Etagenwechsel Allergie

Dr. Bernhard Sehrbundt, Leiter der Hochschulambulanz der Hals- Nasen- Ohrenklinik, Universitätsklinikum Marburg

Etagenwechsel: Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen

Sollte man also immer eine Spezifische Immuntherapie (SIT) durchführen, um einen Etagenwechsel zu verhindern?  

Man sollte, wenn sich die Möglichkeit bietet, immer eine Spezifische Immuntherapie (SIT) anstreben, da diese die besten Erfolgsaussichten hat und gleichzeitig die einzige kausale (d.h. ursächliche) Therapie darstellt. Dies, weil oftmals eine völlige Allergenkarenz (vollkommene Vermeidung des Kontaktes mit der allergieauslösenden Substanz) nicht möglich ist.  Die Möglichkeit zu einer erfolgreichen SIT bietet sich dann, wenn wenige  starke Allergien vorliegen. Bei ein oder zwei Allergien, kann man mit einer gezielten Immuntherapie in den meisten Fällen ein späteres Asthma verhindern.

Wenn man schon die allergische Rhinitis adäquat angeht, hat man eine gute Chance, eine Verschlechterung zu vermeiden – dies kann bestenfalls den allergischen Marsch stoppen, oder aber in vielen Fällen zumindest eine Verschlechterung vermeiden.

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) wird schon seit über 16 Jahren eingesetzt und mittlerweile ist durch die neuen Anwendungsformen, z.B. die Tablettenform für die Gräserallergie oder mit der Sublingualen Therapie bzw. der Oralen Therapie eine wesentlich höhere Patienten-Compliance (Akzeptanz der Darreichungsform und damit Therapietreu und Konsequenz durch den Patienten) zu erreichen. Es ist heute nicht mehr so wie früher nötig, dass der Patient zur Behandlung einmal wöchentlich für eine halbe Stunde die Arztpraxis aufsuchen muss, um eine Spritze zu bekommen. Die Erstgabe bei der sublingualen und auch bei der oralen Therapie sollte unter ärztlicher Aufsicht in der Praxis erfolgen, danach kann die weitere Therapie zu Hause erfolgen, vorausgesetzt es kam bei der Erstgabe nicht zu lokalen oder allgemeinen Reaktionen. Für die Patienten ist dies wesentlich angenehmer.

Außerdem hat eine solche präventive Behandlung auch volkswirtschaftliche Implikationen. In einer neuen US-amerikanischen Studie, die vor zwei Monaten in Florida anhand eines sehr großen Patientenkollektivs durchgeführt wurde konnte nachgewiesen werden, dass die Kosten für das Gesundheitssystem durch eine adäquate Immuntherapie um 30 Prozent gesenkt werden können, wenn man Asthma vorbeugt anstatt es zu behandeln, nachdem es entstanden ist. Angesichts der geschätzten jährlichen globalen Kosten für die Behandlung von Allergien in Höhe von 5 Milliarden USD bedeutet dies eine immense Einsparung für die mit knappen Mitteln ausgestatteten öffentlichen Gesundheitssysteme.

Von den Fachgesellschaften hört man immer wieder, dass die allergologische Versorgung in Deutschland nicht adäquat sei, d.h. dass nicht alle Patienten, bei denen dies angebracht wäre, mit einer Spezifischen Immuntherapie (SIT) behandelt würden. Wie passt das zu dem von Ihnen genannten potenziellen Einsparungspotenzial für das Gesundheitssystem?

Einerseits sind viele Patienten selbst nicht genügend sensibilisiert. Viele halten einen Heuschnupfen für harmlos, auch weil er nur saisonal auftritt. Auf der anderen Seite hat eine Studie in Belgien ergeben, dass auch die behandelnden Ärzte oftmals die Symptome der Patienten unterschätzen. Sie neigen dazu, den Leidensdruck der Patienten als geringer einzuschätzen, als dies angesichts des Schweregrades der Erkrankung angebracht wäre. Hinzu kommt, wie bereits erwähnt, dass Familien mit Haustieren diese Haustiere trotz Allergie gerne behalten möchten und damit zur Verschlimmerung der Krankheit beitragen. Es gibt hier also eine Gemengelage von Ursachen.

Man muss allerdings auch erwähnen, dass der behandelnde Arzt in Deutschland für die Durchführung einer  Spezifischen Immuntherapie (SIT) ein Zusatzbudget beantragen muss, dass von der Krankenversicherung genehmigt werden muss. Eine Spezifische Immuntherapie ist relativ – und durch ein kurzfristiges Zeitfenster betrachtet - teuer. Ohne Zusatzbudget ist eine solche Behandlung also nicht möglich. Die Rahmenbedingungen in Deutschland wirken hier wie ein eng geschnürtes Korsett. So wird in Deutschland vieles reglementiert und man muss fast schon sagen rationiert. Es werden Folgekosten produziert, die einsparbar wären, (wie bereits am zitierten Beispiel der USA gesehen) wenn man nicht so kurzsichtig agieren würde.

Gibt es nach dem Etagenwechsel zum allergischen Asthma mögliche Folgerkrankungen?

Es gibt Studien aus Dänemark, die besagen dass Allergien sogar einen schützenden Charakter haben können, und zwar in Bezug auf Gehirntumore und Tumore des Verdauungssystems. Menschen mit Allergien scheinen hier besser geschützt zu sein.

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