allergische Rhinitis Verordnung

Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden

Allergische Rhinitis: Was hilft und was kann verordnet werden?

Dilemma Allergische Rhinitis-Therapie: Wirtschaftlichkeit contra Wirksamkeit

Die Ärzte müssen aufgrund fehlender Vergleichsstudien letztlich allein auf die Wirtschaftlichkeit achten – zumal ihnen die Beweis- und Dokumentationspflicht obliegt und die Gefahr von Regressansprüchen besteht. „Dies führt dazu, dass die neueren, sowohl in der Wirksamkeit als auch im Nebenwirkungsprofil günstigeren Glukokortikosteroid -Präparate viel zu wenigen Patienten mit allergischer Rhinitis verschrieben werden“, erläutert Klimek.

Dabei liegen heute medizinische Daten aus ca. 100 randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studien für etwa 20.000 Patienten vor, aus denen sich eine evidenzbasierte Rationale für den Einsatz von Antihistaminika bzw. topischen Glukokortikosteroiden ableiten lässt.

Verordnungsfähigkeit von Homöopathika und Antroposophika trotz mangelnder Evidenz

„Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Antihistaminika und topische Glukokortikosteroide in Deutschland für gesetzlich versicherte Patienten nicht uneingeschränkt verordnet werden dürfen“, gibt Klimek zu bedenken. „Hingegen dürfen Homöopathika und Anthropsophika – laut § 12 Abs. 6 AMR – bei schwerwiegenden Erkrankungen sehr wohl zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet und erstattet werden. Nämlich dann, wenn sie als Standardtherapie in der jeweiligen Behandlungsrichtung, also der Homöopathie bzw. antroposophischen Heilkunde, gelten“, erläutert der Allergologe. Im Falle der Therapie von allergischer Rhinitis fänden sich laut Klimek in der Literatur jedoch keine Daten zur Wirksamkeit solcher Präparate, die nach vergleichbaren Kriterien wie in den Studien zu Antihistaminika und Glukokortikosteroiden erhoben wurden.

Ausweg aus dem Verordnungsdilemma - für eine bessere Therapierung allergischer Rhinits

Abhilfe könnte das vor kurzem in Deutschland zugelassene Medikament schaffen. Für das Nasenspray wurden die beiden Wirkstoffe Azelastin und Fluticason galenisch zu einer neuartigen kombinierten Aufbereitung weiterentwickelt. Dadurch unterscheidet es sich von allen anderen derzeit verfügbaren Antihistaminika und Glukokortikosteroiden. Studien [4, 5, 6] belegen neben der guten Verträglichkeit des Präparats eine signifikante Verbesserung der Wirksamkeit (p<0,001) gegenüber den beiden Einzelwirkstoffen, insbesondere eine schnellere und umfassendere Reduktion der nasalen und okularen Symptome. Das Präparat ist rezeptpflichtig sowie verordnungs- und voll erstattungsfähig. „Damit haben Patienten erstmals seit 2006 wieder die Option auf eine verordnungsfähige, leitliniengerechte Therapie, die evidenzbasiert und zielgerichtet ist“, schließt Klimek.

Literatur:

[1] Bousquet PJ et al. Int Arch Allergy Immunol 2012;160(4):393-400
[2] Hellgren J et al. Allergy 2010;65(6): 776-783
[3] Gemeinsamer Bundesausschuss, Arzneimittelrichtlinie Anhang 1
[4] Hampel FC et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2010;105:168-173
[5] Carr W et al. J Allergy Clin Immunol 2012;129:1282-1289
[6] Price D et al. Allergy 2012;67(Suppl 96)336-337

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