken. Auch bakterielle Infektionen, wie sie sich auf Bauernhöfen oder großen Haushalten häufiger einstellen, scheinen Mechanismen des Immunsystems zu aktivieren, die sich wiederum bremsend auf die Entwicklung von Allergien auswirken.

Abschließend könnte man sagen, das Immunsystem sucht eine Beschäftigung und wenn es genügend „natürliche“ Feinde findet, bleibt es ruhig und entwickelt keine Allergien. Findet es diese „natürlichen“ Feinde nicht, stürzt es sich auf harmlose Umweltallergene und entwickelt Allergien.  Man versucht deshalb durch bestimmte Bakterien in Nahrungsmitteln, wie z.B. in Joghurt, das Mikrobiom umzustimmen und einen „Bauernhof-Effekt“ zu erzeugen. Bisher ist dies jedoch noch nicht überzeugend gelungen.

Herr Prof. Brockow, herzlichen Dank für das Interview!

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