Etagenwechsel Allergie

Dr. Bernhard Sehrbundt, Leiter der Hochschulambulanz der Hals- Nasen- Ohrenklinik, Universitätsklinikum Marburg

Etagenwechsel: Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen

Betroffene sollten also spätestens dann an einen Etagenwechsel denken, wenn sich Symptome, die sich bis dahin nur bei den oberen Atemwegen zeigten, auf die unteren Atemwege ausdehnen?

Eigentlich sollten Betroffene  bereits sehr viel früher an einen Etagenwechsel denken. Schon bei nasalen Beschwerden wie Juckreiz, Niesreiz, nasaler Obstruktion und vielleicht auch schon bei einer Einschränkung des Riechvermögens bzw. bei Kopfschmerzen sollte man zum Arzt gehen. Man unterschätzt hier leicht, dass schon eine allergische Rhinitis eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung ist, die zu erheblichen Einbußen der Leistungsfähigkeit und auch der Lebensqualität führen kann. Wenn es zum gefürchteten Etagenwechsel kommt, und das Risiko hierfür ist für Menschen mit allergischer Rhinitis um den Faktor 3 erhöht, verglichen mit der Normalbevölkerung, drohen weitaus erheblichere Gesundheitsprobleme.

Im Stadium der allergischen Rhinitis lässt sich jedoch noch sehr viel tun, um einen Etagenwechsel zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt kann man mit Hilfe bestimmter Tests eine klare Diagnose stellen, und dann eine Spezifische Immuntherapie (SIT) durchführen, die erwiesenermaßen einen späteren Etagenwechsel wirksam verhindern kann. Auch eine Sublinguale Spezifische Immunterapie Therapie (SLIT) ist möglich oder, in naher Zukunft, wahrscheinlich sogar eine Epikutane Immuntherapie (EIT), wie sie aktuell probeweise in einigen Studien getestet wird.

Eignet sich die Spezifische Immuntherapie (SIT) für alle Allergien gleichermaßen – wie sind die Erfolgsaussichten?

Es gibt "starke" Allergene,  und Allergene die weniger "stark" sind und wahrscheinlich auch ein weniger ausgeprägtes Krankheitsbild verursachen. Bei der Pollenallergie ist die Gräserallergie der Klassiker eines "starken" Allergens. Speziell im Fall einer Gräserallergie gibt es mittlerweile mehrere wirksame und gut erprobte Präparate für die Spezifische Immuntherapie (SIT) und dementsprechend kann hier durch eine rechtzeitige Immuntherapie oft einen Etagenwechsel verhindert werden. So ist die Spezifische Immuntherapie (SIT) unterschiedlich erfolgreich bei verschiedenen Allergien. Man kann also nicht von einer globalen Erfolgsquote der SIT in irgendeiner Prozentzahl sprechen.

Die Hausstaubmilbenallergie, z. B., welche eigentlich das ganze Jahr über aktuell ist, in der feuchten Jahreszeit vielleicht sogar in etwas stärkerem Maße, eignet sich ebenfalls für eine SIT , allerdings ist hier der Erfolg oft nur mäßig und es kann dennoch zu einem Etagenwechsel zum allergischen Asthma kommen.

Auch bei der Schimmelpilzallergie liegt das ganze Jahr über ein Allergiepotenzial vor, allerdings sind die Erfolgsaussichten der SIT hier höher als bei der Milbenallergie.

Dies gilt auch für die Allergien gegen Tierhaare. Ganz besonders für Katzen gilt, dass die Allergenkarenz die beste Therapie ist, auch wenn das für die Kinder oft schmerzlich ist. Für Familien mit atopischen  Kindern bzw. mit Kindern, die eine atopische Prädisposition (erhöhtes Risiko eine Allergie zu entwickeln) haben gilt die Empfehlung, kein Felltiere anzuschaffen, d.h. keine Katze und keine Kleintiere bzw. Nager, wie Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen etc.. Oft hören die Familien das nicht so gern, es ist aber empfehlenswert, denn nur so erreicht man eine Primärprävention und kann noch vor der Ausbildung einer Allergie etwas tun.

Für den Erfolg der Spezifischen Immuntherapie spielt die Diagnose eine wichtige Rolle. Was ist hier wichtig? 

Zunächst ist es wichtig, sich nicht alleinig auf die Gesamt IgE-Bestimmung zu verlassen. Man hat das in der Vergangenheit gemacht, aber ein erhöhtes Gesamt-IgE hat nur eine geringe Aussagekraft und gibt lediglich den Hinweis auf eine allergische Prädisposition (Wahrscheinlichkeit in Zukunft eine Allergie zu entwickeln). Es gibt jedoch gewisse Hinweise aus Studien, dass ein erhöhtes Gesamt-IgE im Nabelschnurblut ein positiver Prädiktionsfaktor für die Wahrscheinlichkeit im späteren Leben eine Allergie zu entwickeln ist.

Sinnvoller sind spezifische Tests wie der Prick-Test, den man dann mit speziellen organspezifischen Provokationstests bestätigen sollte, entweder durch eine nasale Provokation, eine konjunktivale (am Auge) Provokation, eine bronchiale Provokation bzw. einen epikutanen Patchtest, wie ihn der Hautarzt durchführt. Wenn eine Blutuntersuchung durchgeführt werden soll, sollte man eine RAST Diagnostik mit Bestimmung der Antikörperanzahl gegen bestimmte Allergen durchführen. Dieses Verfahren ist besonders bei kleinen Kindern geeignet, welche noch nicht einer organspezifischen Testung zugeführt werden können. Sehr genaue Diagnosen liefert neuerdings auch die molekulare Allergiediagnostik.

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